Bundesamt f. Umwelt, Wald und Landschaft

NAQUA-Bericht 2002/2003 Grundwasserschutz muss konsequenter umgesetzt werden

    Bern (ots) - Bern, 13. Januar 2005

    Erstmals ist in der Schweiz eine landesweite Übersicht über die Qualität der Grundwasservorkommen verfügbar. Die Grundwasserqualität ist zwar im Allgemeinen gut, dennoch gibt der Nachweis von Schadstoffen in zahlreichen Messstellen Anlass zur Sorge. Bei 60 Prozent der untersuchten Grundwasservorkommen wurden Spuren von Pflanzenschutzmitteln entdeckt, 45 Prozent enthalten Kohlenwasserstoffe, und 20 Prozent weisen zu hohe Nitratgehalte auf. Obschon die festgestellten Schadstoffgehalte nach aktuellem Wissen kein Gesundheitsrisiko darstellen, kommt der heute vom BUWAL und BWG veröffentlichte NAQUA-Bericht zum Schluss, dass ein konsequenterer Schutz der Grundwasservorkommen erforderlich ist. Mehr als 80 Prozent unseres Trinkwassers stammen aus dem Grundwasser.

    Dank den landesweit verteilten Messstellen des Beobachtungsnetzes NAQUA konnte in der Schweiz zum ersten Mal eine Gesamtübersicht über den Zustand des Grundwassers erstellt werden (siehe Kasten Grundwasserbeobachtung).

    Spuren von Pflanzenschutzmitteln in 60 Prozent der Messstellen Spuren von Pflanzenschutzmitteln (PSM) – besser bekannt als Pestizide (Herbizide, Insektizide, Fungizide usw.) – wurden bei rund 60 Prozent der untersuchten Messstellen nachgewiesen. Diese Resultate bestätigen die im Sommer 2003 veröffentlichten Zwischenergebnisse. 12 Prozent der Messstellen enthalten sogar mehr als 0,1 Mikrogramm Pflanzenschutzmittel pro Liter. Hier werden somit die in der Gewässerschutzverordnung (GSchV) festgelegten Anforderungen für Grundwasser, welches als Trinkwasser genutzt wird, nicht erfüllt. Das zur Bekämpfung von Problempflanzen in Maiskulturen verwendete Herbizid Atrazin und seine Abbauprodukte machen 72 Prozent sämtlicher Nachweise aus. Am meisten betroffen sind dabei das Mittelland sowie die grossen, intensiv genutzten Täler im Jura, im Rhonetal und im Tessin. In diesen Gegenden sind bei 80 Prozent der untersuchten Messstellen Pflanzenschutzmittel nachweisbar. Diese Substanzen werden vorwiegend in der Intensivlandwirtschaft eingesetzt, also im Acker- und Gemüsebau sowie in Obst- und Rebkulturen. Doch auch in Baumschulen, Privatgärten, Sportanlagen, Industriearealen oder entlang von Verkehrswegen werden sie ausgebracht.

    Spuren von Kohlenwasserstoffen bei 45 Prozent der Messstellen Spuren von Kohlenwasserstoffen – also durch Verkehr, Industrie und Gewerbe freigesetzte Brenn- und Treibstoffe sowie Lösungsmittel – liessen sich in 45 Prozent der untersuchten Messstellen feststellen. In urbanen Gegenden finden sich mehr Substanzen und höhere Maximalwerte. 20 Prozent der Messstellen weisen Spuren von MTBE (Methyl-tert-Butylether) auf, einem Antiklopfmittel, welches das giftige Blei im Benzin abgelöst hat. Bis anhin liegen die Konzentrationen jedoch deutlich unter den kritischen Werten.

    Dauerbrenner Nitrat – Verbesserung bei zwei Dritteln der Messstellen Gut 80 Prozent der untersuchten Messstellen erfüllen die Anforderungen der GSchV an das Grundwasser bezüglich Nitrat (maximal 25 Milligramm pro Liter, mg/l). Etwas mehr als 15 Prozent der Standorte liegen zwischen 25 und 40 mg/l (Trinkwassertoleranzwert), während 4 Prozent auch diesen Wert überschreiten. Nitratgehalte über 25 mg/l wurden im Mittelland und in Agglomerationsgebieten gemessen. Diese Verteilung erklärt sich durch die Intensivlandwirtschaft, aber auch durch undichte Abwasserleitungen sowie intensiv gedüngte Rasenflächen von Grünanlagen und Sportplätzen. In den Alpen, den Voralpen und am Alpensüdhang hingegen sind die Nitratgehalte deutlich geringer und überschreiten nur selten 10 mg/l.

    Erfreuliche Entwicklung: Bei zwei Dritteln der Messstellen haben sich die Nitratgehalte seit Mitte der 90er-Jahre deutlich verringert. Gründe dafür sind insbesondere die wirtschaftlichen und ökologischen Veränderungen in der schweizerischen Landwirtschaft (z.B. die Zunahme ökologischer Ausgleichsflächen und Pufferzonen) und die gezielten Massnahmen von Kantonen und Gemeinden bei stark belasteten Wasserfassungen. Die vom Bund gemäss Artikel 62a des Gewässerschutzgesetzes (GSchG) unterstützten Sanierungsprogramme zeigen ebenfalls ihre positive Wirkung.

