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Schweizerischer Nationalfonds / Fonds national suisse

SNF: Schweizer konsumieren weniger Antibiotika als Europäer

Bern (ots)

Grosse regionale Schwankungen beim Schweizer
Antibiotikaverbrauch
Im europäischen Vergleich konsumieren Schweizerinnen und 
Schweizer ambulant wenig Antibiotika. Zwischen den einzelnen 
Kantonen bestehen jedoch grosse Unterschiede, wie eine Studie des 
Nationalen Forschungsprogramms «Antibiotikaresistenz» (NFP 49) 
belegt. Mögliche Faktoren sind die Altersstruktur, die Ärztedichte 
und die Bildung.
Antibiotika helfen, bakterielle Infektionen zu bekämpfen. Doch 
obwohl sie bei Viruserkrankungen wie Grippe oder Erkältung 
wirkungslos sind, werden sie von Ärzten häufig auch in diesen 
Fällen verschrieben. Dies fördert die Entstehung resistenter 
Bakterien und verursacht unnötige Kosten.
Im Nationalen Forschungsprogramm «Antibiotikaresistenz» wurde 
nun erstmals systematisch der Antibiotikakonsum ausserhalb der 
Spitäler in der Schweiz untersucht. Ein Forschungsteam um Massimo 
Filippini, Professor an der Wirtschaftsfakultät der Universität 
Lugano und am Departement für Management, Technologie und Ökonomie 
der ETH Zürich, wertete die Antibiotika-Verkaufszahlen der 
einzelnen Kantone aus. Das Resultat der im Fachblatt «Health 
Policy»* veröffentlichten Studie: Die Schweizer Ärzte verschreiben 
Antibiotika vergleichsweise zurückhaltend. Selbst die Kantone mit 
den höchsten Verkaufszahlen liegen deutlich unter dem europäischen 
Durchschnitt.
Junge und die Praxisdichte treiben den Konsum an
Grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Kantonen machen jedoch 
klar, dass immer noch unnötig viele Antibiotika geschluckt werden. 
So verschreiben Ärzte in Genf rund dreimal so viele dieser 
Medikamente pro Einwohner wie jene in Appenzell. Auf der Suche nach 
den Ursachen für diese Unterschiede verglichen die Tessiner 
Ökonomen mittels ökonometrischen Verfahren ihre Datensätze und die 
statistischen Kennzahlen der Kantone. Sie fanden 
insbesondere heraus, dass die Altersstruktur der Bevölkerung 
besonders grossen Einfluss übt: Menschen ab 65 Jahren nehmen 
weniger Antibiotika als Jüngere. Die Autoren vermuten, dass sie 
wegen fehlendem Kontakt am Arbeitsplatz weniger angesteckt werden. 
Nicht gemessen wurde jedoch der Antibiotikaverbrauch in Alters- und 
Pflegeheimen, da die Studie nur den ambulanten Konsum 
berücksichtigt.
Ein ebenso wichtiger Faktor ist die Praxisdichte: Je mehr 
Arztpraxen vorhanden sind, desto mehr Antibiotika werden 
konsumiert, erklärt Giuliano Masiero, einer der Ko-Autoren der 
Studie. Eine gute Bildung der Patienten und ein hohes Einkommen 
scheint den Konsum hingegen eher zu bremsen. Weitere Einflüsse wie 
ein tiefer Medikamentenpreis, ein hoher Ausländeranteil sowie die 
Häufigkeit von Infektionen kurbeln den Verbrauch von Antibiotika 
an. Keinen Einfluss hat die Apothekendichte. Offenbar existieren 
auch kulturelle Unterschiede bei der Verschreibungspraxis, denn das 
Welschland und das Tessin liegen am oberen Ende der Antibiotika- 
Skala.
Das Projekt der Tessiner Forschenden ist noch nicht 
abgeschlossen. Zur Zeit untersuchen sie, ob sich der in manchen 
Kantonen zugelassene Direktverkauf von Medikamenten durch Ärzte auf 
den Antibiotikaverbrauch auswirkt, da diese Ärzte ein 
wirtschaftliches Interesse am Antibiotikaverkauf haben könnten.
Zusammenhang mit Antibiotikaresistenzen? 
Eine weitere offene Frage ist das Verhältnis zwischen dem 
Antibiotikakonsum und dem Auftreten resistenter Bakterien. Ein 
anderes Projekt des Nationalen 
Forschungsprogramms «Antibiotikaresistenz» wird bald helfen, diesen 
Punkt zu klären: Das Team um die Infektiologin Kathrin Mühlemann 
von der Universität Bern entwickelt ein nationales 
Überwachungssystem für Antibiotikaresistenzen.
*Filippini M, Masiero G, Moschetti K
Socioeconomic determinants of regional differences in outpatient 
antibiotic consumption: Evidence from Switzerland
Health Policy, 8. Nov. 2005, Online-Publikation
Für weitere Informationen:
Prof. Massimo Filippini oder Dr. Giuliano Masiero
Instituto di Microeconomia ed Economia Pubblica
Facoltà di economia
Università della Svizzera italiana
Via Giuseppe Buffi 13
CH-6900 Lugano
Tel. +41 (0)91 912 47 83
E-Mail:  filippim@lu.unisi.ch oder  giuliano.masiero@lu.unisi.ch
Der Text dieser Medienmitteilung sowie Grafiken zur Studie 
(Antibiotikakonsum in Europa 2002 und pro Kanton 2002-2004) stehen 
auf der Website des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung: 
www.snf.ch/medienmitteilung

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