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Jugendkriminalität: Überwiegend Vermögens- und Betäubungsmittelstraftaten

28.02.2002 – 09:38 

Neuenburg (ots) -

Im Jahre 2000 gab es insgesamt 11'314
Verurteilungen von Minderjährigen durch Jugendanwaltschaften,
Gerichte oder Schulpflegen, wovon ein Viertel Kinder (7- bis
14-Jährige) betreffen. Strafrechtlich geahndete Kinder- und
Jugenddelinquenz umfasst mit 37% am häufigsten Betäubungsmittelkonsum
und am zweithäufigsten Diebstahl (32%). Nach Ausschluss der
Verurteilungen wegen Strassenverkehrsdelikte, für die Minderjährige
im Vergleich zu Erwachsenen kaum in Betracht kommen (11% im Vergleich
mit 54%), ist der Anteil der Gewaltdelikte mit 11% gering höher als
bei den Erwachsenen (9%). Dies geht aus der neuen Erhebung zur
Jugendstrafurteilsstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS)
hervor.
Als Sanktionen werden in über 60% der Fälle Verweise oder
Arbeitsleistungen verhängt. Dagegen kommen die für Erwachsene
üblichen freiheitsentziehenden Strafen (hier Einschliessungen) und
Bussen bei nur einem Viertel der Strafurteile vor.
Bezogen auf alle strafmündigen Minderjährigen der Wohnbevölkerung
wurden im Jahr 2000 1,1% verurteilt. Dabei weisen die männlichen
Minderjährigen eine vier mal grössere Verurteiltenrate auf als die
weiblichen (1,9% bzw. 0,5%) und ausländische Minderjährige eine
doppelt so grosse als Schweizer (1,8% bzw. 0,9%).
Unterschiedlich viele Verurteilte pro Kanton
Neben Unterschieden in den Lebensbedingungen von Minderjährigen
mit oder ohne Schweizer Staatsangehörigkeit dürften zum Teil auch
kantonal unterschiedliche Reaktionsweisen auf problematisches
Verhalten von Kindern und Jugendlichen zu unterschiedlich grossen
Verurteiltenraten von ausländischen und Schweizer Minderjährigen
beitragen. So reicht der Anteil der Verurteilten insgesamt von 0,5%
(UR) bis zu 1,8% (BS). Werden gesamthaft doppelt so viele
ausländische als Schweizer Minderjährige verurteilt, weisen einige
Kantone eine zweieinhalb- bis dreieinhalbfach so hohe Rate der
ausländischen Minderjährigen auf (Luzern, Freiburg, St. Gallen,
Thurgau, Schwyz, Appenzell I.Rh. und Zug). In anderen Kantonen gibt
es hingegen nur geringe Unterschiede (Tessin, Jura, Genf, Nidwalden,
Obwalden, Glarus und Appenzell A.Rh).
Gewaltstraftaten
11% der registrierten strafrechtlichen Entscheide gegenüber
Minderjährigen (ohne Strassenverkehrsdelikte) wurden im Jahr 2000
wegen Gewaltdelikten gefällt. Von diesen 1160 Verurteilungen
betreffen 88% männliche Minderjährige. Häufiger als bei Erwachsenen
handelt es sich dabei um einfache Körperverletzung (254) und
Tätlichkeiten (504) - überwiegend innerhalb der Gruppe Gleichaltriger
- , Raub (189) und Erpressung(89) und relativ seltener um
Freiheitsberaubung (11) sowie Drohung und Nötigung (259); ein
Tötungsdelikt kam im Jahr 2000 nicht vor.
Im Zusammenhang mit Jugendkriminalität wird zuweilen eine
zunehmende Gewaltbereitschaft" konstatiert. Zur statistischen
Überprüfung dieser Annahme fehlen derzeit jedoch zuverlässige Daten
sowohl aus Täter- und Opferbefragungen als auch aus
Kriminalstatistiken. Die frühere, mit der derzeitigen Erhebung nicht
direkt vergleichbare Jugendstrafurteilsstatistik zeigt zwischen 1988
und 1998 eine Verdreifachung der Anzahl der Verurteilungen wegen
Leib- und Lebensdelikten von 269 auf 860. Allerdings lässt sich nicht
klar entscheiden, wie weit dieser Anstieg auf eine tatsächliche
Zunahme von Gewaltanwendung Jugendlicher zurückzuführen ist.
Möglicherweise spielt auch eine erhöhte Sensibilität der Gesellschaft
gegenüber Gewalt bzw. eine veränderte Reaktionsweise der Behörden
eine Rolle. Im Übrigen darf nicht vergessen werden, dass
Minderjährige häufiger Opfer als Täter sind - vor allem im familiären
Bereich mit seinem erheblichen Dunkelfeld.

Kontakt:

Renate Storz
BFS, Sektion Rechtspflege
Tel. +41/32/713'61'85

Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage des BFS
http://www.statistik.admin.ch