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Schweizerischer Bauernverband

Scheuklappenblick von Avenir Suisse auf Agrarpolitik

Brugg (ots)

Avenir Suisse, eine von Banken und
Pharmaunternehmen finanzierte Denkfabrik, hat heute in Buchform 
ihre Anschauung zur aktuellen agrarpolitischen Diskussion 
veröffentlicht. Der Schweizerische Bauernverband (SBV) beurteilt 
die Publikation als Überblick zu den seit längerem diskutierten 
Themen der Agrarpolitik. Er bedauert jedoch, dass Avenir Suisse 
weitgehend bei der teilweise mit Fehlern behafteten Analyse der 
Herausforderungen stehen bleibt. Es werden kaum neue und keine 
brauchbare Lösungsansätze aufgezeigt, sondern lediglich einige 
lehrbuchhaft-liberale Überlegungen. Diese bieten der Landwirtschaft 
keine wirtschaftliche Perspektive. Avenir Suisse fokussiert sich 
mit einer eingeschränkter Sichtweise lediglich auf die Agrarpolitik 
und hat es verpasst, Lösungsansätze aufzuzeigen, die das 
wirtschaftliche Umfeld der Landwirtschaft mit einbeziehen.
Der Agrar- und Lebensmittelsektor steht vor grossen 
Herausforderungen. Die „filière-agroalimentaire“ muss in den 
kommenden Jahren eine weitere Öffnung der Märkte bewälti-gen und 
ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. Mit der heutigen Publikation 
ihres Buches hat sich Avenir Suisse ebenfalls in die medienwirksame 
Thematik der Agrarpolitik eingeklinkt.
Avenir Suisse greift in ihrer Publikation 
mit „Multifunktionalität“, „Direktzahlungen“, „Hochpreisinsel“ 
und „Strukturen“ Themen auf, die bereits in der aktuellen 
agrarpolitischen Auseinandersetzung kontrovers diskutiert werden. 
Auch der SBV setzt sich intensiv mit der Frage auseinander, wie 
diese Bereiche der Agrarpolitik künftig weiterentwickelt werden 
müssen. Insbesondere die Neuausrichtung des Direktzahlungssystems 
wird vom SBV von Grund auf bearbeitet. Dabei stehen die Ziele der 
Schweizer Landwirtschaft, die Konsumenten mit ausreichend 
qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln zu versorgen und die von 
der Gesellschaft gewünschten öffentlichen Leistungen bereit zu 
stellen, im Zentrum.
In den vergangenen Jahren hat in der Landwirtschaft bereits ein 
ausgeprägter Strukturwandel stattgefunden. Seit 1990 sind 30'000 
Landwirtschaftbetriebe verschwunden, täglich schliessen etwa 6 
Betriebe ihre Tore. Pro Jahr übernehmen heute rund 900 Personen 
einen Landwirtschaftbetrieb. Bleiben diese Zahlen konstant, haben 
wir in Zukunft noch rund 25'000 Betriebe.
Bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der Nahrungsmittel 
teilt der SBV die Haltung von Avenir Suisse: Hier haben die 
Agrarreformen der Vergangenheit versagt. Die Produzentenpreise sind 
seit 1990 um  über 25% gesunken. Die Konsumentenpreise sind in der 
gleichen Zeitperiode jedoch um über 15% gestiegen. Die Preise für 
ausserhalb der Landwirtschaft eingekaufte Produktionsmittel sind 
sogar um über 25% gestiegen. Verbesserungen sind in diesem Bereich 
dringend angesagt.
Die Abgeltung der multifunktionalen Leistungen der 
Landwirtschaft ist gemäss Avenir Suisse zu hoch. Der SBV kann diese 
Überlegungen nicht nachvollziehen. Die bisher einzige Studie, die 
den Wert der multifunktionalen Leistungen quantifiziert hat, kommt 
zum Schluss, dass die ausgerichteten Direktzahlungen in etwa dem 
Wert der erbrachten Leistungen entsprechen.
Der SBV ist enttäuscht, dass Avenir Suisse in ihrer Publikation 
zwar einiges kritisiert, aber keinen umsetzbaren Beitrag zur 
Bewältigung der anstehenden Herausforderungen im Agrar- und 
Lebensmittelsektor leistet. In der Analyse zeigt Avenir Suisse auf, 
dass die Defizite bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit der 
„filière-agroalimentaire“ weitgehend auch auf das 
gesamtwirtschaftlich schwierige Kostenumfeld zurückzuführen sind. 
Bei den Lösungen be-schränkt sich Avenir Suisse jedoch auf die 
Agrarpolitik und skizziert nur einige lehrbuchhaft-liberale 
Gedanken zu deren Weiterentwicklung. Leider ist es auch Avenir 
Suisse nicht gelungen, Vorschläge zu entwickeln, die das gesamte 
wirtschaftliche Umfeld mit einbeziehen. Von einem neuen Ansatz zur 
Lösung der Herausforderungen des Agrar- und Lebensmittelsektors 
kann bedauerlicherweise keine Rede sein.
Rückfragen:
Jacques Bourgeois, Direktor SBV, Mobile 079 219 32 33
Martin Rufer, Wirtschaft und Politik SBV, Mobile 078 803 45 54
Sandra Helfenstein, Mediensprecherin SBV, Mobile 079 826 89 75
www.sbv-usp.ch

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