Fürstentum Liechtenstein

pafl: Aktuelle Studie "Rechtsextremismus in Liechtenstein" liegt vor

Vaduz (ots) - Vaduz, 2. November (pafl) - In den letzten Jahren ist es auch in Liechtenstein verschiedentlich zu Gewaltvorfällen gekommen, in die Angehörige der rechten Szene involviert waren. Die Vorfälle am Monsterkonzert 2004 in Schaan oder die Auseinandersetzungen am Oktoberfest 2008 in Mauren sind in schlechter Erinnerung geblieben. Darüber hinaus war in den letzten Jahren die Tendenz eines Erstarkens der Szene festzustellen, das sich in einem selbstbewussteren Auftreten von Szenenangehörigen in der Öffentlichkeit (z.B. Feste, Jahrmärkte usw.) äusserte. Die Regierung hat entsprechend reagiert und die Gewaltschutzkommission beauftragt, einen Massnahmenkatalog gegen rechte Gewalt zu erarbeiten. "Eine Monopolisierung des öffentlichen Raums durch die rechte Szene kann und darf nicht toleriert werden. Sowohl die Zivilgesellschaft als auch die Regierung sind gefordert, gegen ideologisch motivierte Gewalt von rechts offensiv vorzugehen", betont der zuständige Regierungsrat Hugo Quaderer. Beleuchtung des Phänomens "Rechtsextremismus" Die Anregung des UN-Ausschusses zur Verhinderung von Rassendiskriminierung (CERD), sich mit den Hintergründe des Rechtsextremismus in Liechtenstein zu befassen, und der Wunsch nach konkreten Handlungskonzepten gegen rechts veranlasste die Regierung, eine Studie mit dem Titel "Rechtsextremismus in Liechtenstein" in Auftrag zu geben. Ziel der soziologischen Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz war es, das soziale Phänomen "Rechtsextremismus" im liechtensteinischen Kontext zu beleuchten und die Motive und Beweggründe von rechts orientierten jungen Menschen zu eruieren. Die Studie wurde in den Jahren 2008/09 durch das Forscherteam Professor Matthias Drilling und Myriam Eser Davolio von der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel durchgeführt und von der Gewaltschutzkommission fachlich begleitet. Beruflich und sozial meist gut integriert In einem Methoden-Mix führte das Forscherteam zur Datenerhebung Interviews mit Fachpersonen und Angehörigen der rechten Szene durch. Im Sinne einer Kontextstudie untersuchten die Experten zwei Liechtensteiner Gemeinden. Als wesentliche Motive rechtsextremistischer Haltungen konnten ein starkes "Heimatgefühl", verbunden mit der Angst, die nationale Identität durch Einwanderung und Überfremdung zu verlieren, festgestellt werden. "Die Mitglieder der rechten Szene sind im Unterschied zum Ausland beruflich und sozial meist gut integriert und haben nicht zwingend konkrete Erfahrungen sozialer Benachteiligung gemacht", so Kripo-Chef Jules Hoch, der Vorsitzende der Gewaltschutzkommission. Empfehlungen und konkrete Massnahmen Die Verfasser der Studie schlagen nunmehr aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse konkrete Massnahmen vor. "Präventionsangebote sowie Aussteigehilfen sollen unabhängig vom Anlass und mit Einbezug der Eltern institutionalisiert angeboten werden. Die Experten von der Fachhochschule Nordwestschweiz schlagen unter anderem auch vor, die ämterübergreifende und interinstitutionelle Zusammenarbeit zu verstärken. Damit können Personen in der Verwaltung, Fachpersonen wie auch die ganze Zivilgesellschaft stärker für die Problematik sensibilisiert werden. Zudem wird die Melde- und Anzeigebereitschaft im Allgemeinen entsprechend erhöht", erläutert Jules Hoch. "Massnahmenkatalog" folgt Die Regierung hat die Gewaltschutzkommission beauftragt, die Empfehlungen des Forscherteams hinsichtlich ihrer Umsetzbarkeit in Liechtenstein zu evaluieren. Bis Ende März 2010 soll die Gewaltschutzkommission der Regierung einen auf der Studie basierenden geeigneten "Massnahmenkatalog" unterbreiten. Die Studie "Rechtsextremismus in Liechtenstein" steht unter folgenden Internet-Adressen zum Herunterladen zur Verfügung: - www.liechtenstein.li - www.respect-bitte.li - www.landespolizei.li - www.llv.li (Ressort Inneres) Kontakt: Landespolizei Jules Hoch, Leiter Abteilung Kriminalpolizei T +423 236 78 70

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