Staatskanzlei Luzern

Grabung liefert neue Erkenntnisse zum römischen Gutshof "Chammere" bei Dagmersellen

Luzern (ots) - Das Institut für Archäologische Wissenschaften, Abteilung Archäologie der Römischen Provinzen, führt in Zusammenarbeit mit der Kantonsarchäologie Luzern Lehrgrabungen auf dem Areal des ehemaligen römischen Gutshofes "Chammeren" bei Dagmersellen durch. Die neuesten Befunde wurden am Mittwoch an einer Medienorientierung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bereits die Grabungskampagne 2011 hatte wichtige Erkenntnisse geliefert, es wurden aber auch neue Fragen aufgeworfen. Die Grabungsflächen wurden deshalb 2012 leicht vergrössert, um das Verständnis der angetroffenen Strukturen zu erleichtern. Die heutige Medienorientierung hatte folgende Informationen zum Inhalt:

Das Team hat sich für die Grabungskampagne 2012 zum Ziel gesetzt, die Baugeschichte des römischen Gutshofes besser nachzuvollziehen zu können. Darüber hinaus wird die von der Kantonsarchäologie Luzern gestellte Aufgabe, den Erhaltungszustand der Ruine im Verhältnis zur landwirtschaftlichen Nutzung zu beurteilen, weiter verfolgt. Bereits jetzt lässt sich sagen, dass der Gutshof mehrfach baulich stark verändert worden ist: In beiden Grabungsflächen kommen Mauern einer älteren Nutzungsphase zum Vorschein, die eine andere Raumaufteilung belegen. Im Bereich der 2011 entdeckten Rampe wird Fragen wie nach deren Verlauf, Funktion und Zeitstellung nachgegangen. Weiter gibt es neue Hinweise zur Zerstörung und Auflassung der Anlage. Die Lehrgrabung erfolgt in Kooperation mit der Kantonsarchäologie Luzern. Diese stellt die Infrastruktur zur Verfügung sowie einen Grabungstechniker in Ausbildung.

Gebäude brannte vermutlich ab

2011 waren zwei Grabungsflächen für die erste Kampagne ausgewählt worden. In beiden Grabungsflächen waren die Baustrukturen erstaunlich gut erhalten, dies obwohl sie sich nur 20 bis 30 Zentimeter unter der Erdoberoberfläche befinden. Es konnten Mauern und Wände mit zum Teil noch erhaltenen Verputz- und Wandmalereifragmenten freigelegt und dokumentiert werden. In einer der beiden Flächen konnte ein mehrräumiges, mit Mörtelböden ausgestattetes Gebäude erfasst werden. Eine Rampe bildete den Zugang zu diesem Gebäude. Der Bau, oder zumindest ein Teil davon, muss um 200 n. Chr. abgebrannt sein.

Als besonders interessant erwies sich die Beobachtung, dass an einigen Stellen unter den erwähnten Mörtelböden ein zweiter, älterer Mörtelboden zum Vorschein kam.

Wichtiger Bestandteil der universitären Lehre

Für die Studierenden der Universität Bern ist die Lehrgrabung eine Gelegenheit, sich mit der archäologischen Praxis auseinanderzusetzen. Auf der einen Seite können diejenigen, welche am Anfang ihres Studiums stehen, einen Einstieg in die Feldarbeit finden und erste Erfahrungen sammeln. Auf der anderen Seite lernen die fortgeschrittenen Studentinnen und Studenten auf der Ausgrabung Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen über das weitere Vorgehen zu fällen.

Tag der offenen Grabung

Am kommenden Samstag, 11. August 2012 findet von 11.00 bis 16.00 Uhr ein Tag der offenen Grabung statt. Weitere Informationen und Bildmaterial zur Grabung finden Sie auf www.da.lu.ch .

Kontakt:

Andrew Lawrence
Archäologe, Assistent Archäologie der Römischen Provinzen Uni Bern
Tel.: +41/78/788'19'79
E-Mail: andrew.lawrence@sfu.unibe.ch

Jürg Manser
Leiter Denkmalpflege und Archäologie/Kantonsarchäologe
Tel.: +41/41/228'53'07
E-Mail: juerg.manser@lu.ch



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