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Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung: Vor zehn Jahren ebnete die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung den Weg zu mehr Gleichstellung

Genf (ots) - Vor zehn Jahren, am 13. Dezember, wurde die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung von den Vereinten Nationen verabschiedet. Seitdem wurde sie von 168 Staaten ratifiziert, also von rund drei Viertel aller Staaten weltweit. Das Übereinkommen war ein wichtiger Schritt in Bezug auf die Rechte von Menschen mit Behinderung. Doch auch heute noch werden sie massiv und mehrfach diskriminiert.

Zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember fordert Handicap International deshalb erneut alle Staaten auf, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Sie müssen unverzüglich Massnahmen ergreifen, die die Teilhabe aller Menschen an der Gesellschaft sicherstellen.

Grosse Fortschritte

Die Konvention bekräftigt, dass die Menschenrechte universell gelten und natürlich auch auf Menschen mit Behinderung zutreffen. Das Übereinkommen ist der erste Menschenrechtstext, der die Auflagen genauer definiert, zu denen sich die Staaten verpflichten. Ziel ist es, ausgehend vom Gleichheitsprinzip, die Verwirklichung der Rechte von Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen.

In zehn Jahren wurde die Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ein anerkannter internationaler Standard. Ein Zeichen für ihren Erfolg ist, dass immer mehr Staaten Bestimmungen über die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung in ihren Verfassungen übernehmen.

   - Die Sichtweise auf  Behinderung als körperliche oder geistige 
     Beeinträchtigung ist rückläufig. Immer stärker setzt sich die 
     Auffassung durch, dass es die Gesellschaft ist, die für die 
     Barrieren zur Inklusion von Menschen mit Behinderung 
     verantwortlich ist. Die Konvention ruft die Gesellschaften auf, 
     sich anders zu organisieren, so dass alle unabhängig von ihren 
     Fähigkeiten und Einschränkungen in der Lage sind, ihre 
     grundlegenden Rechte und Freiheiten auszuüben. 
   - Die Konvention hat dafür gesorgt, dass Menschen mit Behinderung 
     eine wichtigere Rolle in globalen Entwicklungsprogrammen 
     spielen: Im September 2015 verabschiedete die UN-Vollversammlung
     die Nachhaltigkeitsziele. Noch nie hat ein globales Programm zur
     Beendigung von Armut Menschen mit Behinderung so sehr 
     berücksichtigt. 
   - Organisationen, die Menschen mit Behinderung vertreten, sind 
     immer besser organisiert und haben immer mehr Mitspracherecht 
     bei Entscheidungen, die sie selbst betreffen. 

Trotzdem ist der Weg noch lang

Allerdings werden die Rechte von Menschen mit Behinderung regelmässig verletzt. Dienstleistungen in Bezug auf Gesundheit, Bildung, Verkehr und Arbeit sind oft unzugänglich für sie. Viele sind Opfer wiederholter Gewalt aufgrund ihrer Behinderung, haben ein eingeschränktes Familienleben, leiden unter erzwungener Sterilisation, Segregation, erzwungener Medikamenteneinnahme, Beschränkungen ihrer Rechtsfähigkeit und vieles mehr.

Einige Gruppen von Menschen mit Behinderung sind mehr ausgeschlossen als andere, wie Menschen mit psychischen Behinderungen oder Opfer mehrfacher Diskriminierung wie Frauen mit Behinderung.

   - Studien zufolge werden Frauen mit Behinderung zwei- bis dreimal 
     häufiger körperlich und sexuell missbraucht als Frauen, die 
     keine Behinderung haben. 
   - 20 Millionen Menschen weltweit haben keinen Rollstuhl, obwohl 
     sie einen benötigen. 
   - Menschen mit Behinderung gehören immer zu den Ärmsten der 
     Gemeinschaft. 80% der Menschen mit Behinderung auf der ganzen 
     Welt leben in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. 
   - Menschen mit Behinderung werden bei Katastrophen weitgehend 
     ignoriert oder unzureichend berücksichtigt. Laut einer von 
     Handicap International durchgeführten internationalen Umfrage 
     von 2015 haben 75% der von Katastrophen betroffenen Menschen mit
     Behinderung keinen ausreichenden Zugang zu humanitärer Hilfe. 

"Die Konvention ist ein Erfolg aber damit sie wirklich umgesetzt wird, müssen wir uns jedoch noch weiter engagieren", sagt Petra Schroeter, Geschäftsführerin von Handicap International Schweiz. "Wie trainiert man die Polizei und die Gerichte, um die Zeugenaussagen von Menschen mit Behinderung aufzuzeichnen, die missbraucht wurden, anstatt sie als" unfähig "zu betrachten? Wie entwickelt man ein Bildungssystem, das die tatsächlichen Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung berücksichtigt, so dass diese nicht benachteiligt werden? Wie muss das Arbeitsrecht aussehen, um Menschen mit Behinderung einen gleichberechtigten Zugang zu Berufen zu gewährleisten? Die Projekte von Handicap International zielen darauf ab, Fördereinrichtungen, Regierungen, Dienstleistungen und die Zivilgesellschaft dabei zu unterstützen, die Inklusion von Menschen mit Behinderung voranzubringen."

Handicap International und die Förderung der Rechte von Menschen mit Behinderung

Handicap International hat Partnerschaften mit mehr als 400 Organisationen von Menschen mit Behinderung auf lokaler, nationaler und überregionaler Ebene gebildet. In 40 Projekten helfen wir ihnen beim Management ihrer Aktivitäten, der politischen Kampagnenarbeit sowie der Überwachung der Fortschritte, die in Bezug auf die Rechte von Menschen mit Behinderung erzielt wurden.

Handicap International hat mit mehreren Partnerorganisationen im Mai 2016 im Rahmen des Weltgipfels der humanitären Hilfe die Charta zur Inklusion von Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen. Sie soll sicherstellen, dass Staaten, Finanzierungsstellen und NGOs Millionen von Menschen mit Behinderung, die von humanitären Katastrophen betroffen sind, effektiver berücksichtigen. Bisher hat die Charta 138 Unterzeichner.

Zu Handicap International

Handicap International ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die in Situationen von Armut und sozialer Ausgrenzung, von Konflikten und Katastrophen interveniert. Sie unterstützt Menschen mit Behinderung und andere besonders hilfsbedürftige Menschen, damit ihre grundlegenden Bedürfnisse gedeckt werden, sich ihre Lebensbedingungen verbessern und ihre Grundrechte besser respektiert werden.

Insgesamt ist die Organisation in ca. 60 Ländern aktiv. Handicap International ist eines der sechs Gründungsmitglieder der Internationalen Kampagne zum Verbot von Landminen (ICBL), die 1997 den Friedensnobelpreis erhalten hat, und aktives Mitglied der internationalen Koalition gegen Streubomben (CMC). 2011 wurde Handicap International mit dem Conrad N. Hilton Humanitarian Prize ausgezeichnet.

In Genf symbolisiert Broken Chair den Kampf gegen die Explosivwaffen und die Gewalt, die in bewaffneten Konflikten an den Zivilbevölkerungen verübt wird. Das gegenüber dem Sitz des Genfer Büros der Vereinten Nationen errichtete Denkmal von Daniel Berset auf Anfrage von Handicap International ist eine Herausforderung adressiert an die internationale Gemeinschaft. Es erinnert sie an ihre Verpflichtung, humanitäres Völkerrecht zu respektieren und die Zivilbevölkerung in bevölkerten Gebieten gegen den Einsatz von Explosivwaffen zu schützen.

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