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Santa-Marta-Konferenz: Hoffnung auf den Fossilausstieg – und für die Ozeane?

17.04.2026 – 10:11  OceanCare    [newsroom]

Santa-Marta-Konferenz: Hoffnung auf den Fossilausstieg – und für die Ozeane?

PRESSEMITTEILUNG – 17.04.2026

  • Erste Konferenz mit Fokus auf Umsetzung: Vertreterinnen und Vertreter aus rund 80 Ländern treffen sich in Santa Marta, Kolumbien, um konkrete Schritte für den Ausstieg aus fossilen Energien voranzubringen
  • Vom Versprechen zur Handlung: Eine „Koalition der Willigen“ will angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise handeln, ohne auf globalen Konsens zu warten
  • 16 Jahre nach der Deepwater-Horizon-Katastrophe: Die Ausweitung fossiler Aktivitäten in den Meeren steigert die Risiken für Meeresökosysteme und ihre Fauna, wie den stark bedrohten Rice-Brydewal im Golf von Mexiko
  • Klimahotspot Mittelmeer: Während fossile Aktivitäten fortgesetzt werden, stehen marine Ökosysteme in der Mittelmeerregion bereits massiv unter Druck

16 Jahre nach der Deepwater-Horizon-Katastrophe am 20. April 2010 treiben die USA die Förderung fossiler Energien im Golf von Mexiko erneut voran – mit potenziell gravierenden Folgen für die Meeresfauna wie den stark bedrohten Rice-Brydewal.

Gleichzeitig keimt in Kolumbien zarte Hoffnung: Am 28. und 29. April kommen in Santa Marta Vertreterinnen und Vertreter aus rund 80 Staaten zusammen, um im Rahmen einer „Koalition der Willigen“ konkrete Schritte für den Ausstieg aus fossilen Energien voranzubringen.

Doch während die Konferenz einen Wendepunkt markieren könnte, besteht in Klimahotspots wie dem Mittelmeer bereits heute konkreter Handlungsbedarf.

Das Treffen in Santa Marta steht für einen neuen Ansatz in der internationalen Klimapolitik: Statt neuer Verhandlungen liegt der Fokus auf der Umsetzung bestehender Verpflichtungen. Dahinter steht die wachsende Erkenntnis, dass es nicht an politischen Vereinbarungen mangelt, sondern an deren konsequenter Umsetzung.

Aus Sicht von OceanCare macht dieser Moment auch eines deutlich: Klimaschutz und Meeresschutz sind untrennbar – und beide erfordern jetzt die konsequente Umsetzung eines Ausstiegs aus fossilen Energien.

Warum die Ozeane unter Druck stehen

Offshore-Aktivitäten im Zusammenhang mit fossilen Energien treiben sowohl den Klimawandel als auch direkte Schäden an Meeresökosystemen voran. Gleichzeitig sind sie eine wesentliche Quelle von Unterwasserlärm.

Bei seismischen Untersuchungen zur Suche nach neuen Öl- und Gasvorkommen werden Dutzende Schallkanonen gleichzeitig eingesetzt – sie erzeugen den am lautesten vom Menschen verursachten Lärm im Ozean. Die Schallimpulse erreichen bis zu 260 Dezibel und werden über Wochen oder Monate hinweg alle zehn bis 15 Sekunden Richtung Meeresboden durch die gesamte Wassersäule abgegeben.

Für Wale und Delfine, die auf Schall für Kommunikation, Orientierung und Nahrungssuche angewiesen sind, hat dies gravierende Folgen: Verhaltensstörungen, Vertreibung aus Lebensräumen und langfristigen Stress.

Dem Mittelmeer läuft die Zeit davon

Für OceanCare zeigt sich die Dringlichkeit besonders im Mittelmeer – einer Region, die sich schneller erwärmt als viele andere Meeresgebiete weltweit.

