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Recht des Stärkeren - Kommentar von Walter Bau

Essen (ots) - Man muss kein Mitleid haben mit Muammar Gaddafi, schon gar keine Sympathie; er war ein brutaler und gewissenloser Despot, verantwortlich für Terror, Mord und unendliches Leid. Trotzdem lassen einen die wackligen Videobilder von dem verwundeten, blutüberströmten Mann, der von einem johlenden Mob umher gestoßen, geschlagen und letztlich wohl auch getötet wird, nicht gänzlich unberührt. Darf ein Volk, das jahrzehntelang brutal unterdrückt wurde, seinen verhassten Tyrannen lynchen? Die Antwort auf diese Frage muss natürlich "Nein" lauten. Auch Despoten, die selbst die Menschlichkeit mit Füßen treten, haben ein Anrecht auf menschenwürdige Behandlung. Richtig ist aber auch: Muammar Gaddafi und seine verbrecherische Clique beherrschten Libyen 42 Jahre. Seit zwei Generationen haben die Menschen in dem Land nichts anderes erlebt als ein System von Unterdrückung und Gewalt. Es herrschte das Recht des Stärkeren. Kann es verwundern, dass die Menschen ihren Unterdrücker, wenn sie ihn in die Hände bekommen, nach seinen eigenen "Regeln" behandeln? Trotzdem: Es bleibt ein ungutes Gefühl.

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