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Schweizerischer Nationalfonds / Fonds national suisse

SNF: Genetische Vielfalt des Aids-Erregers HIV im Blut als Zeitmass

Bern (ots)

Den HIV-Ansteckungszeitpunkt offenlegen
Forschende der Schweizerischen HIV-Kohortenstudie haben eine 
einfache Methode entwickelt, um abzuschätzen, wann sich ein Patient 
mit dem Aids-Erreger HIV infiziert hat. Diesen Zeitpunkt zu kennen 
kann für die Behandlung wichtig sein und hilft, den Verlauf der 
Epidemie besser zu verstehen.
Ärzte wissen häufig nicht, wann sich ein Patient mit HIV 
angesteckt hat. Den genauen Zeitpunkt können sie nur bis etwa acht 
Wochen nach der Infektion - während deren akuten Phase - ermitteln. 
Macht jemand erst später einen HIV-Test, musste bisher unklar 
bleiben, ob die Übertragung vor drei Monaten oder vor zehn Jahren 
stattfand. Nun haben vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) 
unterstützte Forschende eine einfache Methode gefunden, um den 
geschätzten Ansteckungszeitraum zumindest einzugrenzen.
Wichtig für Studien zur Ausbreitung der Krankheit
Angaben zum Ansteckungszeitpunkt bringen laut Huldrych Günthard vom 
Universitätsspital Zürich verschiedene Vorteile. Der Arzt kann zum 
Beispiel einfacher abschätzen, wie rasch die Krankheit fortschreitet 
- und den Behandlungsbeginn entsprechend anpassen. Und in 
epidemiologischen Studien lässt sich mit höherer Sicherheit 
voraussagen, wann Übertragungen stattgefunden haben, wie sich also 
die Krankheit ausgebreitet hat.
Zusammen mit Kollegen der ETH Zürich nutzten die Forschenden der 
Schweizerischen HIV-Kohortenstudie Daten aus dem Resistenztest, der 
bei HIV-Positiven sowieso routinemässig durchgeführt wird. Dabei wird
das Erbgut der Viren untersucht um herauszufinden, gegen welche 
Medikamente sie resistent sind. Wenn der Patient verschiedene 
HIV-Stämme in sich trägt, liefert der Test an einigen Positionen im 
Viruserbgut kein eindeutiges Ergebnis.
Abfallprodukt des Resistenztests
«Während langer Zeit galt die Unschärfe im Viruserbgut als 
Abfallprodukt des Tests», sagt Günthard. «Aber wir fragten uns, ob 
sie ein Mass für die Vielfalt der Viren im Blut sein könnte.» Weil 
die VirenVielfalt aus der Vermehrung und der Evolution der Erreger im
Körper resultiert und über die Jahre hinweg zunimmt, könnte die 
Unschärfe im Viruserbgut daher Informationen über die Infektionsdauer
enthalten. Günthard und sein Team prüften diese Vermutung, indem sie 
die Resistenztestdaten mit einer früheren, rudimentären 
Berechnungsmethode des Ansteckungszeitpunkts verglichen. Zudem gibt 
es bei einigen Patientengruppen genauere Angaben zur Infektionszeit: 
etwa, wenn jemand sich in der akuten Infektionsphase testen liess, 
oder vor und nach der Infektion je einen HIV-Test machte.
In der im Fachmagazin «Clinical Infectious Diseases» publizierten 
Studie (*) zeigen die Forschenden, dass der Anteil der uneindeutigen 
Stellen in den genetischen Sequenzen der Viren tatsächlich in den 
ersten etwa acht Jahren nach der Ansteckung gleichmässig ansteigt; 
dann wird die Kurve flacher. Um den Infektionszeitpunkt genau 
vorauszusagen, ist die neue Methode zwar noch zu wenig exakt. Doch 
den Forschenden gelang es, einen Schwellenwert zu bestimmen, ab dem 
die Infektion mit 99-prozentiger Sicherheit länger als ein Jahr 
zurückliegt.
(*) Roger D. Kouyos, Viktor von Wyl, Sabine Yerly, Jürg Böni, 
Philip Rieder, Beda Joos, Patrick Taffé , Cyril Shah, Philippe 
Bürgisser, Thomas Klimkait, Rainer Weber, Bernard Hirschel, Matthias 
Cavassini, Andri Rauch, Manuel Battegay, Pietro L. Vernazza, Enos 
Bernasconi, Bruno Ledergerber, Sebastian Bonhoeffer, Huldrych F. 
Günthard and the Swiss HIV Cohort Study (2011). Ambiguous Nucleotide 
Calls From Population-based Sequencing of HIV-1 are a Marker for 
Viral Diversity and the Age of Infection. Clinical Infectious 
Diseases online. doi: 10.1093/cid/ciq164 (als PDF beim SNF 
erhältlich; E-Mail:  pri@snf.ch)
Schweizerische HIV-Kohorten Studie
Das Ziel der seit 1988 bestehenden Studie ist, die Krankheit Aids 
besser zu verstehen sowie die Betreuung der Patientinnen und 
Patienten zu verbessern. Sämtliche in der Schweiz auf 
HIV-spezialisierte Kliniken (Basel, Bern, Genf, Lausanne, Lugano, St.
Gallen und Zürich) haben Daten zum Krankheitsverlauf von bisher über 
16'000 HIV-infizierten Menschen gesammelt und ausgewertet. Zurzeit 
nehmen über 7'500 Personen an der Schweizerischen HIV-Kohorten Studie
teil, davon sind fast ein Drittel Frauen.
www.shcs.ch
Der Text dieser Medienmitteilung steht auf der Website des 
Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung: www.snf.ch > Medien > 
Medienmitteilungen

Kontakt:

Prof. Dr. med. Huldrych Günthard
Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene
Universitätsspital Zürich
Rämistrasse 100
8091 Zürich
Tel.: +41 (0)44 255 34 50
E-Mail: huldrych.guenthard@usz.ch

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