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Widersinnig: EU-Maßnahmen zum Schutz der Schuhindustrie könnten zum Verlust tausender Arbeitsplätze in Europa führen
Einzelhandel warnt vor den Folgen möglicher EU-Anti-Dumping Maßnahmen gegen China und Vietnam

München (ots)

Führende Schuheinzelhändler in Europa schlagen
Alarm. „Weit über 10.000 Arbeitsplätze in Europa sind in Gefahr, wenn
es zu Anti-Dumping Maßnahmen der EU gegen China kommen sollte. Das
Letzte was die Konsumenten in Europa brauchen sind steigende Preise
bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Schuhen oder eine Verknappung
des Angebotes. Im Textilbereich haben wir doch gerade erst erlebt,
wozu Protektionismus führt", fasst Paul Verrips, Geschäftsführer der
europäischen Footwear Association of Importers and Retailchains
(FAIR) die Kritik der Schuheinzelhändler zusammen. Der Verband
vertritt die Interessen von mehr als 90 Schuhimporteuren und
Einzelhändlern mit rund 80.000 Mitarbeitern, die rund 40 Prozent des
Importvolumens in die EU repräsentieren.
Hintergrund des vehementen Protestes sind die laufenden
Anti-Dumping Untersuchungen der EU gegen China und Vietnam. Seit dem
Wegfall der Einfuhrbeschränkungen für Textilien und Schuhe in die EU
zu Beginn dieses Jahres sind die Importe von Schuhen aus China stark
angestiegen. Proteste - insbesondere italienischer und französischer
- Schuhhersteller haben die EU veranlasst, die Anti-Dumping Verfahren
einzuleiten. Sollte sich der Verdacht des Dumpings bestätigen, hat
die EU die Möglichkeit Zölle oder andere Restriktionen gegenüber den
betroffenen Ländern zu erlassen. Was als Schutzmaßnahme für die
europäische Schuhindustrie gedacht ist, geht jedoch zu Lasten der
Verbraucher und könnte viele europäische Arbeitsplätze gefährden, so
der Vertreter des europäischen Einzelhandels und der Importeure.
Die Kritik entzündet sich besonders an zwei Aspekten: Zum einen
würde die Realität der europäischen Schuhindustrie ausgeblendet. Zum
anderen sei die aktuelle EU-Untersuchung so fehlerhaft angelegt, dass
sie nur zu verzerrten Ergebnissen führen könne. „Die Importe aus
Fernost stellen keine reale Bedrohung für die europäische
Schuhindustrie dar. Es gibt nur noch wenige Unternehmen, die Schuhe
noch vollständig in Europa fertigen. Dabei handelt es sich
überwiegend um mittelständische Familienunternehmen, die sich auf
hochwertige Waren oder Nischenprodukte spezialisiert haben. Solche
Produkte werden aber in China oder Vietnam überhaupt nicht
hergestellt", so Paul Verrips.
Das Gros der europäischen Schuhindustrie hat bereits vor Jahren
Teile der Produktion ins Ausland verlagert", führt Verrips weiter
aus. „Lediglich die Endmontage wird häufig noch in Europa
durchgeführt." Dieser Trend ist nach seinen Worten auch unumkehrbar.
„Preiswerte Schuhe werden auch zukünftig nicht mehr in Europa
gefertigt werden." Hinzu kommt: Mit der aktuellen
Produktionskapazität wären die verbliebenen europäischen Fabriken
ohnehin nicht in der Lage, die entstehende Produktionslücke zu
schließen. Kurz- beziehungsweise mittelfristig käme es daher zu einer
Verknappung des Angebotes. Hinzu käme ein spürbarer Preisanstieg für
die Kunden.
Die Masse der Kunden sei extrem preissensibel. Anti-Dumping
Maßnahmen würden unweigerlich zu Umsatzeinbußen im ohnehin
gebeutelten Schuhhandel führen. Ein Arbeitsplatzabbau wäre die
zwangsläufige Konsequenz, fürchten die Einzelhändler. Sie sind
überzeugt, dass Anti-Dumping Maßnahmen am Ende nur zu einer
Verlagerung der Produktion in andere Niedriglohnländer wie
Indonesien, Kambodscha oder Indien führen würden.
„Viel hilfreicher als Anti-Dumping Maßnahmen wäre es, wenn die
Importländer ihrerseits die Einfuhrbeschränkungen abbauen würden. In
diese Richtung müssen die Verhandlungen gehen", so Paul Verrips von
FAIR. „China, Russland, Vietnam oder Brasilien sind durchaus
attraktive Märkte für europäische Unternehmen. Zolllaufschläge von
bis zu 50 Prozent sind dort aber keine Seltenheit."
Die Kritik der Schuheinzelhändler richtet sich außerdem gegen die
Art der aktuellen EU-Untersuchung. Das gesamte Untersuchungsdesign
sei so angelegt, dass es nur zu einem extrem verzerrten,
unzuverlässigen Ergebnis führen könne, fürchtet Paul Verrips. So
seien beispielsweise die Beurteilungskriterien, ob ein Dumping
vorliege, fragwürdig. Denn laut EU-Richtlinie gilt eine Ware nur dann
als gedumpt, wenn ihr Preis bei der Ausfuhr in die Gemeinschaft
niedriger ist als am Inlandsmarkt des Ausfuhrstaates. Als
Vergleichsland werde bei der Untersuchung für chinesische und
vietnamesische Produkte aber nicht China oder Vietnam, sondern
Brasilien herangezogen. Ein Land, das beispielsweise eine völlig
andere Lohnstruktur aufweise und deutlich teurere Lederarten
verwendet. Hinzu kommt: Die Kosten der chinesischen Produzenten
werden verglichen mit denen kleiner brasilianischer Fabriken, die
sich auf den heimischen Markt konzentrieren. Da werden laut Verrips
„Äpfel mit Birnen" verglichen. Diese und andere Aspekte ließen den
Schluss zu, dass die Untersuchung von vornherein voreingenommen
durchgeführt werde.
Paul Verrips betont: „Wir verstehen die Sorgen kleinerer
italienischer und französischer Schuhhersteller. Anti-Dumping
Maßnahmen sind aber ein völlig untaugliches Instrument, um die
anstehenden Probleme zu lösen. Sie bringen keine Arbeitsplätze in die
europäische Schuhindustrie zurück, sondern führen lediglich zu einer
Erhöhung der Preise für die Verbraucher. Damit ist niemandem
geholfen."

Pressekontakt:

Kontakt und weitere Informationen:

FAIR Footwear Association of Importers and Retailchains
Geschäftsführer Paul Verrips
Tel: 0031-6-50245802

FAIR Footwear Association of Importers and Retailchains
Press office
Christa Malessa
Tel.: 0049-89-5527 488 8
Fax: 0049-89-5527 488 1