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Blitzstart, Kommentar zu General Motors von Sebastian Schmid

Frankfurt (ots) - Von der Last der Regierungsbeteiligung befreit, legt General Motors (GM) einen Blitzstart hin und sendet ein erstes Signal für die Zukunft. Mary Barra rückt im Januar an die Spitze der Auto-Ikone aus Detroit. Die 51-Jährige, die vom scheidenden GM-Chef Dan Akerson von der Personalchefin zur Leiterin der Produktentwicklung befördert wurde, läutet nicht nur als erste Frau an der Spitze des Autobauers eine neue Ära ein. Auch der fällige Generationswechsel an der Spitze des Unternehmens hält mit ihr Einzug. Zuletzt hatten sich mit Ed Whitacre (72) und Akerson (65) zwei ältere Semester an der Konzernspitze versucht.

Während Whitacre eine unglückliche Figur abgab und nach weniger als einem Jahr wieder gehen musste, hat Akerson das angeschlagene Unternehmen in seinen drei Jahren als CEO zurück an die Börse geführt und deutlich profitabler gemacht. Dass sich am Aktienmarkt lange kein Erfolg einstellte, lag vor allem an der hohen Regierungsbeteiligung. Egal, ob man die vom Staat finanzierte Rettung von GM nun als ordnungspolitischen Sündenfall oder notwendige Rettung der US-Automobilindustrie begreift: Eine Fortsetzung der Regierungsbeteiligung hat niemand mehr begrüßen können, da diese andere Investoren ferngehalten hatte. Je klarer wurde, dass die US-Regierung bald aussteigen würde, desto besser entwickelte sich der Aktienkurs. Seit Anfang 2013 haben die Titel mehr als 40% zugelegt.

Akerson hat am Tag vor seinem Ausscheiden noch bekräftigt, die vom Steuerzahler gewährte zweite Chance nicht zu verspielen. Da er wegen der Erkrankung seiner Frau Mitte Januar aufhört, soll Barra nun den begonnenen Turnaround vollenden. Bei allem Erreichten bleiben die Herausforderungen zahlreich: In Europa schreibt GM nach wie vor rote Zahlen, in China verliert das Unternehmen Marktanteile, in Nordamerika hinkt die Marge noch immer der des größten heimischen Rivalen Ford hinterher.

Barra hat in ihrer Zeit als Chefin der Produktentwicklung und der Personalabteilung zwar schon zeigen können, dass sie Einsparungen vornehmen kann. Ob die studierte Elektrotechnikerin und Tochter eines GM-Werkzeugmachers auch die eigentliche Produktentwicklung voranbringen wird, muss sich allerdings erst noch zeigen. Die ersten komplett unter ihrer Aufsicht entwickelten Modelle kommen erst in den nächsten Monaten auf den Markt. Barra muss sich dann gleich an ihrem für die Mitarbeiter formulierten Anspruch messen lassen: "Keine beschissenen Autos mehr."

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