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Discours Suisse - Fremdsprachenunterricht in der Primarschule - Romandie zählt auf freundeidgenössischen Willen

Discours Suisse - Fremdsprachenunterricht in der Primarschule - Romandie zählt auf freundeidgenössischen Willen. Weiterer Text über ots. Die Verwendung dieser Grafik ist für redaktionelle Zwecke honorarfrei. Abdruck bitte unter Quellenangabe: "ogs/Discours Suisse".

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Von Theodora Peter, sda

    Lausanne (sda/ots) Dem Englisch-Trend in Deutschschweizer Schulen zum Trotz: Die Romandie will der Einstiegssprache Deutsch treu bleiben. Sollte aber das Französisch in der Deutschschweiz aus der Primarstufe verdrängt werden, ist der Sprachfrieden in Gefahr.

    Bei der Westschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz (CIIP) gibt man sich zuversichtlich: "Wir zählen auf den Willen der Deutschschweizer Kantone, den Französischunterricht an der Primarschule beizubehalten oder wieder einzuführen", erklärt CIIP-Generalsekretär Christian Berger.

    Zur Erinnerung: laut Fahrplan der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) soll ab Schuljahr 2012/13 eine erste Fremdsprache ab der 3. Klasse und eine zweite ab der 5. Klasse unterrichtet werden. Im Klartext: Deutschschweizer Kantone, die dem Englisch den Vorzug geben, müssen noch in der Primarstufe mit Französisch einsetzen.

    Keine Machbarkeitsstudie

    Umgekehrt wollen die Westschweizer Kantone bereits im 3. Schuljahr mit dem Deutschunterricht einsetzen, bestätigt Berger. Grösser ist für die Romandie aber die Herausforderung, das heute meist ab der 7. Klasse unterrichtete Englisch in die 5. Klasse vorzuverlegen.

    Die CIIP hätte es vorgezogen, die Einführung einer 2. Fremdsprache in der Primarstufe zuerst in einer Machbarkeitsstudie zu prüfen. Mit dem EDK-Fahrplan wird dieser Schritt jedoch übersprungen.

    Misstrauen bleibt

    Die unschöne Tatsache, dass die EDK-Richtlinien in einigen Deutschschweizer Kantonen die Bevorzugung des Englisch als erste Fremdsprache zementieren, hat in der Romandie kaum mehr als ein Achselzucken ausgelöst. Das dürfte sich aber ändern, wenn einzelne Kantone sich nicht an den gutschweizerischen Kompromiss halten.

    Misstrauisch beäugt wird in der Westschweiz etwa das Zustandekommen der Initiative "Nur eine Fremdsprache in der Primarschule, diese dafür richtig" im Kanton Zürich. Das von Lehrkräften lancierte Volksbegehren will Französisch aus der Primarstufe verbannen, um nebst dem Früh-Englisch dem Deutsch-Unterricht mehr Gewicht zu verleihen.

    "Wir zahlen die Zeche dafür, dass in der Deutschschweiz immer mehr Dialekt gesprochen wird", sagte eine empörte Anruferin am Hörertelefon des Westschweizer Radios RSR. Viele Romands trauen den Beteuerungen des Zürcher Initiativkomitees nicht, dass das Französisch in der Oberstufe "richtig" nachgeholt werden soll.

    Keine Gegen-Bewegung

    Der Genfer Erziehungsdirektor Charles Beer warnte in Zusammenhang mit der Zürcher Initiative in einem Zeitungsinterview gar von einer "Balkanisierung" der Sprachenpolitik. Wird die Initiative angenommen, "würde dies völlig neue Voraussetzungen schaffen", bestätigt Michel Nicolet, der bei der CIIP mit der Umsetzung des EDK-Fahrplans betraut ist.

    Trotz des Unmuts in der Romandie gegenüber der "Deklassierung" des Französischen in der Deutschschweiz relativiert Nicolet aber den Einfluss der Zürcher Debatte auf die Westschweiz. "Ich nehme keine Bewegung wahr, die sich gegen Deutsch als erste Fremdsprache wenden würde."

    Für die Romands bleibt es unabdingbar, die Schriftsprache der Mehrheit zu erlernen. "Wenn die Westschweizer den Effort erbringen, Deutsch zu lernen, dann nicht zuletzt, um als Minderheit anerkannt zu werden", sagt Nicolet. Dies bestätigt auch Marie-Claire Tabin, Präsidentin der Lehrergewerkschaft SER (Syndicat des enseignants romands).

    Sprache als Kommunikationsmittel

    Tabin will weder am Deutsch als Einstiegssprache rütteln noch stellt sie die Einführung einer zweiten Fremdsprache in der Primarstufe in Frage. Die SER-Präsidentin plädiert aber für ein Umdenken bei der Art und Weise, wie Fremdsprachen vermittelt werden. Diese dürften in keinem Fall als Selektionsfächer dienen.

    Die Erwartungen vieler, "dass ihre Kinder die Volksschule als Bilingues oder sogar Trilingues verlassen", seien völlig falsch, betont Tabin. "Ziel muss sein, die Fremdsprachen als Mittel der Kommunikation einzusetzen." Im vielsprachigen Land Schweiz "sind wir dazu verurteilt, einander zu verstehen."

    Notiz: Die vorliegende Meldung erscheint im Rahmen der zweiten Ausgabe des Projektes Discours Suisse. Hinter diesem Projekt, das zur Verständigung zwischen den Sprachregionen beitragen will, stehen das Forum Helveticum, das Netzwerk Müllerhaus und die sda. Nähere Informationen sind im Internet unter www.discours-suisse.ch zu finden. Die Email-Adresse lautet info@discours-suisse.ch. Folgt Extra zu Verfassungsartikel zum Sprachunterricht.

ots Originaltext: Discours Suisse
Internet: www.newsaktuell.ch

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