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Abgang mit Folgen, Kommentar zur Rückkehr von EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen nach Berlin als Mitglied der neuen Regierung, von Mark Schrörs.

Frankfurt (ots) - Abgang Jörg Asmussen, Auftritt Sabine Lautenschläger? Der überraschende Rückzug von Asmussen aus dem Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) und seine Rückkehr nach Berlin als Mitglied der neuen Regierung sorgten gestern vor allem auch in Frankfurt für jede Menge Aufsehen - und warfen allerlei Fragen auf: Warum tut er das? Was bedeutet das für die EZB. Und vor allem: Wer folgt?

Asmussens Schritt bedeutet auf dem Papier ohne Frage einen Abstieg. Denn er wird ja nicht SPD-Finanzminister, wie zwischenzeitlich spekuliert worden war. Er wird Staatssekretär im Arbeitsministerium - er rückt also wieder in die zweite Reihe. Asmussen selbst begründet seine Entscheidung damit, er wolle mehr Zeit für seine Familie haben. Gut möglich ist aber, dass auch andere Gründe zumindest eine Rolle gespielt haben.

Asmussen reizt das politische Gestalten, als "political animal" bezeichnen ihn enge Mitstreiter. Nun wird es als Staatssekretär zwar primär seine Aufgabe sein, seine Dienstherrin Andrea Nahles glänzen zu lassen. Aber wer sagt, dass es nicht später für mehr reichen kann? Asmussen ist erst 47 Jahre alt. Mit Themen wie Mindestlohn hat er jedenfalls die Möglichkeit, sich bei der SPD-Basis zu profilieren.

Der Pragmatiker Asmussen mag zudem mit der bürokratischen Institution EZB gefremdelt haben. Erleichtert worden sein dürfte die Entscheidung dadurch, dass sich sein Verhältnis zu EZB-Chef Mario Draghi offenbar etwas abgekühlt hat. Asmussen steht zwar anders als Vorgänger Jürgen Stark im Wesentlichen hinter dem EZB-Kurs, auch hinter dem Staatsanleihekaufprogramm OMT. Aber in jüngster Zeit waren Draghi und er öfter mal unterschiedlicher Meinung.

Für Draghi kommt der Schritt dennoch zur Unzeit. Asmussen ist derzeit Draghis wichtigster Verhandler auf EU-Ebene, etwa wenn es um die Bankenunion geht. Zudem steht die EZB 2014 vor großen Herausforderungen. Im Herbst soll sie die Aufsicht über die größten Institute übernehmen. Vorher unterzieht sie diese einer beispiellosen Bilanzprüfung. Zu Recht mahnt Draghi eine schnelle Nachfolge an.

Für die gilt die Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Lautenschläger, als heiße Kandidatin. Für sie spricht, dass sie viel Expertise in Bankenaufsichtsfragen mitbringt. Sie könnte so auch den Posten als Vice Chair im neuen EZB-Aufsichtsgremium übernehmen. Geldpolitisch hingegen ist sie bislang kaum in Erscheinung getreten. Da müsste Lautenschläger beweisen, dass sie in EZB-Direktorium und -Rat auf Augenhöhe agieren kann. Zuzutrauen ist ihr das.

(Börsen-Zeitung, 17.12.2013)

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