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05.10.2009 – 09:30

proTELL

proTELL: Gewalt - was ist dagegen zu tun ?

Bern (ots)

Die Herbsttagung von proTELL vom 3. Oktober in Olten
befasste sich mit dem Thema "Jugendgewalt-Häusliche Gewalt". In 
seiner Begrüssung legt der Präsident proTELL, alt Nationalrat Willy 
Pfund die Situation aus Sicht der Befürworter eines freiheitlichen 
Waffenrechts dar. Unterstützt durch die Medien wollen die 
Gegner/innen des privaten Waffenbesitzes und der Heimabgabe der 
persönlichen Waffe an die Wehrmänner die simplifizierte, irreale 
Gleichung "Keine Schusswaffen = keine Suizide, keine Tötungsdelikte 
und keine häusliche Gewalt mehr" suggerieren. Sie versuchen damit den
Eindruck zu erwecken, dass privater Schusswaffenbesitz der 
eigentliche Grund für Drohung und Ausübung von Gewalt sei. Sie 
predigen ein Schusswaffenverbot als Allerweltsheilmittel gegen 
Drohung und Gewaltanwendung, kümmern sich aber nicht um die 
eigentlichen Ursachen von Gewalt.
Die Nationalrätinnen Bea Heim (SP/SO) und Andrea Martin 
Geissbühler (SVP/BE) sowie die Nationalräte Walter Müller 
(FDP-Liberale/SG) und Pius Segmüller (CVP/LU) befassten sich in ihren
Kurzreferaten aus unterschiedliche Sicht mit dem Thema der Tagung. 
Bei den Ursachen der Jugendgewalt spiele das soziale Umfeld eine 
wichtige Rolle. Aber auch Drogen- und Alkoholkonsum senken die 
Hemmschwelle. Es brauche aber sowohl repressive und präventive 
Massnahmen. Einen echten Handlungsbedarf sieht man beim Gesetzgeber 
und der Justiz bezüglich Jungendstrafgesetz, welches verschärft 
werden müsste. Senken der Altergrenzen und echte Freiheitsstrafen 
seien am Platz. Die Verschärfungen sollen von den Jugendlichen als 
echte Strafe empfunden werden und eine abschreckende Wirkung 
erzielen. Sonst machen sich die Delinquenten bloss lächerlich über 
die Gesellschaft, die Polizei und Justiz. Und es ist absurd, wenn bei
Geldstrafen, welche die Straftäter nicht begleichen können, der 
Staat, also die Bürgerinnen und Bürger, die Zeche bezahlen müssen. 
Die Polizei sollte noch mehr präventiv gegen Gewalt wirksam werden 
können. Bei der Polizei würden in Bezug auf Taktik und Technik 
ständig Verbesserungen erzielt; viele Polizisten hätten keine 
Beziehung mehr zu der Frage wozu dies geschieht. Die Polizeiaufgabe 
macht erst dann Sinn, wenn der Polizist die Menschen, die er schützen
soll, auch in ihrem Umfeld kennt. Einsatzpatrouillen, die nur mit dem
Fahrzeug im Quartier sporadisch Präsenz markieren, bekommen kein 
Gespür für den Menschen vor Ort; sie entfremden sich vom Bürger. Dies
sei nicht der Fehler der Polizei. Die Gemeinschaft oder besser die 
Politiker ermöglichen der Polizei, als dem wichtigsten Mittel für die
Gewährleistung der inneren Sicherheit, die Aufgabenerfüllung nicht 
mehr.
Schätzungen zufolge werde in der Schweiz rund jede zehnte Frau im 
Laufe ihres Erwachsenenlebens Opfer von häuslicher Gewalt. Seit 5 
Jahren zwar ein Offizialdelikt, welches der Polizei einen grossen 
Aufwand bringe und nicht viel nütze. In rund 50% der Fälle führt die 
Desinteresse-Erklärung des Opfers zur Sistierung des Falles. Seit der
Offizialisierung gibt es nicht mehr häusliche Gewalttaten und der 
Artikel 55a müsste gestrichen werden. Bei häuslicher Gewalt, bei 
Familiendramen und bei Suiziden seien oft auch Schusswaffen im Spiel 
und Militärwaffen gehören nicht ins Haus sondern in gesicherte Räume 
der Armee gehören; dies die Meinung einer der Referentinnen.Um das 
Problem Jugendgewalt zu Lösen müssten alle an "Bord" sein. Eltern, 
Jugend, Lehrer, Polizei, Justiz und es braucht Durchsetzungswillen 
und Ausdauer. Auf politischer Ebene auf Stufe Bund ist nicht viel 
geschehen. Im Mai 2009 verabschiedet der Bundesrat den Bericht 
"Jugend und Gewalt- wirksame Prävention in den Bereichen Familie, 
Schule, Sozialraum und Medien" und im Juli 2009 veröffentlicht das 
Bundesamt für Polizei den Ergebnisbericht zur Kantonsumfrage 
"Jugendliche Intensivtäter". Das Fazit lautet: viel Bericht aber 
wenig konkretes Handeln.
Mit geschickter Fragestellung gelang es Roger Thiriet, Journalist 
und Medienschaffendem die abschliessende Podiumsdiskussion mit den 
vier Referentinnen und Referenten lebhaft zu gestalten. Bei der Frage
"Wie begegnen wir erfolgreich Gewalt" war man sich soweit einig, dass
es sich um ein sehr komplexes Problem handelt. Staatliche Massnahmen 
allein können es nicht schaffen, denn es ist unsere Gesellschaft, die
sich in eine falsche Richtung entwickelt hat und immer noch so 
weiterentwickelt. Das Heil allein in staatlicher Ueberregulierung 
oder mehr Polzei zu suchen, kann nicht zum Erfolg führen; wir alle 
müssen etwas tun. Die Wirtschaft, die Schulen und die Politik, aber 
in erster die Familien müssen wesentlich mehr in Sachen Erziehung 
leisten. Wie hat doch Jeremias Gotthelf schon vor langer Zeit gesagt 
"Im Hause muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland".

Kontakt:

Richard Gasser
Tel.: +41/33/336'99'68
E-Mail: internetdienst@protell.ch

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