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SNF: Warum sich für andere engagieren?
Eine politikwissenschaftliche Untersuchung zu Altruismus

Bern (ots)

Meist engagiert man sich für die eigenen Rechte oder die Rechte der Gruppen, denen man angehört. Altruisten jedoch unterstützen Organisationen, die sich beispielsweise für die Menschenrechte, Migranten oder Benachteiligte einsetzen. Sie grenzen sich nicht von anderen ab, für sie sind alle Menschen gleich. Das unterscheidet sie vom Rest der Bevölkerung. Zu diesem Schluss kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützte Studie.

Die Politikwissenschaftler Florence Passy und Gian-Andrea Monsch von der Universität Lausanne haben aktive und passive Mitglieder fünf gemeinnütziger Organisationen mittels Fragebogen und Interviews befragt. Das Ergebnis: Die Mitglieder von Solidarité sans frontières, der Caritas und der Gesellschaft für bedrohte Völker sind altruistische Aktivisten: Sie engagieren sich für andere soziale Gruppen, nicht für die eigenen. Die Mitglieder der Gewerkschaft Unia dagegen engagieren sich mehrheitlich für ihre eigenen politischen Interessen. Die Mitglieder von Greenpeace lassen sich zwischen diesen Polen ansiedeln: Sie engagieren sich nicht für eine Gruppe, sondern für die Umwelt.

Die Studie bestätigt die Ergebnisse von Forschungen zu Personen, die im Zweiten Weltkrieg jüdische Flüchtlinge retteten. Sie hatten eine spezifische Auffassung von Andersartigkeit: Sie grenzten sich nicht von den Anderen ab. Das zeichnet auch die altruistischen Aktivisten aus. Sie schliessen andere in ihre Welt mit ein; für sie sind alle Menschen gleich. Oft sind es persönliche Merkmale, die sie mit anderen verbinden: "Wir empfinden alle die gleiche Freude und das gleiche Leid", "Wir suchen im Leben alle dasselbe, nämlich in Würde zu leben" und so weiter. Das unterscheidet sie von der übrigen Bevölkerung wie auch von den Unia-Mitgliedern. Die Greenpeace-Anhänger hingegen teilen die Auffassungen der altruistischen Aktivisten. Das Umweltengagement steht damit dem altruistischen Engagement ziemlich nahe.

Kein einheitliches Profil Laut der Studie weisen altruistische Aktivisten vielfältige Profile auf. Die Aktivisten von Solidarité sans frontières und der Gesellschaft für bedrohte Völker etwa teilen linke Wertvorstellungen und Forderungen, die um die Umverteilung des Reichtums und die politische Emanzipation marginalisierter Gruppen kreisen. Das Profil der Mitglieder von Caritas dagegen ist heterogener und ihr Wertesystem konservativer. Die soziale Verankerung ihres Engagements ist also mannigfaltig, sie beruht nicht auf einem bestimmten Bevölkerungssegment.

Die Untersuchung belegt, dass das in den Sozialwissenschaften noch immer vorherrschende Paradigma, jeder versuche vor allem seine persönlichen Interessen zu befriedigen, nicht erklären kann, warum sich Menschen politisch und sozial engagieren. Für die Mitglieder der Gewerkschaft Unia steht bei ihrem Engagement zwar die Befriedigung persönlicher Interessen im Vordergrund. Dennoch möchten sie ihren Beitrag zu einer besseren Gesellschaft leisten oder einer Gemeinschaft des Denkens und der Ideale angehören. Das ist auch das zentrale Motiv der Greenpeace-Mitglieder. Laut Florence Passy und Gian-Andrea Monsch stellt sich daher die Frage, ob die Motivation der Menschen nicht auf wesentlich komplexeren Grundlagen als der einfachen utilitaristischen Kosten-Nutzen-Rechnung beruht.

Ein Link zur Zusammenfassung der Studie und der Text dieser Medienmitteilung stehen auf der Internetseite des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung: www.snf.ch> Medien > Medienmitteilungen

Kontakt:

Prof. Dr. Florence Passy
Gian-Andrea Monsch
Universität Lausanne
Institut für Politik und Internationale Studien
Bâtiment Anthropole 5145
CH-1015 Lausanne
Tel.: +41 (0)21 692 31 50
E-Mail: gianandrea.monsch@unil.ch
E-Mail: florence.passy@unil.ch

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