Fürstentum Liechtenstein

ikr: Vortrag "Trinkgelage bei den alten Griechen" im Liechtensteinischen Landesmuseum

Vaduz (ots/ikr) - Am Mittwoch, 8. Februar um 18.00 Uhr findet im Liechtensteinischen Landesmuseum der Vortrag "Trinkgelage bei den alten Griechen" mit Karl Reber, Universität Lausanne statt.

Was ist ein Symposion? Was geschieht während eines Symposions und welche Rolle spielt es in der Gesellschaftsstruktur des alten Griechen. Auf diese und andere Fragen versucht der Vortrag von Karl Reber, Archäologie-Professor an der Universität Lausanne und Direktor der schweizerischen archäologischen Schule in Griechenland, Antwort zu geben.

Das griechische Wort Symposion heisst wörtlich übersetzt gemeinsames Trinken. Solche Zusammenkünfte, insbesondere von Männern, bei denen gemeinsam getrunken und geredet wird, spielen in vielen Kulturen eine wichtige soziale Rolle. Die Bedeutung des Symposions bei den alten Griechen ergibt sich einerseits aus den schriftlichen Aufzeichnungen, etwa eines Platon oder eines Xenophon, welche die Diskurse des grossen Philosophen Sokrates im Rahmen dieser Trinkgelage situiert hatten, andererseits aus zahlreichen Darstellungen auf den zum Gelage benutzten Gefässen. Allerdings war das Symposion schon längst vor Platon und Xenophon eine wichtige Institution. In den frühen Zeiten Griechenlands blieb das Abhalten von Trinkgelagen der Aristokratie vorbehalten, welche dadurch die soziale Rangordnung in der Gesellschaft markierten.

Eine grundlegende Erneuerung erfuhr das Symposion um 500 v. Chr. Mit der Einführung der Demokratie in Athen war die Teilnahme am Symposion nun für alle Bürger möglich. In den Bürgerhäusern richtete man spezielle Speisesäle ein, in welchen die Männer auf Betten gelagert das Symposion feierten. Dabei wurde jeweils den Göttern geopfert, anschliessend Wein und Speisen gereicht. Der von den Gästen ausgewählte Symposiarch durfte das Verhältnis bestimmen, in welchem der Wein mit Wasser vermischt wurde. Junge Mundschenke füllten die Trinkschalen, war die Schale ausgetrunken, so schleuderte man den darin verbliebenen Satz mit gekonnter Bewegung in dem als Kottabos bezeichneten Spiel an ein Ziel an der Wand. Während des gemeinsamen Trinkens wurden die Gäste mit Musik, Tanz und akrobatischen Vorführungen unterhalten. Spätabends konnten sich dann auch noch Hetären zu den Symposiasten gesellen. Oft endete das Trinkgelage zu nächtlicher Stunde in ausgelassener Stimmung mit einem lauten Umzug durch die Stadt. Das Symposion war jedoch keineswegs nur ein geselliges Zusammensein, sondern spielte, wie die zum Teil tiefgründigen, manchmal auch humorvollen Gespräche über vorher festgelegte Themen zeigen, auch eine wichtige Rolle in der Meinungsbildung und erfüllte so auch die Funktion einer inoffiziellen, sozial-politischen Institution.

Karl Reber

Karl Reber studierte klassische Archäologie, Vorderorientalischen Archäologie und der Ur- und Frühgeschichte an den Universitäten Basel, Freiburg i. Brsg. und München. Er promovierte und habilitierte an der Universität Basel. Von 1985-1992 war er wissenschaftlicher Sekretär der schweizerischen archäologischen Schule in Griechenland, anschliessend Assistent, Assistenzprofessor und Titularprofessor an der Universität Basel. Seit 2005 ist er ordentlicher Professor für Klassische Archäologie an der Universität Lausanne und seit 2007 auch Direktor der schweizerischen archäologischen Schule in Griechenland.

Kontakt:

Liechtensteinisches Landesmuseum
T +423 239 68 26
www.landesmuseum.li


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