BERLINER MORGENPOST

Lehrer müssen besser verdienen
Leitartikel von Regina Köhler

Berlin (ots) - Ein neues Schuljahr in Berlin beginnt. Während sich viele Eltern in diesen Tagen die bange Frage stellen, ob ausreichend Lehrer auf ihre Kinder warten und die Räume, in denen sie lernen sollen, hergerichtet sind, findet Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) vor allem beruhigende Worte. Von den insgesamt 1439 Lehrern, die eingestellt werden müssten, seien bereits 1370 an Bord, darunter viele Lehrer mit Mangelfächern. Berlin sei bei jungen Pädagogen gefragt, Abwanderung sei kein Thema, betont sie.

Doch so rosig wie die Senatorin die Lage darstellt, ist sie bei weitem nicht. Fachfremd erteilter Unterricht ist an der Tagesordnung, Unterrichtsausfall auch. An den Berliner Schulen unterrichten immer mehr Quereinsteiger. Wie von Vertreter der Initiative "Bildet Berlin", der Tausende angestellte Lehrer angehören, zu hören ist, haben im vergangenen Schuljahr außerdem weit mehr als die von der Bildungssenatorin genannten acht Lehrer Berlin verlassen. Auf der Internetseite der Initiative sind viele Beispiele nachzulesen.

Die angestellten Lehrer haben für das bevorstehende Schuljahr bereits wieder Streiks angekündigt. Gegenwärtig diskutieren sie sogar über einen unbefristeten Ausstand. Sie fordern eine tarifvertraglich geregelte Bezahlung und die Gleichstellung mit ihren verbeamteten Kollegen. Diese Forderungen sind berechtigt. Der Lehrerberuf ist anstrengend, die Anforderungen werden immer größer. Der Senat hat das Einstiegsgehalt vor zwei Jahren für angestellte Lehrer zwar erhöht, eine Steigerung des Gehalts mit den Berufsjahren ist aber nicht vorgesehen. Hier muss dringend nachgebessert werden.

Die Bildungssenatorin sollte die jungen Pädagogen unbedingt ernst nehmen. Sie muss sich stark machen für ihre Schulen und im Senat darauf pochen, dass Bildung tatsächlich Vorrang hat. Für das nicht enden wollende Drama um den Hauptstadtflughafen BER stehen schließlich auch immer mehr Millionen Euro zur Verfügung. Allein 35 Millionen Euro zusätzlich kostet die Flughafengesellschaft jeder Monat, an dem der BER nicht eröffnet wird. Geld, das man für die Berliner Lehrer viel besser ausgeben könnte.

Angesichts des bundesweit herrschenden Lehrermangels muss Scheeres alles tun, um die Personalausstattung an den Schulen in Berlin sicherzustellen. Hinzu kommt, dass in den nächsten Jahren Tausende Berliner Lehrer in den Ruhestand gehen. Bis 2017 muss zudem mit einem Schülerzuwachs von fünf Prozent gerechnet werden. Berlin braucht deshalb viele neue Lehrer - und zwar deutlich mehr, als bisher angenommen.

So pragmatisch wie die Senatorin auf die wachsenden Schülerzahlen reagiert hat - allein für den Neubau von Schulen sollen in den kommenden Jahren 580 Millionen Euro bereitgestellt werden - muss sie endlich auch auf den Fachlehrermangel reagieren. Nur dann können die Eltern wirklich aufatmen. Nur dann kann fachfremder Unterricht und Unterrichtsausfall an den Berliner Schulen vermieden werden.

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