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Media Service: "Wir sind alle gleich und alle verschieden"

Bern (ots) - Manarekha ist acht Jahre alt. Doch das Mädchen, das in einer Adoptivfamilie im Tessin lebt, hat Mühe zu sprechen und zu rechnen. Für die Familie ist es nicht leicht, mit dieser kognitiven Beeinträchtigung umzugehen. Grosse Unterstützung findet die Familie aber durch die Schule. swissinfo.ch porträtiert das Mädchen, ihren Alltag und ihre Familie. Es ist 7 Uhr morgens. Manarehka reibt sich die Augen. Sie ist noch müde. "Wer hat seine Milch zuerst ausgetrunken?", wird sie von ihrem Papa angespornt. "Beeile dich, denn gleich kommt der Schulbus. Noch ein Schluck - und dann Zähneputzen." Es ist der übliche Alltag in einem kleinen Haus in Vacallo, einem Tessiner Dorf in unmittelbarer Nähe zu Italien. Die Familie Di Costantino-Laudi ist zum Frühstück im Wohnzimmer. Mutter Babita, Vater Massimo, die jugendliche Tochter Iris und die kleine Manarekha.

Das Mädchen ist acht Jahre alt, ihr Blick ist aufgeweckt, die Beine bewegen sich unruhig unter dem Tisch, während sie mit den Händen versucht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. "Jetzt fahre ich mit dem Kleinbus. Zuerst anschnallen. Dann Musik hören. Sooo schön!" Ihre Stimme ist schrill, die Worte überschlagen sich. "Manchmal muss man kreativ sein, um zu verstehen, was sie sagen will", erzählt die Mutter. Monny - so nennt man sie in der Familie - hat eine kognitive Beeinträchtigung. "Wir wissen nicht ganz genau, was es ist. Wir wissen nur, dass ihre Auffassungsgabe im Vergleich zu Gleichaltrigen langsamer ist. Sie braucht daher in der Schule einen gezielten Stützunterricht." Diese Unterstützung hat Manarekha in einer Sonderschulklasse von Stabio gefunden - rund 10 Kilometer von Vacallo entfernt. Die Schule hat dieses Jahr das Pilotprojekt "Willkommensklasse" lanciert. Acht Kinder mit eingeschränkter Auffassungsgabe werden hier in die normale Schule integriert. In Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Potential nehmen sie am regulären Unterricht der ersten Primarschulklasse teil. Die Adoptiveltern beurteilen die bisherige Erfahrung als positiv. Mutter Babita sagt: "Es ist gut zu wissen, dass sie von Lehrern speziell betreut wird und zugleich mit anderen Kindern in Kontakt ist." Für Manarekha sei nämlich das bisherige Leben in der Schweiz alles andere als leicht gewesen.

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