Staatskanzlei Luzern

Feuerbrand: Vom Flächen- zum Glimmbrand

    Luzern (ots) - Das Jahr 2003 steht betreffend Infektionsbedingungen den Feuerbrandjahren 1995, 1998 und 2000 in nichts nach. Der Befall der gemeingefährlichen Bakterienkrankheit hat sich jedoch vom Flächen- zum Glimmbrand entwickelt. Die getroffenen Massnahmen der Vorjahre waren nicht umsonst. Erneut zeigt sich jedoch, jeder befallene Baum ist einer zu viel. Er kann neuen und grossen Schaden verursachen.

    Erinnern wir uns zurück. 1995 wurde im Gebiet Kottwil/Leidenberg/Mauensee erstmals im Kanton Luzern Feuerbrand festgestellt. Über 500 Einzelbäume und 8 Hektaren Obstkulturen wurden gerodet und verbrannt. Die Infektionen der Blüten entstanden damals am 8. Mai. 1998 wurde auf Birnbäumen in höheren Lagen Feuerbrand festgestellt. Er hauste dort wohl schon einige Jahre. Es müssen Vogelzüge gewesen sein, welche den Feuerbrand in diese Regionen brachten. Auf dem Blosenberg, dem Erlosen, dem Ruswilerberg, im Entlebuch und im Hinterland wurden entsprechende ältere und neue Infektionsherde festgestellt. Durch das späte Finden, den Hagel und das grosse Ausmass war die Sanierung nicht überall genügend. Im Jahre 2000 breitete sich der Befall daher zu einem Flächenbrand aus. Am 7., 9. und 10 Mai waren die Bedienungen für Blüteninfektionen des Feuerbrandes erfüllt. Über 5'000 Hochstammbäume auf über 1'000 verschiedenen Betrieben wurden gerodet.

    Befall 2003 kleiner

    Am 8. Mai 2003 waren die Bedingungen für Blüteninfektionen erneut erreicht. Dies konnte durch unser Netz von Klimastationen und die Onlineverbindung zur Feuerbrandsoftware innert Kürze und mit höchster Präzision festgestellt werden. Dort wo alter Befall war, gab es Neubefall. Der alte Befall rührte mehrheitlich von der gleichen Sorte Birnen, den Gelbmöstler. Damals standen ab ca. 600 Meter die Birnen in abgehender Blüte, einzelne Apfelsorten noch in Vollblüte. Ist es während der Blüte sehr warm und fällt Regen, können die Bakterien über die Blüten in die Pflanzen gelangen. Die Übertragung erfolgt dann meist durch Bienen oder andere Insekten. Insbesondere betroffen sind in diesem Jahr nebst Gelbmöstlerbirne die Quitten und Äpfel der Sorten Gala, Jonagold, Jonathan, Rubinette, Menznauer Jäger oder Blauacher Wädenswil. Die Anzahl befallener Bäume werden auf 5% jener vom Jahre 2000 geschätzt.

    Wenig Meldungen

    Obwohl sehr wenig Meldungen über Feuerbrand eingingen, sind bis heute Fälle aus den Gemeinden Grosswangen, Ruswil, Neuenkirch, Oberkirch, Ufhusen, Entlebuch, Doppleschwand und Willisau-Land bekannt. Ebenso bekannt sein sollte aber, dass Feuerbrand meldepflichtig ist. Eine Meldung vereinfacht in jedem Falle die Kontrolle und ergibt Hinweise, wo überall gesucht werden soll. Wichtig ist, keine Äste zu entfernen, sondern umgehend eine der Meldestellen zu benachrichtigen. Dabei ist der Feuerbrand relativ gut erkennbar. Bei starkem Befall sterben ganze Zweig- oder Astpartien ab. Die Blätter sind dunkelbraun, bleiben am Baum hängen und sind ledrig. Der Übergang zwischen gesundem Holz und krankem Holz unklar, das Kambium rotbraun gefärbt, das Holz feucht glänzend. Die Rinde ist rissig. Das sicherste Anzeichen sind Bakterienschleimtropfen, welche jedoch nur bei Bäumen mit viel einjährigem Holz feststellbar sind. Befallen werden können Äpfel, Birnen, Quitten, Weissdorn, Vogel- und Mehlbeere, Cotoneaster, Scheinquitte, Feuerdorn, Stranvaesia und Mispel.

    Rodung hat sich bewährt

    Die gesetzlichen Bestimmungen des Bundes regeln die Bekämpfung. Die Massnahme wird amtlich verordnet. Die Strategie der Kantone ist koordiniert. Landwirte mit befallenen Bäumen werden nach erfolgter Kontrolle umgehend informiert, die markierten und befallenen Bäume zu roden. Falls keine Schleimtropfen feststellbar sind und die Bäume sich nicht in der Nähe von Obstkulturen und Baumschulen befinden, kann mit der Rodung bis im Winter zugewartet werden. Ziel ist, die Krankheit soweit zu unterdrücken, dass in den kommenden Jahren keine bedeutenden Neuinfektionen mehr stattfinden können. Die Rodung stellt dazu die sicherste und bewährteste Methode zur Tilgung dar. Der Rückschnitt bringt nur in Einzelfällen Erfolg. Bei Quitten und Birnen ist dieser aussichtslos. Bei unsachgemässem Rückschnitt wird die Krankheit gar weiter verbreitet. Kann der Feuerbrand in diesem Jahr nicht genügend getilgt werden, wird dieser erneut zum Flächenbrand ausarten. Dies würde mit Bestimmtheit mehr Bäume schädigen, als in diesem Jahr gefällt werden müssen.

    Altbefall verhindern und Gelbmöstler ersetzen

Eine chemische Bekämpfung wird auch in den nächsten Jahren nicht als zufriedenstellende Lösung zur Verfügung stehen. Der diskutierte Einsatz von Antibiotika wird höchstens in geschützten Erwerbobstanlagen zum Thema werden. Wichtig sind in jedem Fall die Erkennung und Beseitigung stark befallener Bäume. Vertuschung eines Befalls verursacht das Gegenteil. Insbesondere muss im späten Herbst und im Frühjahr vor der Blühte vermehrter auf Altbefall in der Nähe von Obstanlagen geachtet werden. Auch wird das Problem nur dann weiter eingeschränkt werden, wenn die Gelbmöstlerbirnen mit weniger anfälligen Sorten ersetzt sind.

    Weitere Auskunft: Meldestellen Kanton Luzern bei      
    Feuerbrandverdacht (www.feuerbrand.ch)

    Hochstammbäume, Obstanlagen, Landwirtschaft:

    Kant. Fachstelle für Spezialkulturen     Centralstrasse 21     6210 Sursee     Tel. 041 925 10 40

    Privatgärten, öffentliche Anlagen, Friedhöfe:

    Kant. Fachstelle für Pflanzenschutz     Landw.- und Maschinenschule     6276 Hohenrain     Tel. 041 914 30 81


ots Originaltext: Staatskanzlei Luzern
Internet: www.newsaktuell.ch

Kontakt:
Beat Felder
Fachstellenleiter
Tel. +41/41/925-10-41
E-Mail: beat.felder@lu.ch.



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