Medienmitteilung

Lungenliga Schweiz: Ozon reizt die Atemwege

2007-08-06T12:20:00

Bern (ots) -

Man kennt es: Im Sommer warnen die Wetterdienste im
Radio und Fernsehen regelmässig vor hohen Ozonwerten. Hohe Ozonwerte
entstehen bei Luftverschmutzung gepaart mit intensiver
Sonneneinstrahlung und können die Atemwege empfindlicher Menschen
schädigen. Das belegt auch die Schweizer Studie zum Thema
Luftverschmutzung und Atemwegserkrankungen - SAPALDIA (siehe
Infokasten).
Ozon (O3) ist ein Gas, besteht aus drei Sauerstoffatomen und kommt
natürlicherweise in hohen Luftschichten vor, wo es uns vor
ultravioletter Strahlung schützt. Ozon findet sich auch in den tiefen
Luftschichten in Bodennähe, normalerweise aber nur in geringer,
unschädlicher Konzentration.
Das Problem der Ozonbelastung entsteht, wenn Sauerstoff (O2),
Stickoxide (NOx) und intensive Sonneneinstrahlung zusammentreffen.
Der Sauerstoff ist bereits in der Luft vorhanden und die Stickoxide
werden vor allem durch den motorisierten Verkehr geliefert.
Vereinfacht dargestellt spaltet das Sonnenlicht von den Stickoxiden
ein Sauerstoffatom ab, welches sich dann mit dem Sauerstoff in der
Luft (O2) zu Ozon (O3) verbindet.
Grenzwerte und Belastung
Die Schweizerische Luftreinhalteverordnung toleriert einmal
jährlich für maximal eine Stunde einen Ozonwert von über 120
Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (120 _g/m3). Ozonwerte über 120 _g/m3
können die Atemwege empfindlicher Menschen reizen. Je höher der
Ozonwert steigt, desto stärker ist auch der negative Effekt auf die
Atemwege.
Der Grenzwert für Ozon wird sehr häufig überschritten. Dabei
übersteigt die Ozonkonzentration in ländlichen Gegenden den Grenzwert
öfter, als in Städten und Agglomerationen. Das liegt daran, dass
gewisse Luftschadstoffe in den Städten das Ozon in der Nacht wieder
abbauen. Auf dem Land fehlen diese Stoffe weitgehend und das Ozon
bleibt in der Luft erhalten.
Kurzfristige Wirkungen von Ozon auf die Lungenfunktion
Im Rahmen der SAPALDIA-Studie untersuchte man die Lungenfunktion
von 3'912 Nichtrauchern aus verschiedenen Gegenden der Schweiz. Die
Lungenfunktion verglich man mit dem Grad der Luftverschmutzung, die
am selben Tag gemessen wurde. Neben der Ozonbelastung berücksichtigte
man auch die Konzentration von Stickoxiden (NO2) und von Feinstaub.
Die Resultate der Studie zeigten, dass sich bei einer Erhöhung der
Ozonwerte um 10 _g/m3 die Lungenfunktion um bis zu einem Prozent
verschlechterte. Ähnliche Werte erhielt man für die Luftschadstoffe
NO2 und Feinstaub. Da die Bildung von Ozon neben Sonneneinstrahlung
auch Stickoxide benötigt, wirkt Ozon wahrscheinlich nicht alleine auf
die Atemwege. Es ist vielmehr die Kombination der verschiedenen
Luftschadstoffe, welche zur Abnahme der Lungenfunktion führt.
Welche langfristigen Folgen hat Ozon?
Die langfristigen Folgen hoher Ozonkonzentrationen konnte SAPALDIA
bisher nicht eindeutig belegen. Da man nur im Freien hohen
Ozonkonzentrationen ausgesetzt ist, lässt sich eine Langzeitwirkung
von Ozon auf Menschen nur schwer beweisen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) untersuchte im Jahr 2004 den
Zusammenhang zwischen Ozon und Spitaleinweisungen. Die Resultate
belegten Folgendes: Je höher der durchschnittliche Ozonwert tagsüber
war, desto mehr Menschen mussten wegen Atemwegsbeschwerden ins Spital
eingewiesen werden. Im ähnlichen Rahmen nahmen auch die Sterbefälle
in den untersuchten Spitälern zu.
Infokasten SAPALDIA
Was ist SAPALDIA?
SAPALDIA ist die Abkürzung für "Swiss Study on Air Pollution And
Lung Diseases In Adults". SAPALDIA ist eine Langzeitstudie, in deren
Rahmen Lungenspezialisten, Epidemiologen, Allergologen, Meteorologen
und Fachleute für Lufthygiene zusammenarbeiten. Das Ziel der Studie
ist die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Luftschadstoffen und
Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Schweiz während
einer längeren Zeit. Bisher gab es weltweit nur wenige
Langzeitstudien dieser Art. In den letzten 10 Jahren sind zu SAPALDIA
zahlreiche Artikel in medizinischen Fachzeitschriften erschienen.
SAPALDIA 1
Der erste Teil der Langzeitstudie (SAPALDIA 1) startete 1991 an
acht Orten der Schweiz. Insgesamt nahmen über 9'000 Menschen im Alter
zwischen 18 und 60 Jahren aus diesen Orten an der Studie teil.
SAPALDIA 2
Im Jahr 2001 setzten die Forscher die Studie mit SAPALDIA 2 fort.
Im Zentrum des Interesses stehen nun die Entwicklung der Luftqualität
und deren Einfluss auf die Gesundheit derjenigen Menschen, die
bereits bei SAPALDIA 1 mitmachten.
Das neue Faktenblatt Ozon und weitere Informationen unter:
www.luft.lungenliga.ch

Kontakt:

Lungenliga Schweiz
Herr Cornelis Kooijman
Südbahnhofstrasse 14c
3000 Bern 14
Tel.: +41/31/378'20'50

Permalink:


https://www.presseportal.ch/de/pm/100000839/100540929


Weiterführende Informationen

http://www.lungenliga.ch

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