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Noch nichts normal, Kommentar zu den Jahresabschlüssen der US-Großbanken, von Sebastian Schmid.

Frankfurt (ots)

Binnen drei Tagen haben die größten US-Banken Wells Fargo, J.P. Morgan, Bank of America und Citigroup ihr Zahlenwerk präsentiert. Kurz zusammengefasst: Die ersten drei haben überzeugt, während die Citigroup hinter den Erwartungen zurückblieb. Letztlich sagt das Verfehlen oder Übertreffen der Markterwartungen aber praktisch nichts über die tatsächliche Entwicklung der Institute aus. Denn wie das Geschäft selbst schwanken auch die Markteinschätzungen innerhalb eines Quartals oft wild hin und her, so dass es oft nur am Stichtag hängt, ob es am Ende eben besser oder schlechter lief.

Ein genereller Trend, der sich im jüngsten Quartal erneut gezeigt hat, ist die Abschwächung bei Immobilienfinanzierungen für Privatkunden. Das 2012 und Anfang 2013 noch viel umjubelte Comeback des Häuserkreditgeschäfts in den USA war wesentlich refinanzierungsgetrieben. Das Refinanzierungsinteresse steigt eben, wenn die Zinsen auf ein Rekordtief fallen. Nun, da das Zinsniveau etwas höher, aber historisch noch immer niedrig ist, zeigt sich, wie fragil der Nachfrageanstieg war: Das Neugeschäft mit Häuserkrediten an Konsumenten hat sich bei den großen US-Banken quasi halbiert. Der Einbruch bei Refinanzierungen dürfte noch heftiger gewesen sein.

Ein anderer Faktor der Gewinnausweitung der vergangenen Quartale dürfte künftig ebenfalls eine geringere Rolle spielen - das Auflösen der Kreditrisikovorsorgeposten. Die rekordhohen Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle nach der Finanzkrise haben es den US-Banken erlaubt, in der Konjunkturerholung Milliarden an Gewinn aus deren Auflösung zu ziehen. Mittlerweile sind die Rückstellungen auf ein so niedriges Niveau abgeschmolzen, dass der Gewinnbeitrag künftig nur noch ein geringes Volumen ausmachen dürfte.

An anderer Stelle bestehen die Risiken indes weiterhin: vor Gericht. Citigroup-Finanzchef John Gerspach geht auf absehbare Zeit davon aus, dass die Rechtskosten ihr erhöhtes Niveau mindestens halten werden. Auch bei J.P. Morgan bleibt abzuwarten, ob das Gros der Aufwendungen mit den milliardenschweren Vergleichen der vergangenen Monate abgearbeitet ist. Mit Blick nach vorn steht zudem noch die Umsetzung der Volcker-Regel zur Beschränkung des Eigenhandels auf dem Plan. Deren endgültige Auswirkungen müssen sich in der Praxis erst noch zeigen. Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Finanzkrise lässt sich für die US-Banken nur eines gesichert festhalten: Noch ist nichts normal.

(Börsen-Zeitung, 17.1.2014)

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