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Syrien: Diktatur der Mehrheit droht
Religiöse Minderheiten noch stärker gefährdet als in Ägypten

Binz (ots) - Auf einer Konferenz zur Zukunft religiöser Minderheiten im Nahen Osten sprach Dr. Mariz Tadros, ägyptische Wissenschaftlerin von der University of Sussex, über Demokratisierungsprozesse in Syrien und Ägypten. Beide Staaten steuerten auf eine Mehrheitsregierung zu, die religiöse und ethnische Minderheiten von der Teilnahme an politischen Entscheidungen ausschliesst.

In ihrem Vortrag "Von der Revolte hin zum religiösen Konflikt: Die Herausforderung, eine partizipatorische Demokratie in Ägypten und Syrien aufzubauen", zeigte sich Dr. Mariz Tadros vom Institut für Entwicklungsstudien der Universität Sussex besorgt über den Anstieg religiös motivierter Gewalt in Ägypten. Sie zeigte Parallelen zur Entwicklung in Syrien auf und zog daraus beunruhigende Schlüsse für die Zukunft des Landes nach dem Bürgerkrieg. Dr. Tadros sprach am 8. Juni im Rahmen der von CSI unterstützten Konferenz des St. Antony's College in Oxford zur "Zukunft religiöser Minderheiten im Nahen Osten, in Nordafrika, im Sudan und Südsudan".

Ägypten: Religiöse Gewalt sogar in bisher kaum betroffenen Gebieten

Religiöse Spannungen gab es in der Region schon lange. Seit dem Sturz des Mubarak-Regimes jedoch konnte Dr. Tadros - gestützt auf qualitative und quantitative Forschungsergebnisse - einen deutlichen Anstieg von neuen und gezielteren Formen religiöser Gewalt in ganz Ägypten nachweisen. "Selbst Gebiete in Ägypten, in denen bisher grosse soziale Harmonie herrschte, sind von dieser Entwicklung betroffen", sagte Dr. Tadros. Als Beispiel führte sie unter anderem die Gouvernements Ismailia, al-Wadi al-Dschadid und Assuan an, die seit 2011 Ausbrüche religiös motivierter Gewalt verzeichnen.

In Syrien droht noch schlimmere religiöse Gewalt als in Ägypten

Obwohl die Kopten an der Revolution in Ägypten teilnahmen, seien sie in der Folgezeit nicht von Racheakten verschont worden, da die Mehrheit der Kopten bei den Wahlen der Muslimbruderschaft ihre Unterstützung versagte. Für Syrien, wo sich die religiöse und ethnische Landschaft wesentlich vielfältiger gestalte als in Ägypten, befürchtet Dr. Tadros nun, dass nach zukünftigen Wahlen die Gewaltakte gegen jene, die nicht für islamistische Gruppen stimmen, deutlich drastischer und systematischer ausfallen werden, als es in Ägypten heute der Fall sei. "Die Wahlen im zukünftigen Nachkriegssyrien werden wohl auf eine Mehrheitsregierung hinauslaufen, die Minoritäten ausschliesst", so Dr. Tadros. Den Minderheiten des Landes drohe damit nicht nur, marginalisiert und diskriminiert, sondern auch Opfer von gezielten Vergeltungsakten zu werden. Als Verlierer wären sie umso verwundbarer: "In Situationen, in denen sich die Sicherheitslage zu verschlechtern droht, sind es immer die besonders Schutzbedürftigen, die zu den ersten Opfern zählen."

Herausforderung: inklusive Demokratien

Auch Formen des Islam, die sich nicht an der Mehrheitskonfession orientieren, wie zum Beispiel die Schiiten, wären in diesem Fall akut bedroht. Die Herausforderung liege darin, ein System inklusiver Demokratie zu etablieren. "Wenn wir uns auf die Versuche des Westens Demokratie zu fördern verlassen, wird Syrien im Chaos versinken", mahnte die Menschenrechtsexpertin.

Warnung vor einflussreichen Islamisten-Netzwerken

Zudem warnte Dr. Tadros vor der Etablierung eines dezidiert islamistischen Blocks im Nahen Osten, in dem Dschihadi- und Salafi-Netzwerke, bereits heute von der Muslimbruderschaft in Ägypten geduldet, einen grossen Einfluss auf Regierungen in der ganzen Region ausüben könnten.

Dr. Mariz Tadros untersucht partizipatorische Konzepte und Demokratisierungsprozesse im Nahen Osten und Nordafrika. Im November 2012 hielt sie einen Vortrag im Rahmen der CSI-Diskussionsreihe zur Zukunft der religiösen Minderheiten im Nahen Osten. www.middle-east-minorities.com

Tadros' Vortrag an der Konferenz in Oxford ist auf Youtube abrufbar: www.youtube.com/ChristSolidarInt

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