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Der Schritt ins wahre Leben. Kommentar von Klaus Wille

Essen (ots) - Wahrscheinlich macht man sich keine Vorstellung davon, was das heißt: Fünf Jahre ist es her, seit Magdalena Neuner mit 19 Jahren wie ein Tornado über die Biathlon-Bühne fegte. Seitdem hat sie gewonnen, was ihr Sport nur hergibt: Zehn WM-Titel, zweimal olympisches Gold. Jetzt ist sie 24 Jahre alt und sagt: es reicht. Wenn sie aufhört, wird sie 25 sein.

Fünfundzwanzig. Kein Alter, nicht einmal für Spitzensportler. Viel spricht dafür, dass Magdalena Neuner sich eine einfache Frage gestellt und eine ebenso einfache wie wahrhaftige Antwort gefunden hat: Was soll noch kommen? Das wahre Leben.

Was Magdalena Neuner früh gespürt hat: Das wahre Leben ist nicht, schießend durch den Wald zu laufen. Es ist nicht, von Millionen dabei beobachtet, schließlich von ihnen vereinnahmt zu werden. Noch einen PR-Termin abzureißen, noch einen Sponsoringvertrag abzuschließen, noch einen liebeskranken Fan aus dem Vorgarten scheuchen zu müssen. Neuner hat seit langem unter den Schattenseiten ihrer Popularität gelitten, daraus hat sie keinen Hehl gemacht.

Jetzt geht sie, neugierig auf das, was da noch kommt. Viele Spitzensportler haben den Zeitpunkt für einen starken Abgang verpasst. Magdalena Neuner nicht. Viele sind aus lauter Langeweile zurückgekehrt. Magdalena Neuner hoffentlich nicht: Viel Spaß im wahren Leben.

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