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Im Windschatten, Kommentar zur Commerzbank von Bernd Neubacher

Frankfurt (ots) - Sieh mal einer an, wer sich da in den Windschatten der Deutschen Bank gesetzt hat. Wenige Stunden nachdem der übermächtige Rivale die Anleger mit der Präsentation seiner neuen Strategie enttäuscht hatte, mutete die immer noch zweitgrößte Bank Deutschlands, die Commerzbank, ihren Aktionären nach Handelsschluss zu Wochenbeginn eine Kapitalerhöhung zu - es ist die neunte in nur sieben Jahren. Im Vergleich zur Kapitalerhöhungsorgie der vergangenen Jahre samt zweifacher Herabsetzung des Grundkapitals kommt das Volumen der am Dienstag zu 12,10 Euro je Aktie platzierten Emission freilich geradezu als niedrigschwelliges Angebot daher. 1,4 Mrd. brutto hat die Bank erlöst - eine Aufstockung des Grundkapitals um mehr als 10% unter Ausschluss des Bezugsrechts wäre laut Aktiengesetz auch nicht ratsam gewesen.

Wie im Falle der Deutschen Bank dient auch die Aktienemission der Commerzbank der Finanzierung von Altlasten. 1,2 Mrd. Euro kostete es die Bank im vergangenen Monat, sich in einem Vergleich mit US-Behörden von Vorwürfen der Verstöße gegen Sanktions- und Geldwäschevorschriften freizukaufen. Wie der Bericht des Instituts zum Ergebnis im ersten Quartal am Donnerstag kommender Woche zeigen dürfte, haben zuletzt mit nochmals 200 Mill. Euro zudem Abschreibungen auf Engagements bei Österreichs Heta Asset Resolution zu Buche geschlagen. Wenn die Bank nun mitteilt, dank des Emissionserlöses steige die harte Kernkapitalquote auf 10,2%, womit das Institut "schneller als geplant das vom Kapitalmarkt mittlerweile geforderte Niveau" erreiche, dann ist daran richtig, dass die Bank die Marke von 10% tatsächlich erst 2016 zu meistern plante. Man darf aber festhalten, dass die Kennziffer per Ende März dort ohnehin gelandet wäre, hätte die Bank nicht die Compliance vergeigt und in der Anlage ein glücklicheres Händchen bewiesen.

Die Kapitalerhöhung der Commerzbank zeigt: Auch sieben Jahre nach dem Kollaps von Lehman Brothers ist die Rekapitalisierung nicht beendet. Allerdings hat sich das Augenmerk von Banken und Regulierern dabei längst weg vom harten Kernkapital über das zusätzliche Kern- zum Nachrangkapital bewegt. Entscheidend ist die Frage, wie viele Mittel notwendig sind, um eine große Bank abwickeln zu können. Unter diesem Aspekt gilt für die Commerzbank das Gleiche wie für die strategische Neuorientierung der Deutschen Bank: Im Vergleich mit internationalen Wettbewerbern ist sie ein bisschen spät dran.

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