Künstliche Intelligenz kann Bürgerbeteiligung stärken
Gütersloh (ots)
Der neue Policy Brief der Bertelsmann Stiftung zeigt anhand von 50 Anwendungsfällen aus 22 Ländern, wie KI Bürgerbeteiligung unterstützen kann und welche Risiken dabei berücksichtigt werden müssen. Die Studie ist eine Zusammenarbeit mit der OECD.
Künstliche Intelligenz (KI) bietet großes Potenzial, um zentrale Versprechen der politischen Bürgerbeteiligung besser einzulösen: breitere Inklusion, echte Offenheit, nutzerfreundliche Prozesse und skalierbare Prozesse. Regierungen und zivilgesellschaftliche Akteure weltweit setzen dafür KI bereits ein: von der Analyse großer Mengen an Bürgerbeiträgen bis zur Unterstützung von Beteiligungsprozessen durch Chatbots, Moderationssysteme und KI-gestützte Moderation.
Das zeigt der neue Policy Brief „Artificial Intelligence and the Future of Citizen Participation“, der auf einem gemeinsamen Papier der OECD und der Bertelsmann Stiftung basiert und 50 konkrete Anwendungsfälle aus 22 Ländern betrachtet.
Insgesamt zeigt sich: KI kann Bürgerbeteiligung zugänglicher, skalierbarer und wirkungsvoller machen. Ihr eigentlicher Wert hängt jedoch entscheidend davon ab, wie sie eingesetzt wird. KI kann Beteiligung nur dann stärken, wenn sie die Fähigkeit von Regierungen verbessert, Bürgerinnen und Bürgern zuzuhören, ohne dabei demokratische Urteilsbildung, Transparenz und Vertrauen zu ersetzen.
Neun Anwendungsformen von KI
Die Studie identifiziert neun unterschiedliche Anwendungsbereiche von KI in der Bürgerbeteiligung: Sense-making, Information Development, Translation, Transcription, Virtual Assistance, Facilitation, Moderation, Simulation und Participation Architecture. Besonders verbreitet sind derzeit Sense-making, virtuelle Assistenz und automatisierte Übersetzung.
Sense-making-Anwendungen können große Mengen an Ideen und Kommentaren analysieren, Muster identifizieren und Beiträge zusammenfassen. Übersetzungs- und Transkriptionswerkzeuge können Zugangsbarrieren reduzieren. Virtuelle Assistenten wie Chatbots helfen Bürgerinnen und Bürgern, Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten leichter zu nutzen.
Wie das praktisch funktioniert, zeigen einschlägig Beispiele wie das aus Cambridge in Großbritannien, wo ein KI-Werkzeug 2024 die Auswertung qualitativer Beiträge einer öffentlichen Konsultation unterstützte und den Zeitaufwand um rund 50 Prozent reduzierte. In Finnland nutzte 2024 die finnische Innovationsagentur Sitra die KI gestützte Plattform Polis, um über 18,000 Personen an der öffentlichen Konsultation „Was denkst du, Finnland?“ teilhaben zu lassen.
Chancen und Risiken
Neben den beträchtlichen Chancen birgt der Einsatz von KI auch Risiken. Verzerrte Daten können Ergebnisse beeinflussen, mangelnde Transparenz kann Vertrauen und Legitimität schwächen. Zudem drohen neue Formen digitaler Exklusion. Weitere Herausforderungen sind fehlende KI-Kompetenzen in öffentlichen Institutionen und Abhängigkeiten von proprietären Systemen, das sind geschlossene Technologien, deren Quellcode, Schnittstellen oder Formate unter der alleinigen Kontrolle eines Herstellers liegen.
Damit KI Bürgerbeteiligung verantwortungsvoll und inklusiv unterstützt, formuliert der Policy Brief Empfehlungen in drei Bereichen: Guardrails (Leitplanken), Enablers (Wegbereiter) und Public Engagement (Bürgerbeteiligung). Regierungen sollten klare Leitplanken schaffen, Kompetenzen für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz aufbauen und Bürgerinnen und Bürger an der Gestaltung und Kontrolle dieser Systeme beteiligen.
Letztendlich ist KI selbstverständlich kein Ersatz für demokratische Beteiligung. Verantwortlich eingesetzt kann sie jedoch dazu beitragen, Beteiligung zugänglicher, skalierbarer und responsiver zu gestalten.
Über die Publikation
Der Policy Brief ist eine gekürzte Fassung des OECD-Papiers „Artificial Intelligence and the Future of Citizen Participation: Typology of applications, opportunities and challenges for democratic innovations“, basierend auf einer Kooperation von OECD und Bertelsmann Stiftung.
Download-Link zur Studie: https://ots.de/0b1Gyr
EN: Policy Brief 07/2026: Artificial Intelligence and the Future of Citizen Participation
Pressekontakt:
Dr. Stefan Roch · Bertelsmann Stiftung
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