Bundesamt für Statistik

Lohnindex 2001: Löhne wieder auf Wachstumskurs: Anstieg der Nominallöhne um 2,5% und der Reallöhne um 1,5%

    Neuenburg (ots) - Gemäss Berechnungen des Bundesamtes für Statistik (BFS) stieg der Nominallohnindex im Jahr 2001 um durchschnittlich 2,5% gegenüber dem Vorjahr und erreichte 109,6 Punkte (1993 = 100). Die Nominallöhne profitierten 2001 von der günstigen Wirtschaftslage in der Schweiz Ende 2000. Angesichts der schwachen Inflationsrate 2001 machte der Reallohnindex mit einem Plus von 1,5% (101,8 Punkte) den grössten Sprung nach oben seit 1991.

    Nominallöhne profitieren von der günstigen Konjunkturlage

    2001 legten die Brutto-Nominallöhne durchschnittlich um 2,5% zu. Seit 1994 war die jährliche Wachstumsrate der Nominallöhne nicht mehr über +1,5% hinausgekommen.

    Die Löhne profitierten im Berichtsjahr vom deutlichen Konjunkturaufschwung im Jahr 2000 und den positiven Wachstumsprognosen für das Jahr 2001.

    Entwicklung der Nominallöhne nach Wirtschaftssektoren und -branchen

    Mit einem Plus von 2,7% verzeichnete der sekundäre Sektor ein kräftigeres Nominallohnwachstum als der tertiäre (+2,3%) und der primäre Sektor (+1,7%).

    Dank gesteigerter Exporte und einer klaren Verstärkung der Binnennachfrage verlief das Wachstum im Jahr 2000 im sekundären Sektor positiv. Dies eröffnete gute Perspektiven für 2001. Das günstige wirtschaftliche Klima färbte insgesamt auch auf die Löhne ab. Die grössten Nominallohnsteigerungen ergaben sich 2001 in der Herstellung elektrischer und elektronischer Geräte (+3,6%) sowie in der chemischen Industrie (+3,0%). Mit den geringsten Zunahmen mussten sich die Herstellung von Möbeln (+1,8%), die Be- und Verarbeitung von Holz (+1,8%) sowie die Textilindustrie (+1,1%) zufrieden geben.

    Trotz einer ausgeprägten Dynamik der Finanzdienstleistungsunternehmen liegt der tertiäre Sektor mit einer Nominallohnsteigerung von 2,3% etwas hinter der Gesamtlohnerhöhung aller Branchen (+2,5%) zurück. Klar überdurchschnittliche Lohnerhöhungen wurden im Versicherungsgewerbe (+3,6%), in den mit dem Kredit- und Versicherungsgewerbe verbundenen Tätigkeiten (+3,9%) sowie im Bankensektor (+4,2%) gemessen. Unter der 2%-Marke blieben die Lohnerhöhungen hingegen im Gastgewerbe (+1,8%), im Bereich Öffentliche Verwaltung, Landesverteidigung, Sozialversicherung (+1,5%), in der Erbringung von sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen (+1,3%) sowie in der Branche Landverkehr, Transport in Rohrfernleitungen (+0,8%). Die Lohnentwicklung im tertiären Sektor ist somit insbesondere auf Grund dessen Vielzahl an verschiedenen Wirtschaftsaktivitäten sehr unterschiedlich.

    Entwicklung der Nominallöhne von 1993-2001

    Zwischen 1993 und 2001wuchsen die Nominallöhne über die gesamte Wirtschaft hinweg gesehen um 9,6%. Während die meisten Branchen Steigerungen zwischen 8% und 11% notierten, schlugen andere deutlich über diesen Bereich hinaus. Zu nennen sind das Kreditgewerbe (+19%), die mit dem Kredit- und Versicherungsgewerbe verbundenen Tätigkeiten sowie das Versicherungsgewerbe (je +20%). Gerade diese Branchen bezahlen traditionellerweise auch die höchsten Löhne und weisen einen Medianlohn über 6000 Franken auf. Das Unterrichtswesen und die Branche Öffentliche Verwaltung, Landesverteidigung, Sozialversicherungen - auch sie können mit einem Medianlohn über 6000 Fr. aufwarten - verzeichneten hingegen mit +7,5% und +6,4% vergleichsweise geringe Nominallohnerhöhungen.

