Bundesamt f. Umwelt, Wald und Landschaft

BUWAL - Studien als Beitrag zum Dialog mit der Wirtschaft Wirtschaftliche Dimensionen der Umweltpolitik

    Bern (ots) - Bern, 12. August 2005

    Wirtschaftliches Gedeihen ist auf Dauer nur in einer intakten Umwelt möglich. Die Bewahrung natürlicher Ressourcen leistet einen wichtigen Beitrag zum Wohlstand. Dies geht aus den Forschungsarbeiten unabhängiger Expertenbüros hervor, die das Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL) zur Erfüllung eines parlamentarischen Vorstosses (Postulat Respini) in Auftrag gegeben hat. Das BUWAL will die Studienergebnisse in den laufenden Dialog über Umwelt und Wirtschaft einbringen und die Effizienz der Umweltpolitik weiter verbessern.

    Intakte natürliche Ressourcen bilden einen Grundpfeiler für die Wirtschaft unseres Landes. Indes: Der Schutz der Güter Luft, Wasser, Boden, Landschaft, Wald und Ruhe wird oft nur als Kostenfaktor wahrgenommen. Unabhängige Experten haben deshalb im Auftrag des BUWAL Fragen geklärt wie: Welche volkswirtschaftlichen Auswirkungen hat der Umweltschutz? Welche Rolle spielt das Wirtschaftswachstum für die Umwelt? Hat sich das Verursacherprinzip durchgesetzt? Begleitet wurden die Untersuchungen vom BUWAL sowie von Vertretern des seco, der economiesuisse, der Universität Genf und der Kantone (Schweizerische Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz BPUK).

    Umweltschutz hilft Kosten sparen Erarbeitet wurden sechs Studien mit Schwerpunkten wie Verursacherprinzip, Wettbewerbsfähigkeit und Finanzmärkte im Zusammenhang mit Umweltschutz. Die wichtigsten Erkenntnisse und Folgerungen sind in einem Synthesebericht des BUWAL zusammengefasst:

    • Umweltschutz-Anstrengungen verbessern die Lebensqualität und vermeiden Kosten: Zwischen 1970 und 2002 konnten zum Beispiel rund 16 Mrd. Franken Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung vermieden werden. • Die Wertschöpfung von Privaten und Unternehmen im Umweltschutz beträgt in der Schweiz jährlich 6,7 Milliarden Franken. Würde man das Geld statt in Umweltschutz anders investieren, wäre das Bruttoinlandprodukt nicht höher, die Beschäftigung aber um 13'000 Vollzeitstellen tiefer. Der Grund: Umweltschutz ist arbeitsintensiver als der Durchschnitt der übrigen Wirtschaftssektoren. • Die Umsetzung des Verursacherprinzips macht Fortschritte (Bsp. Abfall, Gewässerschutz). Dennoch werden noch immer jährlich 9,7 Milliarden Franken statt von den Verursachenden von der Allgemeinheit getragen; dies wirkt wie eine Subventionierung der Umweltbelastung. Die Experten empfehlen, die Marktkräfte verstärkt zu nutzen, etwa mittels handelbarer Zertifikate, Lenkungsabgaben oder verursachergerechter Gebühren für staatliche Leistungen. • Die Finanzmärkte bergen ein bislang noch zu wenig ausgeschöpftes Potenzial, um positiv Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Wirtschaft nehmen zu können. So können beispielsweise Pensionskassen ihrer Kundschaft umweltorientierte Vorsorgepläne resp. Anlage-Varianten anbieten und sich so als umweltbewusste Partner profilieren. • Ideal wäre es, wenn die Wirtschaft wachsen würde, ohne dass zugleich die Umweltbelastung zunähme. Eine solche Entkopplung hat bisher bei der Luftqualität durch die Reduktion wichtiger Schadstoffe oder bei der Wasserqualität durch den Bau von Kläranlagen stattgefunden, nicht aber zum Beispiel beim Energieverbrauch oder bei den Siedlungsflächen. Die Literatur zeigt klar, dass die Entkopplung nicht von selbst, sondern nur mittels einer aktiven Umweltpolitik zu erreichen ist.

    Die Forschungsergebnisse bestärken das BUWAL darin, weiterhin auf marktwirtschaftliche Instrumente und auf Zusammenarbeit mit der Wirtschaft zu setzen.

    Vertiefung des Dialogs Die Studien wurden aus einer gesamtwirtschaftlichen und langfristigen Optik heraus erstellt; aktuell politisch diskutierte Fragen wie z.B. Verbandsbeschwerderecht, Umweltverträglichkeitsprüfung oder Vollzug des Umweltrechts sind nicht Gegenstand des Berichts. Die Ergebnisse werden in den laufenden Dialog mit der Wirtschaft und anderen Interessierten einfliessen. Das BUWAL will diesen Dialog, der auch die erwähnten aktuellen Themen einbezieht, beispielsweise in Form von Tagungen intensivieren.

BUWAL  BUNDESAMT FÜR UMWELT, WALD UND LANDSCHAFT Pressedienst

Auskünfte • Bruno Oberle, Vizedirektor BUWAL, Tel. 031 322 24 94 • Andreas Hauser, Sektion Ökonomie und Klima BUWAL, Tel. 031 322 79 15

    Internet • Download der Studien: http://www.umwelt- schweiz.ch/wirtschaft • Bestellung: http://www.buwalshop.ch Ökonomische Grundsätze für die Umweltpolitik Die Umweltpolitik kann ihren Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leisten, indem sie • die natürlichen Lebensgrundlagen sichert und wichtige Ressourcen schont, • auf langfristigen Zielen und im Voraus absehbaren Massnahmen aufbaut, • die marktwirtschaftlichen Massnahmen verstärkt (also für Konsumenten und Unternehmen die richtigen Preissignale setzt, ihnen aber zugleich Freiräume in der Wahl ihrer Mittel lässt), • Innovationen in der Umwelttechnik und deren Verbreitung fördert und Umweltaspekte vermehrt in die Technologiepolitik einbringt, • den kantonalen Vollzug besser abstimmt, um Doppelspurigkeiten und Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Kantonen zu vermeiden, • internationale Abkommen anstrebt, insbesondere bei grenzüberschreitenden Umweltproblemen, und bei nationalen Umweltmassnahmen die internationalen Handelsabkommen beachtet, • auf den Finanzmärkten die Berücksichtigung ökologischer Aspekte fördert und hiermit dazu beiträgt, Risiken besser zu erkennen, Innovation auszulösen und gleichzeitig die Reputation der Finanzmarktakteure zu verbessern, • die Effizienz von Umweltmassnahmen systematischer überprüft und die Massnahmen – auch aus wirtschaftlicher Sicht – optimiert.



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