Neue Osnabrücker Zeitung

Kommentar zu Geschichte
NS-Zeit
Gedenkstätten
Esterwegen

Osnabrück (ots) - In die Erinnerung zurückgeholt

Ein Deutschland, das an uns denkt, wird ein besseres Deutschland sein." Diesem Wunsch Carl von Ossietzkys, Friedensnobelpreisträger und ehemaliger Häftling im Konzentrationslager Esterwegen, ist mit der Einrichtung der Gedenkstätte Esterwegen ein Stück weit entsprochen worden. 66 Jahre nach Kriegsende kommt diese Gedenkstätte spät. Es hat schon früher Initiativen zur Einrichtung einer Gedenkmöglichkeit für die Opfer der 15 Emslandlager gegeben, sie scheiterten aus verschiedenen Gründen. Einer davon: Die Gesellschaft war auch im Emsland in den 50er-, 60er- und 70er-Jahren überwiegend mehr mit dem Verdrängen nationalsozialistischer Gräueltaten beschäftigt als mit der Aufarbeitung des Geschehenen.

Die vielleicht letzte Chance zur Einrichtung einer Gedenkstätte an diesem historischen Ort ist aber nun konsequent genutzt worden. In den vergangenen zehn Jahren ist intensiv und gewissenhaft gearbeitet worden. Zahlreiche Fachleute waren beteiligt, die Bevölkerung diskutierte das Projekt auf Bürgerversammlungen. Der biografische Ansatz in der neuen Dauerausstellung hat viele Häftlinge wieder in die Erinnerung zurückgeholt. Jetzt wird es darauf ankommen, diese Gedenkstätte mit Leben zu erfüllen, weiter zu forschen und vor allem den kommenden Generationen das Geschehene nahezubringen. Keine leichte Aufgabe. Wenn sie gelingt, wird man sagen können: Die Gedenkstätte kam spät. Aber nicht zu spät.

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