Trotzdem werden die Suche nach Öl- und Gasvorkommen und deren Förderung in Teilen der Region weiterhin vorangetrieben – teilweise sogar in oder nahe Meeresschutzgebieten. Das erhöht den Druck auf ohnehin gefährdete Arten wie Wale und Delfine zusätzlich. Besonders impulsiver Unterwasserlärm wirkt sich dabei nicht nur auf Meeressäuger aus, sondern auf nahezu alle Meereslebewesen, einschließlich Fische und wirbellose Tiere.

Einige Länder zeigen jedoch, dass ein anderer Weg möglich ist: Portugal, Frankreich und Spanien haben neue Genehmigungen für Öl- und Gasexploration in ihren Gewässern vollständig oder teilweise gestoppt. Sie beweisen damit, dass regionales Handeln möglich und wirksam ist.

OceanCare fordert daher:

  • Den Stopp von neuen fossilen Offshore-Aktivitäten: Keine neuen Lizenzen für die Suche nach Öl- und Gasvorkommen sowie ein klarer Fahrplan für den Ausstieg aus der bestehenden Förderung
  • Ein Verbot seismischer Untersuchungen zur Suche nach Öl und Gas, da diese zu den intensivsten Quellen von Unterwasserlärm zählen
  • Das Unterbinden von Plastikverschmutzung an der Quelle: Verbindliche Regeln zur Begrenzung und schrittweisen Reduktion der Produktion von neuem Plastik auf nachhaltige Mengen
  • Die Stärkung regionaler Maßnahmen: Bereits bestehende Abkommen sollen – insbesondere in sensiblen Regionen wie dem Mittelmeer – konsequent umgesetzt werden

Nicolas Entrup, Leiter Internationale Zusammenarbeit bei OceanCare, fordert daher:

„Die Ozeane zahlen den Preis für unsere anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energien – durch Klimaveränderungen, Unterwasserlärm und das Risiko verheerender Ölunfälle. Wir wissen längst, was zu tun ist. Es fehlt nicht an Wissen oder wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern am politischen Willen. Die Konferenz in Santa Marta muss den nötigen Impuls geben, um den Ausstieg aus fossilen Energien voranzutreiben, die Energiewende zu beschleunigen und den Schutz der Meere endlich zur Priorität zu machen.

Von fossiler Förderung bis zur Plastikverschmutzung: Menschliche Aktivitäten bringen marine Ökosysteme an ihre Grenzen. Wer die Ozeane schützen will, muss diese Ursachen endlich an der Wurzel angehen – statt nur ihre Folgen zu verwalten.“

Carlos Bravo Villa, Ocean Policy Specialist bei OceanCare, kommentiert:

„Seit Jahrzehnten ist klar, dass wir aus fossilen Energien aussteigen müssen – und dennoch wird weiter nach neuen Vorkommen gesucht. Dieser Widerspruch ist nicht länger haltbar. Wir können nicht vorgeben, die Ozeane zu schützen, während wir gleichzeitig im Meeresboden nach Öl und Gas suchen.

Was es jetzt braucht, sind konkrete Schritte: keine neue Offshore-Suche nach Öl- und Gasvorkommen, ein klarer Zeitplan für den Ausstieg aus bestehender Förderung und starke regionale Umsetzungspläne. Gerade das Mittelmeer kann nicht auf globalen Konsens warten. In einer der sich am schnellsten erwärmenden Meeresregionen der Welt setzen seismische Untersuchungen und fossile Aktivitäten Wale und andere Meereslebewesen bereits massiv unter Druck – selbst in Schutzgebieten.

Die Konferenz in Santa Marta könnte ein wichtiges globales Signal senden: doch bereits jetzt müssen wir auf regionaler Ebene handeln.“

Pressekontakt

Anton Mattmüller, Pressesprecher OceanCare

amattmueller@oceancare.org, +43 681 10619366

Über OceanCare

OceanCare setzt sich seit 1989 weltweit für die Meerestiere und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. OceanCare ist vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt und ist offizielle Partnerorganisation in zahlreichen UN-Abkommen und internationalen Konventionen. OceanCare engagiert sich zudem in internationalen zivilgesellschaftlichen Bündnissen wie der High Seas Alliance, Seas at Risk, oder der #BreakFreeFromPlastic-Koalition.

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OceanCare
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www.oceancare.org