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Die besonderen Patienten - Kommentar von Wilfried Goebels

Essen (ots) - Der zunehmende Anteil älterer Demenzkranker stellt die Versorgungsstruktur der Kliniken vor große Herausforderungen. Muss sich ein Patient mit Orientierungsstörungen einer Operation unterziehen, ist eine ganzheitliche Behandlung unverzichtbar. Umgebungswechsel und fremde Pflegekräfte lösen Ängste und extreme Stresssituationen aus. Weil getrennte Demenzabteilungen keine Lösung bieten, muss die Klinik für die Demenz als Nebenerkrankung eine besondere Versorgung sicherstellen. Davon aber sind die meisten Kliniken weit entfernt. In der Hochtempo-Apparatemedizin bleibt die menschliche Zuwendung oft auf der Strecke. Schon der normal orientierte Patient leidet unter der Fünf-Minuten-Pflege. Die Gesellschaft wird die Frage klären müssen, was ihr die Kranken wert sind. Der Mehraufwand für eine demenzspezifische Pflege wird heute nicht vergütet. Demenzkranke brauchen aber feste Ansprechpartner und eine besondere Zuwendung. Anreizsysteme für Hausärzte, die Patienten in der Klinik aufsuchen, könnten diesen Kranken mehr Sicherheit geben. Schon in wenigen Jahren wird ein Großteil der Patienten 80 Jahre und älter sein. Auf die besonderen Bedürfnisse müssen sich die Kliniken einstellen. Zum Nulltarif ist der zusätzliche Aufwand aber nicht zu leisten.

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