    Die Qualität bewahren Trotz der ermittelten Belastungen ist die Grundwasserqualität in der Schweiz insgesamt gut. Die Schadstoffspuren müssen aber als Warnsignale ernst genommen werden. Die zahlreichen, während Jahrzehnten verwendeten chemischen Substanzen mit unerwünschter Auswirkung auf die Gewässer und die fortschreitende Überbauung der Einzugsgebiete wichtiger Grundwasservorkommen gefährden die unterirdische Ressource. Umso wichtiger ist es, die Grundwasserschutzzonen ordnungsgemäss auszuscheiden und die Massnahmen zum Schutz des Grundwassers besonders in der näheren Umgebung der Trinkwasserfassungen zu verstärken.

BUWAL  BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT Pressedienst BWG  BUNDESAMT FÜR WASSER UND GEOLOGIE Pressedienst

Auskünfte • Elisabeth Maret, Pressedienst BUWAL, Tel. 031 323 29 69 • Ruedi Bösch, Informationsbeauftragter BWG, Tel. 032 328 87 01, mailto:ruedi.boesch@bwg.admin.ch

Beilage • Kasten Grundwasserbeobachtung: Messnetz NAQUA

Internet Der Fachbericht NAQUA 2002/2003 und die entsprechende Kurzfassung mit den Karten zum maximalen Nitrat-, Pestizid- und Kohlenwasserstoffgehalt können von folgenden Websites heruntergeladen werden: http://www.umwelt-schweiz.ch/grundwasser http://www.bwg.admin.ch > Neuigkeiten > Neue Publikationen

Hinweis für die Redaktionen: «NAQUA – Grundwasserqualität in der Schweiz 2002/2003», Fachbericht, Nr. 804.901.d, erhältlich zum Preis von CHF 33.90 bei: BBL, Verkauf Bundespublikationen, 3003 Bern Tel.: 031 325 50 50, Fax: 031 325 50 58 mailto:verkauf.zivil@bbl.admin.ch Bestellnummer: 804.901.d

«Ein Frühwarnsystem für das Grundwasser – Ergebnisse 2002/2003», Kurzfassung des Fachberichts NAQUA 2002/2003, gratis erhältlich bei: BUWAL, Dokumentation, 3003 Bern Fax: 031 324 02 16, mailto:docu@buwal.admin.ch http://www.buwalshop.ch, Bestellnummer: STUD-2501-TD Die Publikation ist auch als PDF-Datei auf dem Internet verfügbar unter: http://www.buwalshop.ch   http://www.bwg.admin.ch > Neuigkeiten > Neue Publikationen

Grundwasserbeobachtung: Messnetz NAQUA

    Bis 2002 gab es in der Schweiz keine allgemeine Übersicht über die Qualität des Grundwassers. Gewisse Kantone führten zwar seit längerem Analysen durch, doch waren die Verfahren für eine gesamtschweizerische Auswertung zu wenig vergleichbar. Ab 1997 bauten das BUWAL und das BWG in enger Zusammenarbeit mit den Kantonen das nationale Netz zur Qualitätsbeobachtung des Grundwassers NAQUA auf. Dieses umfasst heute rund 550 Messstandorte, die mehrheitlich regelmässig untersucht werden.

    NAQUA ermöglicht es: • die Behörden und die Bevölkerung über die Qualität des Grundwassers und deren mittel- und langfristige Entwicklung zu informieren; • die Wirksamkeit heutiger und zukünftiger Massnahmen im Grundwasserschutz zu beurteilen; • neue Gefahren und allfällige Lücken im Grundwasserschutz zu erkennen; • rechtzeitig auf unerwünschte Veränderungen der Grundwasserqualität zu reagieren.

    Das Hauptgewicht liegt dabei auf der Untersuchung einer breiten Palette physikalischer und chemischer Parameter. In erster Linie werden dabei problematische Stoffe wie Nitrat, Pflanzenschutzmittel und Kohlenwasserstoffe beobachtet, die aus menschlichen Aktivitäten stammen. Bei einer begrenzten Zahl von Messstellen werden aber auch weitere Wasserinhaltsstoffe wie Calcium oder Sulfat untersucht. Diese zeigen eher die natürliche Wasserqualität an sowie deren Entwicklung infolge veränderter Umwelteinflüsse wie beispielsweise Klimawandel oder saurer Regen. Die Mikrobiologie (Krankheitserreger) wird vorerst noch ausgeklammert.

    Es bestehen noch Kenntnislücken Mit Ausnahme des Nitrats, für welches einige längere Zeitreihen bestehen, ist eine gesamtschweizerische Beurteilung der verschiedenen chemischen Substanzen im Wasser noch nicht möglich. Dafür sind langjährige Messreihen in genügender Zahl erforderlich. Die Ergebnisse der bisher im Rahmen von NAQUA durchgeführten Untersuchungen betreffen nicht sämtliche in der Schweiz verwendeten und demzufolge potentiell im Wasser vorhandenen Pflanzenschutzmittel. Vielmehr handelt sich um eine gezielte Beobachtung von höchstens 79 in der Schweiz zugelassenen Stoffen – bei den meisten Messstellen sind es deren 5 bis 8 –, während landesweit rund 350 synthetische aktive Substanzen zugelassen sind. So stand beispielsweise das hier zu Lande am meisten verkaufte und schwer nachweisbare Herbizid Glyphosat noch nicht auf der Liste der untersuchten Stoffe. Ab 2005 umfasst das erweiterte NAQUA-Programm sowohl Glyphosat wie auch eine Anzahl anderer in der Schweiz häufig verwendeter Substanzen.

    Nicht mehr im NAQUA-Netz erfasst werden im Allgemeinen die in den letzten Jahrzehnten wegen starker Verschmutzung geschlossenen Wasserfassungen. Demzufolge zeichnen die Resultate ein eher positives Bild über den Zustand des Grundwassers.



Weitere Meldungen: Bundesamt f. Umwelt, Wald und Landschaft

Das könnte Sie auch interessieren: