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Zwangsehe ist ein Verbrechen - Kommentar von Sigrid Krause

Essen (ots) - Auch wenn die Studie auf den ersten Blick anderes vermittelt: Die allermeisten jungen Frauen und Männer mit türkischen, serbischen, irakischen oder asiatischen Wurzeln werden nicht in die Ehe gezwungen. Gut 2,21 Millionen junge Leute ausländischer Herkunft, 15 bis 25 Jahre alt, lebten 2008 in Deutschland. 3443 von ihnen wurden in den Beratungsstellen registriert - 0,15 Prozent dieser Altersgruppe. Mutmaßlich gibt es weit mehr Betroffene, die ihre Panik und Verzweiflung still ertragen, statt Wildfremde um Hilfe zu bitten. Viele schweigen, weil die Furcht vor dem Verlust der Familie größer ist als der Mut zum Widerstand. Andere sprechen zu wenig Deutsch, um Hilfsangebote zu erkennen und zu nutzen. Umso wichtiger ist es, dass echte Hilfen flächendeckend angeboten werden. Ein vielsprachiges Notruf-Telefon, wie Berlin es jetzt plant, ist gut. Verzweifelte junge Menschen brauchen aber mehr als ein geduldiges Ohr: klare Infos über die nächste Anlaufstelle, die ihnen Ruhe, guten Rat, im Notfall auch eine sichere Bleibe bietet. Auch müssen Lehrer auf Notfälle aufmerksam werden, bevor wieder ein Platz in der Klasse leer bleibt. Jede Zwangsheirat ist ein Verbrechen, jedes Opfer - ob "nur" bedroht oder schon verheiratet - verdient Schutz und Fürsorge. Dazu braucht es mehr als erschütternde Zahlen - und zwar sofort.

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