Medienmitteilung
Migration ein Beitrag zur Entwicklung?
2006-11-30T16:30:08
Bern (ots) - Migration als Schrittmacher für Entwicklung und als
Instrument zur Reduktion von Armut: Diesem von der UNO lancierten
und international stark diskutierten Thema widmete sich die
diesjährige Fachtagung des Schweizerischen Roten Kreuzes
(SRK) Migration ein Beitrag zur Entwicklung? vom 30. November in
Bern. An der Tagung nahmen 160 Vertreterinnen und Vertreter aus
Wissenschaft, von Behörden, Hilfswerken und aus der Praxis teil. Im Kampf gegen Armut und Perspektivlosigkeit wollen viele
Migrantinnen und Migranten nicht nur ihre eigene Situation, sondern
auch jene ihrer Familien im Herkunftsland verbessern. Hierin
bestehen gewisse Parallelen zu den Zielen staatlicher und nicht-
staatlicher Akteure im Bereich Entwicklungshilfe und -politik.
Das SRK strebt eine engere projektbezogene Kooperation seiner
Departemente Internationale Zusammenarbeit und Migration im Bereich
der Informationsvermittlung und Reintegrationshilfe für Migrantinnen
und Migranten an. Jean-François Giovannini, Mitglied des
Rotkreuzrats, betonte an der Tagung, dass dem SRK als Anwalt der
verletzlichsten Mitglieder der Gesellschaft darüber hinaus daran
gelegen sei, grundlegende ethische und humanitäre Fragen zur
Diskussion zu stellen. Dabei gehe es vor allem um die Perspektive
der Betroffenen selber. Walter Fust, Direktor der DEZA, unterstrich, dass es heute keine
rein nationale Interessenpolitik mehr geben könne. Die Schweiz müsse
immer auch die Lösung globaler und regionaler Probleme mitdenken.
Nötig sei deshalb die Kohärenz von Entwicklungs-, Handels-,
Rüstungsexport- und Steuerpolitik (leztere im Zusammenhang mit der
Korruptionsbekämpfung). Bezüglich der irregulären Migration monierte
Fust, dass die kurzfristige Sicht mit den Zielsetzungen
langfristiger Politik in Übereinstimmung gebracht werden müsse.
Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbands, wies
darauf hin, dass schweizerische Unternehmen im Ausland 1,7 Mio
Arbeitnehmende beschäftigen. Die Schweizer Wirtschaft leiste damit
einen grossen Beitrag zur Verhinderung armutsbedingter Migration.
Umgekehrt habe die Ausbildung, die Migranten in der Schweiz
erhalten, einen positiven Effekt für die Herkunftsländer. Der neue Trend, Migration als Entwicklungspotenzial zu begreifen,
sei mit erheblicher Vorsicht zu geniessen, sagte Martina Backes vom
informationszentrum 3. welt in Freiburg (BRD. Bis jetzt sei
Migration primär unter einem ökonomischen Blickwinkel wahrgenommen
worden: Migranten hätten möglichst billig, flexibel, fügsam zu
sein. Sie monierte blinde Flecken in der gegenwärtig geführten
Debatte: Wie kann zum Beispiel verhindert werden, dass Migranten
zum billigen Ersatzmodell anstelle sozialstaatlicher
Sicherungssysteme werden und zugleich der Industrie als
kostengünstiger Produktionsfaktor dienen?
Nina Allen von der Global Commission on International Migration
(UNO) hob die Verletzlichkeit von Migrantinnen hervor, die oft
in unsichtbaren Bereichen der Wirtschaft arbeiteten. Sie wünschte
sich mehr Forschung zur Frage, inwieweit die zunehmende
Feminisierung der Migration immer mehr Frauen verlassen ihr
Herkunftsland unabhängig von Männern zur Befreiung der Frauen
beiträgt und Vorteile für die Entwicklung in ihrem Land bringt. In der Podiumsdiskussion wurde u.a. die Frage diskutiert, welche
Vorteile bzw. Nachteile die Möglichkeit zu temporärer Migration
böte. Alfred Fritschi (DEZA) betonte die Notwendigkeit eines
migrationspolitischen Dialogs zwischen Empfänger- und
Herkunftsländern, um den Interessen beider Seiten Rechnung zu
tragen. Und Kanyana Mutombo von der Zeitschrift Jeune Afrique
forderte nichts mehr und nichts weniger als Respekt für die
Migrantinnen und Migranten: Migration ist menschlich.
In Workshops wurde unter anderem die Frage der Bedeutung der von
Migranten in die Herkunftsländer überwiesenen Geldbeträge und die
Rolle von Migrantinnennetzwerken für Integration und Reintegration
diskutiert. Weitere Informationen: Heinz Heer, Leiter Kommunikation, Departement Migration SRK, Tel.
079 689 69 00 Dieser Text kann über Internet abgerufen werden: www.redcross.ch
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100002289/100520791
|
|