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comparis.ch überprüft die angekündigten Preissenkungen im Detailhandel - Preissenkungen: Ja, aber

Zürich (ots) - Wegen des starken Frankens tobt eine öffentliche Debatte um die zu hohen Preise im Detailhandel. Die Läden haben darauf mit der Ankündigung reagiert, die Preise vor allem ihrer Markenartikel anzupassen. comparis.ch wollte wissen, ob die Preise nun effektiv gesunken sind. Das Ergebnis: Für einzelne Produkte bestehen im Vergleich zum vergangenen Februar tatsächlich erhebliche Preisdifferenzen - nach unten, aber auch nach oben.

«Euro runter, Preise runter», «Markenartikel werden günstiger», «Preisrunde», «der grösste Preisabschlag aller Zeiten»: Solche Schlagwörter dominieren seit einigen Tagen die Werbung und die Pressecommuniqués der grossen Schweizer Detailhändler. Und auch die politische Debatte dreht sich um die Auswirkungen des starken Frankens auf die Preise, die die Konsumenten in den Läden zahlen müssen. Der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch hat genauer wissen wollen, was es mit den Ankündigungen wirklich auf sich hat. Ausgehend von einer Erhebung im vergangenen Februar, wurde mit einem Testkauf untersucht, wie sich die Preise von Markenartikeln seither verändert haben. Dabei zeigt sich: Die Preise sind tatsächlich gesunken, zum Teil sogar erheblich.

Der Testkauf fand am Montag, 29. August 2011, bei Aldi, Coop, Denner, Lidl, Migros und Spar statt. Berücksichtigt wurde eine Auswahl beliebter Markenartikel des täglichen Bedarfs, deren Preise comparis.ch bereits im Februar erhoben und verglichen hatte (1). Die Auswahl deckt ein breites Sortiment ab; nicht alle Produkte sind aber bei sämtlichen Anbietern im Angebot. Die Untersuchung ermöglicht die Aussage, wie stark sich die Preise dieser Waren im vergangenen Halbjahr verändert haben. Aktionspreise flossen nicht in die Analyse ein.

Preisreduktionen - und gleichzeitig Preiserhöhungen

In den sechs Läden wurden unterschiedlich viele Produkte gekauft. Die Veränderungen werden deshalb nicht nach den Differenzen, sondern in alphabetischer Reihenfolge gemäss den Anbietern aufgeführt. Bei Aldi sind aus der Auswahl vom Februar 11 Produkte erhältlich; diese kosten heute insgesamt 8.7 Prozent weniger als vor einem halben Jahr. Bei Coop kommen die 171 Produkte des Warenkorbs auf insgesamt 0.9 Prozent weniger zu stehen. Um 0.1 Prozent günstiger sind die untersuchten 114 Artikel von Denner. Lidl verlangt für die ausgewählten 66 Artikel im Gesamten 1.5 Prozent weniger. Bei Migros fällt der Betrag für die überprüften 45 Markenartikel um 4 Prozent tiefer aus. Bei Spar ist bei den 170 Markenartikeln eine Erhöhung um total 3.7 Prozent festzustellen. Nach einer Anfrage von comparis.ch hat Spar jedoch kurzfristig Preissenkungen vorgenommen (2).

Das Leben ist in diesem halben Jahr durchaus billiger geworden - doch unter dem Strich wirken sich die Preisabschläge eher bescheiden aus. Dies liegt daran, dass in der gleichen Zeitspanne auch zahlreiche Produkte teurer geworden sind. Sämtliche Einkäufe bei allen Anbietern ausser Spar (3) zusammengefasst, zeigt der jetzige Testkauf folgendes Bild: Bei etwa der Hälfte aller eingekauften Waren wurden im Vergleich zum Februar keinerlei Preisänderungen festgestellt. Rund ein Viertel der untersuchten Waren kostet weniger. Preisreduktionen finden sich im gesamten Sortiment; sie sind in keinen Produktkategorien ausgeprägter als in anderen. Bei einem weiteren knappen Viertel der Produkte gibt es sogar höhere Preise. Auffällig ist hier, dass Kaffee und Molkereiprodukte tendenziell teurer geworden sind.

Die Detailhändler haben die Preise zahlreicher Produkte aufgrund des starken Franken-Kurses angepasst oder dies angekündigt. «Viele Konsumenten könnten den Eindruck gewonnen haben, nun werde alles billiger. Doch solche Erwartungen können die Händler gar nicht erfüllen. Denn unter den beliebten Markenartikeln finden sich zahlreiche Waren, die mit Schweizer Rohstoffen hergestellt werden. Für sie können die angekündigten Preissenkungen gar nicht zutreffen», sagt Richard Eisler, Geschäftsführer von comparis.ch.

Rahmspinat ein Viertel, Calgon ein Fünftel billiger

Eine vertiefte Analyse jener Produkte, die im Vergleich zum Einkauf im Februar günstiger geworden sind, liefert aber interessante Ergebnisse. Bei Aldi kostet die Summe dieser Artikel heute 11.7 Prozent weniger als vor einem halben Jahr. Bei Coop beträgt die Verbilligung 8.1 Prozent. In einer Denner-Filiale muss der Kunde für die Produkte mit Preissenkungen 9.6 Prozent weniger zahlen. Bei Lidl beträgt die Differenz bei den preisvergünstigten Produkten 12.1 Prozent. Migros bietet die gesenkten Warenartikel um 14.6 Prozent günstiger an. Bei Spar beträgt die gesamte Verbilligung bei den günstiger gewordenen Artikeln 6.8 Prozent.

Unter den Preissenkungen findet sich zum Beispiel Rahmspinat von Findus (800 Gramm). Er kostet bei Lidl und Denner 26 Prozent weniger (3.95 statt 5.35 Franken). Calgon Pulver (1.5 Kilogramm) ist in der Migros 20 Prozent günstiger geworden (18.20 statt 22.80 Franken).

Hinweis an die Redaktionen: Die Preistabelle mit allen verglichenen Produkten kann bei der Medienstelle von comparis.ch angefordert werden (media@comparis.ch, 044 360 34 00).

(1) Vgl. Medienmitteilung vom 28. Februar 2011, «Remis zwischen Coop und Migros», http://www.comparis.ch/~/media/files/mediencorner/medienmitteilungen/2011/detailhandel/preisvergleich_detailhandel.pdf. (2) Diese Anpassungen konnten nicht berücksichtigt werden, weil sie nach dem Stichtag des Testkaufs (Montag, 29. August) erfolgten. (3) Wegen der genannten kurzfristigen Ankündigung.

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