    Kaufkraft der Löhne (+1,5%): stärkste Steigerung seit 1991

    Die deutliche Erhöhung der Nominallöhne (+2,5%) führte zusammen mit der Kontrolle der Inflation (+1%) im Jahr 2001 zu einer markanten Verbesserung der Reallöhne. Inflationsbereinigt verstärkte sich die Kaufkraft des Bruttolohns zwischen 2000 und 2001 durchschnittlich um 1,5%. Dies ist die grösste Jahressteigerung seit 1991.

    Entwicklung der Kaufkraft der Löhne nach Wirtschaftssektor und -branche

    Zwischen 1993 und 2000 verlief das jährliche Wachstum der Reallöhne schwach aber stetig. Während all dieser Jahre bewegte sich die Kaufkraft der Löhne immer um die Nullgrenze. 2001 fand dieser Trend mit einer Jahreswachstumsrate von 1,5% ein jähes Ende.

    Bei genauerem Hinsehen zeigen sich in der Periode 1993 bis 2001 je nach Branche deutliche Unterschiede in der Reallohnentwicklung.

    In dieser Zeit schnitt der sekundäre Sektor mit einem Wachstum von
1,7% schlechter ab als die anderen beiden Wirtschaftssektoren. Die
Kaufkraft der Löhne verbesserte sich zaghaft in der
Nahrungsmittelindustrie (+0,7%) sowie in der Be- und Verarbeitung von
Holz (+1,1%). Sie gab hingegen in der Textilindustrie (-1,1%), in der
Papierindustrie (-0,3%) sowie im Maschinen- und Fahrzeugbau            
(-0,1%) nach. Demgegenüber verzeichneten die Herstellung von
elektrischen und elektronischen Geräten (+3,2%) sowie die chemische
Industrie (+5,2%) markante Lohnerhöhungen.

    Im tertiären Sektor betrug die Reallohnsteigerung in der Periode 1993 bis 2001 insgesamt 1,9%, womit sie etwas über dem schweizerischen Mittel von +1,8% lag. Ausgeprägte Lohnerhöhungen meldeten insbesondere die Banken  (+11%), die mit dem Kredit- und Versicherungsgewerbe verbundenen Tätigkeiten (+11%) sowie die Versicherungen (+12%). In derselben Zeit mussten hingegen andere Branchen des Dienstleistungssektors Reallohneinbussen hinnehmen. Zu nennen sind das Unterrichtswesen (-0,1%), die Öffentliche Verwaltung (-1,1%) sowie die Verkehrsbranche (-4,8%).

    Entwicklung der Kaufkraft der Löhne nach Arbeitnehmerkategorien

    Seit Ende der 60er-Jahre profitieren die Frauen von einer höheren Reallohnwachstumsrate als die Männer. Während sich in der Periode 1993 bis 2001 die Kaufkraft der Löhne der Frauen um 3,1% verbesserte, legte jene der Männer lediglich um 1,4% zu.  Ungleiche Lohnwachstumsraten für Frauen und Männer finden sich auch bei Einbezug des Qualifikationsniveaus der Arbeitnehmenden: Während qualifizierte Frauen ein Plus von 3,4% verzeichneten, gab es für die qualifizierten Männer lediglich 1,5% mehr. Diese unterschiedliche Entwicklung dürfte langfristig zu einem Abbau der Lohnungleichheiten zwischen Mann und Frau beitragen. Der Weg zur Gleichstellung der Geschlechter ist jedoch noch lang, verdienten die Frauen doch laut Lohnstrukturerhebung 2000 im Durchschnitt ein Fünftel weniger als ihre männlichen Kollegen.

ots Originaltext: BFS
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Sektion Löhne und Arbeitsbedingungen
Didier Froidevaux
Tel. +41/32/713'67'56

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des
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