Bundesamt f. Umwelt, Wald und Landschaft

BUWAL: Fachtagung in Davos: "Mountain Watershed Management"

    Bern (ots) - Bern, 16. September 2002

Gepflegte Wassereinzugsgebiete schützen besser vor Naturgefahren

    Die ganzheitliche Pflege und Erhaltung von Wassereinzugsgebieten im Berggebiet ist eine wichtige Massnahme zum Schutz vor Naturgefahren: Nur intakte Einzugsgebiete können das Risiko von Hangrutschungen, Murgängen oder Überschwemmungen in Grenzen halten. Parallel zur Präventionsarbeit soll das Berggebiet naturnah genutzt werden, gefährdete Gebiete sind möglichst nicht zu besiedeln. Dazu ruft eine internationale Fachtagung auf, die von heute Montag bis am Mittwoch in Davos stattfindet.

    Die Fachtagung "Mountain Watershed Management" macht auf die Bedeutung einer integralen Pflege und Erhaltung der Einzugsgebiete von Flüssen und Bächen aufmerksam: Wo Schnee, Eis, Wasser, Schwemmholz oder Geschiebe die Unterlieger bedrohen, können nur intakte Einzugsgebiete im Berggebiet das Risiko in Grenzen halten. Werner Schärer, Eidg. Forstdirektor im BUWAL, legte in seinem Begrüssungsreferat dar, dass mittels einer frühzeitigen Präventionsarbeit - wie Pflege von Schutzwäldern und Wassereinzugsgebieten - die Entstehung von Gefahrenherden minimiert werden könne. Er wies aber darauf hin, "dass auch eine reiche Industriegesellschaft wie diejenige der Schweiz mit ihrer weit entwickelten Sicherheitstechnologie keinen absoluten Schutz vor Naturgefahren garantieren kann".

    Deshalb sollten Gebiete, die durch Lawinen, Steinschlag oder Überschwemmungen gefährdet sind, möglichst gar nicht besiedelt werden; wo es nicht anders gehe, müsse die Landnutzung dem Risiko angepasst werden, der Einsatz von Frühwarnanlagen und Schutzbauten komme erst an letzter Stelle. Der Nutzung der Berggebiete müsse nachhaltig sein, um die Natur im Alpenraum lebensfähig und lebenswert zu erhalten, führte Werner Schärer aus.

Resolution zur Erhaltung eines intakten Berggebiets

    An der Fachtagung, die vom BUWAL und der Welternährungsorganisation FAO organisiert worden ist, referieren diverse Experten zur Zukunftsgestaltung der Berggebiete. Sie behandeln wichtige Fragen wie "Was kann eine moderne Pflege der Wassereinzugsgebiete zur Erhaltung von lebenswerten Berggebieten beitragen?" oder "Wie verbessert ein gesamtheitliches Risikomanagement die Sicherheit der Bewohner des Berggebiets?". Dabei werden auch Lehren aus vergangenen Naturkatastrophen gezogen. M. Hosny El-Lakany, Leiter des Forstdepartements der FAO und Vize- Generaldirektor, berichtet über die Erfahrungen der FAO weltweit; die Vertreter von einem Dutzend Ländern ziehen Bilanz über Ereignisse, Aktivitäten und Erfolge der Präventionsarbeit der vergangenen zwei Jahre. Mit der Verabschiedung einer gemeinsamen Resolution wollen sich die Fachleute an Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit wenden. Darin werden verschiedene Ansätze zum Schutz vor Naturgefahren und der Erhaltung eines intakten Berggebiets festgehalten. Betont wird nebst der Anpassung der Landnutzung an natürliche Gegebenheiten die Koordination verschiedener Akteure aus Land- und Forstwirtschaft, Raumplanung, Verkehr, Wasserbau und Tourismus - im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung des Berggebiets. Als weitere Massnahme von existentieller Bedeutung für die Überlebensfähigkeit der Berggebiete wird die Pflege von Schutzwäldern hervorgehoben. Land- und Forstwirtschaft könnten noch verstärkt einen Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft im Alpenraum leisten und Wertschöpfungsketten wie diejenige des Holzes fördern. Weil das alpine Ökosystem besonders empfindlich auf klimatische Veränderungen reagiert, rufen die Experten die Regierungen auf, das Kyoto-Protokoll zu implementieren.

Von Lawinen zu Wasser

    Auslöser der ersten Zusammenkunft der "Working Party on the Management of Mountain Watersheds" vor 50 Jahren war der Lawinenwinter 1950/51; heute verleihen die Überschwemmungen in Osteuropa und China der Tagung in Davos Aktualität. Das Schwergewicht der Themen und die Bedeutung der Arbeitsgruppe hat sich während ihres 50-jährigen Bestehens verlagert: Am Anfang stand der Erfahrungsaustausch zu Lawinen im Mittelpunkt, heute ist der Schutz des Menschen vor Naturgefahren und die naturnahe Nutzung der Wassereinzugsgebiete in den Vordergrund gerückt. Ein Ziel der internationalen Arbeitsgruppe, die von der Europäischen Forstkommission und der FAO unterstützt wird, war es von Anfang an, Erfahrungen und Wissen über die Landesgrenzen austauschen. Die Fachleute aus verschiedenen Umweltgebieten, Land- und Forstwirtschaft und Forschung treffen sich alle zwei Jahre. Die Schweiz, vertreten durch das BUWAL, hat es im UNO-Jahr der Berge übernommen, die 23. Fachtagung zu organisieren.

BUWAL  BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT Pressedienst

Auskünfte - Werner Schärer, Forstdirektor im BUWAL, Tel. 031 324 78 36 - Peter Greminger, BUWAL, Leiter Bereich Schutzwald und Naturgefahren, Tel. 079 277 51 86 (nur gültig am 16. und 17. September 2002)



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