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24.06.2004 – 11:00

comparis.ch AG

Comparis: Managed Care Modelle bedroht - Auswirkungen der neuen KVG-Verordnung über Franchisen-Rabatte

Zürich (ots)

Die ab 1. Januar 2005 gültige neue
Verordnung über die Krankenversicherung mindert die preisliche
Attraktivität von HMO- und Hausarztmodellen. Brisant: zurzeit läuft
die Vernehmlassung zur Förderung dieser Managed Care Modelle.
Von den Akteuren in der Schweizer Gesundheitspolitik ist allgemein
anerkannt, dass durch Förderung von alternativen Versicherungsformen
wie HMO- und Hausarztmodellen die Kostensteigerung im
Gesundheitswesen gebremst werden kann. Diese sogenannten "Managed
Care" Modelle (MC-Modelle) bieten in der Tat beachtliches
Sparpotenzial. Eine Studie des Sozialökonomischen Instituts der
Universität Zürich belegt, dass Versicherte in MC-Modellen auf Dauer
bis zu 26 Prozent weniger Kosten verursachen als Personen mit
gleicher Risikostruktur in der traditionellen Grundversicherung. Der
Internetvergleichsdienst comparis.ch kann denn auch bestätigen: Die
MC-Modelle stellen mit den heute geltenden Prämientarifen in
mindestens 25 von schweizweit 43 Prämienregionen die günstigste Form
der Krankenversicherung dar. (1)
Maximalrabatt für Managed Care ist neu durch die Prämien der
traditionellen Grundversicherung begrenzt
Ende Mai hat nun der Bundesrat die Verordnung zum
Krankenversicherungsgesetz (KVG) und darin insbesondere die Regeln,
nach denen die Kassen Prämienrabatte gewähren dürfen, abgeändert. Die
Änderung wird am 1. Januar 2005 in Kraft treten und führt zwei
wesentliche Neuerungen ein:
- Wahlfranchisen bis 2500 Franken. 
   - Maximaler Prämienrabatt auf wählbare Franchisen: 50 Prozent der
     Grundprämie, Basisfranchise mit Unfall.
Zusätzlich wird im Kommentar zur Verordnung festgehalten, dass
eine Prämie festgelegt wird, die nicht unterschritten werden darf.
Diese Minimalprämie beträgt 50 Prozent der Grundprämie. Sie darf auch
unter Einschluss des Rabatts für MC-Modelle nicht unterschritten
werden. Dies bestätigt auf Anfrage auch Theodor Laubscher, der
stellvertretende Leiter Abteilung Aufsicht Krankenversicherung beim
Bundesamt für Gesundheit (BAG).
comparis.ch hat die neuen Rabatte auf die heutigen Prämien
angewendet. Das Resultat: Basierend auf der neuen Regelung sind bei
der Maximalfranchise die MC-Modelle in keiner der erwähnten 25
Regionen mehr günstiger als die günstigste traditionelle
Grundversicherung.
Innovative Kassen werden benachteiligt
comparis.ch schätzt, dass rund ein Drittel der über 360'000
Versicherten, die im letzten Jahr ihre Kasse wechselten, zur Gruppe
der Versicherten mit der höchsten Franchise gehören. Sie sind gesund
und haben nur eine lose Beziehung zu Ihrer Kasse. Wenn eine
Krankenkasse Marktanteile erobern will, so muss sie diesen guten
Risiken kompetitive Prämien anbieten. Hier können MC-Modelle in
Zukunft ihren Prämienvorteil nicht mehr ausspielen.
Krankenversicherer wie Swica, ÖKK oder Wincare haben in den
vergangenen Jahren Dutzende Millionen Franken in MC-Modelle
investiert, um sich im Verdrängungswettbewerb erfolgreich zu
positionieren und Marktanteile zu gewinnen. Diese Förderer der
MC-Modelle, die zu einer Kostendämpfung im Gesundheitswesen
beitragen, bleiben mit der neuen Verordnung im Regen stehen. Für die
Anbieter traditioneller Grundversicherungen, welche stattdessen auf
Risikoselektion setzen, ist mit der geänderten Verordnung
sichergestellt, dass ihre Produkte von den MC-Modellen preislich im
Prinzip nicht mehr unterboten werden können. Das ist nicht Kosten-,
sondern Konkurrenzdämpfung im Gesundheitswesen.
Brisant ist das Thema, weil am 12. Juli die Frist für die
Vernehmlassung zur 2. KVG Revision, in welcher es u.a. um die
Förderung von MC-Modellen geht, abläuft. Wenn man MC-Modelle aufgrund
ihrer kostendämpfenden Wirkung auf der einen Seite fördern will,
macht es keinen Sinn, deren Attraktivität für die am ehesten zu einem
Kassenwechsel bereiten Versicherten gleichzeitig auf dem
Verordnungsweg zu verringern.
(1) Die Berechnung beruht auf den vollumfänglich bekannten Tarifen
       der Grundversicherung sowie auf den für comparis.ch 
       verfügbaren Prämieninformationen von 90 Prozent aller HMO- und
       70 Prozent aller in der Schweiz existierenden Hausarztmodelle.
       Verglichen wurden jeweils die Prämien im einwohnerstärksten 
       Ort jeder Prämienregion.

Kontakt:

Richard Eisler
Geschäftsführer
Tel. +41/1/360'52'62
Fax +41/1/360'52'72
E-Mail: info@comparis.ch
Internet: www.comparis.ch