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Staatskanzlei Luzern

Sechs Werkbeiträge im Bereich Musik von Stadt und Kanton Luzern 2001

Luzern (ots)

Für die Werkbeiträge 2001 in der Sparte Musik
wurden 46 Bewerbungen eingereicht. Anders als bei der letzten
Musik-Ausschreibung im Jahre 1999, wo nur Beiträge aus dem Umfeld von
„Rock, Jazz, Electronics" juriert wurden, gab es dieses Jahr keine
Eingrenzungen. Entsprechend vielfältig waren die Eingänge. Das
Spektrum ging von Pop und Rock über Jazz und Electronics bis zu
zeitgenössischer Musik und freier Improvisation. Die grosse Zahl an
Bewerbungen und die extreme Vielfalt stellte die Jury vor eine grosse
Herausforderung. Die Jury schlägt denn auch vor, künftige
Musik-Ausschreibungen stilistisch oder thematisch wieder fester
einzugrenzen.
Insgesamt wurden sechs Werkbeiträge vergeben: Das
Electronic-Kollektiv „Spezialmaterial" erhält einen Beitrag von
16'000 Franken. Der Komponist Felix Schüeli wird mit 12'000 Franken
ausgezeichnet. Je 8000 Franken erhalten die Komponistin Bettina
Skrzypczak, der Musiker und Komponist Leo Bachmann, der Musiker
Crispin Pérez und sein Projekt Globefactory sowie die Rockband
Orangedrive.
Spezialmaterial: 16'000 Franken
Mit dem Hauptbeitrag zeichnet die Jury ein Kollektiv von jungen
Elektronik-Produzenten aus, die nicht nur je unterschiedliche
Soundwelten kreieren, sondern mit einem eigenen Label, eigenen
Veranstaltungsreihen, visuellen Gestaltungsformen und einem gut
ausgebauten Netzwerk äusserst facettenreich arbeiten und auftreten.
Spezialmaterial ist daran, im Bereich der elektronischen Musik zu
einer eigentlichen Plattform zu werden, die auch international
ausstrahlt. Die Mitglieder erschliessen mit ihren Aktivitäten ein
kreatives Feld, in dem noch viele spannende Auseinandersetzungen mit
Klängen und musikalischen Events ausserhalb der traditionellen
Konzertformen erwartet werden dürfen. Der musikalische Gehalt der
einzelnen Produktionen ist zwar nicht immer nur innovativ, zeugt aber
von Kompetenz und Risikobereitschaft. Am meisten überzeugten die Jury
die eher experimentellen und klangmalerischen Beiträge. Der
Hauptbeitrag soll dem Kollektiv ermöglichen, seine vielfältigen
Projekte weiter zu entwickeln und das neu gegründete Label auf eine
sichere Basis zu stellen.
Felix Schüeli: 12'000 Franken
Felix Schüeli (*1973) ist als Cellist und Komponist tätig. Die Jury
erkennt in ihm eine klare kompositorische Begabung, die auf
vielversprechende Projekte hoffen lässt. Das eingereichte Material
zeugt von einem Schaffen, das in verschiedenste Richtungen ausgreift
und insbesondere auch durch den Einbezug von ironischen Elementen
gefällt. Zur Zeit absolviert Felix Schüeli einen einjährigen
Auslandstudienaufenthalt in Glasgow. Mit dem Beitrag von 12'000
Franken möchte ihm die Jury unter anderem ermöglichen, dass er diesen
Freiraum gut ausnützen und sich intensiv seinen Projekten widmen
kann. Schüeli plant, sich im Hinblick auf eine grössere Komposition
vor allem mit dem Orchester zu beschäftigen und Orchesterlieder zu
schreiben.
Leo Bachmann: 8000 Franken
Die Jury unterstützt den Tubisten Leo Bachmann (*1956) spezifisch für
seine geplante Kompositionsarbeit „Panorama", die er für das
Kontra-Trio schreibt. Bachmann ist selber Mitglied des Kontra-Trios,
das mit Kontrabass-Querflöte, Kontrabass-Saxophon und Tuba über eine
ungewohnte Instrumentalkombination verfügt. Das Trio besteht seit
über zehn Jahren und betreibt eine konsequente Klangforschung an der
Grenze von Klang und Geräusch. Mit „Panorama" plant Bachmann 10 bis
