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Künftige Präses der westfälischen Landeskirche befürwortet NPD-Verbot

Essen (ots) - Annette Kurschus, designierte Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, hält im Kampf gegen den Rechtsterrorismus ein Verbot der NDP grundsätzlich für sinnvoll. "Ich finde es eine Katastrophe, dass diese Menschen Platz haben in unserem demokratischen System. Denn das ist keine Lebenshaltung, die ich wirklich dulden kann", sagte Annette Kurschus kurz nach ihrer Wahl zur künftigen Präses dem Internetportal der Essener WAZ-Mediengruppe, DerWesten.de. Als inhaltliches Zeichen hielte sei das Verbot richtig, aber die Theologin befürchtet, dass sich die "subversiven Kräfte" dann gleich wieder in anderen Gruppierungen zusammenschließen.

Zudem hält sie ein NPD-Verbot allein für unzureichend. "Die Politik müsste auch genau danach fragen, was sich verändern müsste, damit Neonazis der Nährboden entzogen wird." So müsste beispielsweise dem Frust von Jugendlichen, die sich nicht wahrgenommen fühlten, und auch der Fremdenfeindlichkeit mehr entgegengesetzt werden. "Es müsste in Signal von der Politik kommen, dass sie nicht nur die Partei verbietet, sondern sich auch auf den Weg macht zu fragen: Was ist der Boden für das Denken rechtsradikaler Menschen?"

Eine Gedenkveranstaltung für die Opfer des Rechtsterrors, wie sie Bundespräsident Christian Wulff ins Gespräch gebracht hat, nannte sie "wichtig". "Als Zeichen für die Angehörigen der Opfer, für die Trauernden, wäre das sicher ganz wichtig." Eine solche Veranstaltung darf ihrer Meinung nach jedoch nicht als Ausdruck einer Art "Kollektivschuld" verstanden werden. "Aber richtig ist: Es ist inmitten unserer Gesellschaft passiert. Insofern ist ein solches Zeichen des tiefen Erschreckens angemessen."

Die 48-jährige Annette Kurschus wurde am Mittwoch auf der westfälischen Landessynode mit überwältigender Mehrheit zur neuen Präses gewählt. Sie folgt Alfred Buß nach, der im März in den Ruhestand geht.

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