Caritas Schweiz / Caritas Suisse

Runder Tisch zur Umsetzung der Gesamtschweizerischen Armutsstrategie
Armut existiert - jetzt braucht es gezielte Massnahmen

Luzern (ots) - Es ist nicht lange her, da war Armut in der Schweiz ein politisches Tabu. Im Führjahr 2010 hat der Bundesrat die Gesamtschweizerische Armutsstrategie verabschiedet. Damit wurde auf höchster politischer Ebene anerkannt, dass Armut in der Schweiz existiert. Am kommenden Montag lädt Bundesrat Alain Berset zu einem Dialog über die Umsetzung der Armutsstrategie. Aus Sicht der Caritas ist dies ein notwendiger Schritt dazu, die Armut in der Schweiz konkret zu bekämpfen.

Die Gesamtschweizerische Armutsstrategie hat seit ihrer Veröffentlichung dazu beigetragen bestehende Massnahmen wie etwa in der Berufsbildung verstärkt unter dem Aspekt der Armutsprävention zu betrachten. Dies ist ein Schritt in die richtige Richtung. Eine Strategie muss jedoch mehr bewirken: Sie soll Lücken füllen und bewährte Massnahmen deutlich verstärken. Das ist in den letzten beiden Jahren nicht ausreichend geschehen. Insbesondere um Kinder und ihre Familien von Armut zu schützen, braucht es weitere Massnahmen. Wenn wir heute nicht in Bildung und Erziehung der Kinder investieren, ist das ein beträchtliches Risiko für die Zukunft.

Caritas teilt die vom Bund in der Diskussionsgrundlage identifizierten Handlungsfelder und Lücken weitgehend und setzt folgende Schwerpunkte:

Frühförderung stärken

Familienergänzende Bildungsangebote und frühpädagogische Einrichtungen müssen als Teil des gesamten Bildungswesens verstanden und in dieses integriert werden. In der Frühförderung gilt es die bestehenden, erfolgreichen Angebote insbesondere die Elternarbeit zu stärken. Gerade benachteilige Familien leiden unter sozialer Isolation und damit mangelhafter Information. Sie finden den Zugang zu Bildungsangeboten häufig auch dann nicht, wenn diese vorhanden sind. Der Bund ist gefordert, die Kantone dabei zu unterstützen Frühförderungsstrategien auszuarbeiten.

Stipendien für armutsbetroffene Jugendliche und Erwachsene

Ausbildung ist das beste Mittel, um die Teilhabe am Arbeitsmarkt und am gesellschaftlichen Leben sicherzustellen. Eine berufliche Erstausbildung mindestens bis zur Sekundarstufe II muss für alle möglich sein. Um Ausbildung für armutsbetroffene Jugendliche und Erwachsene zu ermöglichen, braucht es eine Stärkung des Stipendienwesens. Dieses soll, nach dem Vorbild des Modells im Kanton Waadt, wo nötig nicht nur Ausbildungsbeiträge finanzieren, sondern auch die Lebenshaltungskosten decken.

Haushalte mit Kindern verdienen nicht mehr

Nicht vernachlässigt oder gar verschlechtert werden darf die Existenzsicherung für Kinder. In der Schweiz haben Haushalte, in denen Kinder aufwachsen, nicht höhere Einkommen als Haushalte, in welchen keine Kinder leben. Das darf nicht sein. Bis anhin hat die Politik auf nationaler Ebene diesbezüglich versagt und die Einführung von Familien-Ergänzungsleistungen letztes Jahr abgelehnt. Im Moment sind daher in erster Linie die Kantone gefordert: Ergänzungsleistungen stehen allen armutsbetroffenen Familien zu.

Es ist heute, gut zwei Jahre nach der Veröffentlichung der Gesamtschweizerischen Armutsstrategie durch den Bundesrat, von höchster Bedeutung, dass die unhaltbare Armutssituation von bis zu 600'000 Menschen und die Armutsgefährdung von weiteren 400'000 Menschen nicht wieder in Vergessenheit gerät, und wichtiger noch, dass sie deutlich verbessert und wo immer möglich verhindert wird.

Kontakt:

Stefan Gribi, Leiter Abteilung Information
Tel.: +41/41/419'22'37
E-Mail sgribi@caritas



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