15 Klangbilder von drei bis zehn Minuten zu schaffen, die er auf der
Grundlage von live eingespielten Sounds des Kontra-Trios am Computer
in einem aufwendigen Verfahren weiter verarbeiten will. Die Jury
hofft nicht zuletzt, dass Leo Bachmanns Komposition die gute Konstanz
des Kontra-Trios weiter bestärken wird.
Bettina Skrzypczak: 8000 Franken
Die gebürtige Polin Bettina Skrzypczak (*1962) hat sich in ihrer
jungen Karriere schon einen bedeutenden Namen als Komponistin für
verschiedenste Besetzungen gemacht. Ihr Schaffen wird sowohl national
wie international stark beachtet. Bettina Skrzypczak verfügt über
eine arrivierte Tonsprache und erreicht - trotz oder wegen deren
Komplexität - oftmals eine emotional anrührende Wirkung. Seit 1995
unterrichtet sie an der Musikhochschule Luzern Fakultät I (ehemals
Konservatorium) und nimmt in Luzern immer wieder mit Projekten und
Arbeitsgruppen am kulturellen Leben teil. Der Beitrag von 8000
Franken soll Bettina Skrzypczak helfen, frei von Auftragszwängen ihre
eigenen kompositorischen Wunschprojekte realisieren zu können. Zur
Zeit ist sie insbesondere mit der Komposition für ein grosses
Bühnenwerk beschäftigt.
Orangedrive: 8000 Franken
Unter den vielen Bewerbungen aus der Sparte Rock und Pop liess sich
die Jury insbesondere von der Band Orangedrive überzeugen. Mit ihrer
rückkopplungsorientierten Experimentalmusik und anderen
psychedelischen Tönungen weiten Orangedrive die gängigen Rock- und
Popschemata kreativ aus. Sie verfügen über einen Sound, der von der
Besetzung her nicht unerwartet an Sportsguitar erinnert und damit
auch etwas Luzern-typisches hat. Fast noch mehr als die eigentlichen
Songs gefallen der Jury der spröde Charme dieser Musik und die
verschrobenen bis störrischen Elemente, die das Klangbild aufbrechen
und immer wieder für überraschende Wendungen sorgen. Der Beitrag soll
Orangedrive ermöglichen, ihre dritte und bisher aufwändigste CD
professionell realisieren zu können.
Crispin Pérez: 8000 Franken
Crispin Pérez (*1965) ist zusammen mit Allan Lawrence Harry (*1965)
für das Projekt Globefactory verantwortlich. Im Zentrum steht die
Arbeit mit Klangschlaufen (Loops), die von E-Bass und Schlagzeug
erzeugt werden. Die Musik von Globefactory verwendet Elemente aus
Minimal Music, Noise, Abstract und Drum'n'Bass. Der Jury gefällt der
vitale Umgang von selber generierten elektronischen Sounds. Es ist
eine sehr technische und maschinelle Musik, aber sie basiert immer
auf live eingespielten Sequenzen. Dieses Paradox ist eines der
stärksten klanglichen Merkmale dieser Musik Sie kommt recht rauh
daher und hat einen „schön primitiven" Charakter. Damit dringt sie
unter die glatte Oberfläche, wie sie elektronische Musik sonst oft
auszeichnet. Globefactory haben bereits ein Konzept entwickelt, wie
sie ihre multiplen Loops zusammen mit Instrumenten in einer
Live-Situation umsetzen wollen.
Mitglieder der Jury: 
Dr. Roman Brotbeck - Direktor Hochschule für Musik und Theater Bern,
Präsident Tonkünstlerverein
Lucas Niggli, Uster - Musiker
Stephan Wittwer, Zürich - Musiker
Judith Wyder, Zürich - Musikjournalistin 
Jürg Wyttenbach, Basel - Musiker und Komponist
Vertreter der Wettbewerbskommission (mit beratender Stimme)
Pirmin Bossart, Musikjournalist, Luzern
Dieter Ammann, Musiker, Zofingen

Kontakt:

Daniel Huber
Präsident Wettbewerbskommission
Tel. +41 41 228 52 05
E-Mail: daniel.huber@lu.ch

Doris Bucher
Geschäftsstelle Wettbewerbe
Tel. +41 41 228 51 77
E-Mail: doris.bucher@lu.ch

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