ProTier - Stiftung für Tierschutz und Ethik

Stellungnahme ProTier zum Gutachten zur Elefantennummer des Circus Knie
BVET legt Fakten nicht offen

Zürich (ots) - Grundsätzlich begrüsst die Stiftung für Tierschutz und Ethik/ProTier, dass die aktuelle Elefantennummer des Circus Knie auf ihre Beschwerde hin amtlich überprüft wurde.

Aus der heutigen Pressemitteilung des BVET geht aber leider nicht hervor, wer das Gutachten erstellt hat. Die Qualität des Gutachtens steht und fällt aber einerseits mit den Fachkenntnissen der beauftragten Person und andererseits mit ihrer Unabhängigkeit. ProTier hatte ganz klar absolut unabhängige Gutachter gefordert, welcher keinerlei Nähe zu Knie haben.

Es wird kommuniziert, dass der Elefant nicht leide. Inhalt der Beschwerde war aber nicht primär das Leid von Delhi, sondern die Möglichkeit längerfristiger, gesundheitlicher Schädigungen durch die unnatürliche Bewegungsabfolge in der Dressurnummer. Die Beschwerde beruhte auf einer Stellungnahme dreier, voneinander unabhängiger, externer Elefantenfachleuten sowie physikalischen Berechnungen, bezüglich der Belastung der vorderen Gliedmassen des Tieres. Die Kritik u.a. anderem von Tobis Dornbusch (Elefantenschutz Europa e.V.) bezog sich ganz speziell auf das Fallenlassen mit beiden Vorderbeinen aus dem Hinterbeinstand von einem Podest hinunter auf ein Schleuderbrett. Dies ist eine unnatürlich hohe Belastung für einen Elefanten und ein Verletzungsrisiko ist zweifelsfrei gegeben. Zumal Delhi auch nicht mehr der jüngste Elefant ist. Eine Überlastung des Elefantenfusses kann zu gravierenden Schäden der Fussknochen, des Fusskissens, der Gelenke und Nägel führen, die äusserlich nicht sichtbar sind. Um bereits erlittene Verletzungen oder vorzeitigen Verschleiss auszuschliessen reicht es nicht aus, den Elefanten und den Dressurakt lediglich in Augenschein zunehmen. Hierzu sind weiterführende röntgenologische Untersuchungen erforderlich. Haarrisse in den Fussknochen des Elefanten können aber selbst mit dieser Methode nicht immer zuverlässig festgestellt werden. Ein Verletzungsrisiko bzw. vorzeitiger Verschleiss und somit Schäden der Glieder und Gelenke sind ohne weiterführende, genauere Untersuchungen nicht auszuschliessen.

Das BVET macht hierzu keinerlei Angaben, welche Parameter und Verfahren für die Abklärungen möglicher gesundheitlicher Schädigungen angewendet wurden. Es ist lediglich von "persönlichen Beobachtungen" die Rede. Wurden darüber hinaus wirklich messbare Abklärungen und klinische Untersuchungen/Berechnungen vorgenommen? Die Unterlagen des Zirkustierarztes, auf die sich der Gutachter offenbar bezieht, fallen wohl kaum in die Kategorie "unabhängig", ist Dr. Kurt Müller doch gleichzeitig Kurator von Knies Kinderzoo. Art. 4 des Tierschutzgesetzes spricht zudem nicht nur von "der Vermeidung von Schmerzen und Leid" sondern auch von Schäden. Somit müsste das Gutachten klare Beweise anführen, dass keinerlei Schädigungen vorliegen.

ProTier ist der Ansicht, dass im Sinne von Transparenz genau diese Punkte offengelegt und kommuniziert werden müssen.

Weiter wäre es wünschenswert von behördlicher Seite zu wissen, ob künftig Massnahmen ergriffen werden und Änderungen anstehen zur bestehenden Praxis im Umgang mit Zirkusdressurnummern. Bisher sind solche, im Gegensatz zu Werbung mit Tieren nicht bewilligungspflichtig und werden vor Tourneestart nicht überprüft. Diese Ungleichbehandlung ist gemäss ProTier nicht nachvollziehbar und störend.

Kontakt:

Nathalie Dubois
ProTier - Stiftung für Tierschutz und Ethik
Alfred Escher-Strasse 76
8002 Zürich
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