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Neue Grenzen trennen Europa

18.01.2003 – 18:00 

Zürich (ots) -

Europa steht kurz vor der Osterweiterung. Doch es
werden dadurch nicht nur Grenzen aufgehoben, sondern auch neue
geschaffen. An einer Tagung in Bern diskutierten VertreterInnen aus
verschiedenen Ländern Osteuropas über neue Trennungslinien durch
Europa und über die Suche nach einer gemeinsamen Identität.
Organisiert wurde die Veranstaltung von HEKS, dem Hilfswerk der
Evangelischen Kirchen Schweiz, dem Schweizerischen Evangelischen
Kirchenbund SEK und G2W, Glaube in der Zweiten Welt.
"Wir müssen den Beitritt zur EU überleben", zitiert der Theologe
Sandor Fazakas einen ungarischen Politiker. Noch sei es nicht lange
her, da habe sich Ungarn nach einem grenzenlosen Europa gesehnt.
Jetzt öffnet sich das Land politisch dem Westen, doch der
Integrationsprozess schafft gleichzeitig neue Grenzen im Süden und
Osten. Ein in Jahrhunderten gewachsener Lebens- und Kulturraum wird
dadurch auseinander gerissen. Fazakas erklärte in seinem Referat,
mögliche Folgen dieser Entwicklung seien die Entfremdung des
Menschen, soziales und geistliches Elend sowie die Marginalisierung
und Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen.
Auch Martin Hauser, der den UNESCO-Lehrstuhl für das Studium
interkultureller und interreligiöser Beziehungen an der Universität
Bukarest inne hat, zeigte in seinem Referat die Schwierigkeiten auf,
die durch die neuen Grenzen geschaffen werden. Für Hauser kann nur
ein gegenseitiges Verständnis zwischen den Ethnien und Kulturen die
Probleme in Europa lösen. Doch um dieses Verständnis zu erreichen,
sei eine soziale Gesellschaft nötig: "Nur einer humaneren
Gesellschaft als ganzes wird es möglich sein, die sozialen, aber auch
die ideologischen, ethnischen, kulturellen und religiösen Gegensätze
nicht nur auszugleichen, sondern diese auf Kooperation hin
weiterzuentwickeln."
In verschiedenen Workshops erfuhren die 200 Teilnehmenden des
Osteuropa-Tages Konkretes zur Situation in einzelnen Ländern. So
zeigte beispielsweise der Bosnier Emir Dzidic die Situation der
Muslime in seinem Land auf und ging auf die Frage ein, welchen Platz
Muslime in Europa heute einnehmen. Elena Timofticiuc berichtete über
den Frauenhandel in Rumänien, Irena Dono aus Tirana über
Armutsbekämpfung und Integrationshilfe in Albanien. "Auch wenn es
immer weniger Grenzen gibt, innerhalb Europas werden Menschen immer
noch ausgegrenzt", so das Fazit von Franz Schüle, Zentralsekretär von
HEKS.

Kontakt:

Petra Ivanov
HEKS Kommunikation
Tel. +41/78/880'48'13
Internet: http://www.heks.ch
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