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Media Service: Ausländische Steuersünder wollen Geld von Schweizer Banken zurück

Zürich (ots) - In den kommenden Monaten drohen Schweizer Banken Hunderte Selbstanzeigen von ehemaligen Steuersündern aus dem Ausland. Schweizer Anwälte berichten, dass sich zunehmend Selbstanzeiger bei ihnen melden, welche von ihren Banken die Herausgabe von Retrozessionen verlangen. Statt wie bisher nur zivilrechtlich, können Kunden die «Retros», wie man sie im Jargon auch nennt, nun auch über eine Strafanzeige zurückfordern. Grund ist ein Entscheid des Obergerichts des Kantons Zürich von Ende November. Es hat die Staatsanwaltschaft angewiesen, eine Strafuntersuchung gegen die Zürcher Bank Coutts zu führen. «Den Bankkunden könnte es nunmehr mit weniger Gegenwehr möglich sein, die ihnen zustehenden Gelder nicht nur zurückzufordern, sondern auch zu erhalten», sagt Dieter Söhner, dessen Kanzlei die Strafanzeige gegen die Bank Coutts eingereicht hatte. Zivilrechtlich war es für Kunden oft schwierig, ihre Gelder zurückzuerhalten, weil die wichtigen Informationen, die es zur Berechnung der Höhe der Rückzahlungen braucht, nur bei den Banken lagen. Die Transparenz fehlte.

Das nehmen Schweizer Kanzleien zum Anlass, Klienten im Ausland zu suchen. «Bisher haben wir rund 30 Kunden aus Deutschland, es trudeln aber immer mehr ein», berichtet Helmut Schwärzler, der mit seiner Kanzlei Schwärzler Rechtsanwälte auf die Vertretung von Angelerinteressen spezialisiert ist. Deutsche Unternehmer haben die Anzeigen sogar als Geschäftsmodell entdeckt. Mit Zeitungsinseraten wirbt etwa der ehemalige Berater Herbert Notz mit seiner Firma De iure um Kunden, denen er bei der Rückforderung helfen kann.

Retrozessionen sind Provisionen und andere Kickback-Zahlungen von Finanzdienstleistern, in deren Produkte Banken die Gelder ihrer Kunden investieren. Sie betragen in der Regel zwischen 0,5 und 1 Prozent des Anlagevermögens - und sie wurden von den Banken lange Zeit einbehalten, ohne dass die Kunden es wussten. Genaue Angaben, wie viel die Banken kassierten, gibt es kaum. Experten gehen von mehreren Milliarden Franken pro Jahr aus.

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