Medienmitteilung
Zweiter Europäischer Baustellentest: Schweizer Baustellen im guten
Mittelfeld
2006-09-26T10:00:00
Bern (ots) - Zwecks besserer Sichtbarkeit schlägt der TCS die Verwendung
reflektierender Markierungen sowie eine bessere Beleuchtung bei Nacht vor Das aus 15 Automobil- und Tourismus-Organisationen, darunter auch
dem TCS bestehende Eurotest-Konsortium untersuchte im Rahmen des 2.
Europäischen Baustellentests insgesamt 53 Autobahn-Baustellen in 10
europäischen Ländern. In der Schweiz wurden die Langzeitbaustellen,
Vevey-Semsales (A12, 12 km Länge), Basel-Augst (A2/A3, 12 km Länge),
Kriegstetten-Oensingen (A1, 19 km Länge) und Erstfeld-Amsteg (A2, 10
km Länge) getestet. Insgesamt schnitten die schweizerischen
Baustellen «gut» ab. Die Baustelle Kriegstetten-Oensingen wurde mit
«ausreichend» bewertet. Der TCS und seine europäischen Partnerclubs haben in 10 europäischen
Ländern 53 Autobahn-Baustellen unter dem Gesichtspunkt der
Verkehrssicherheit unter die Lupe genommen. Diese sind in der Tat
notorische Unfallquellen. So bekunden Automobilisten oftmals
Schwierigkeiten mit der Orientierung, besonderes nachts oder bei
schlechtem Wetter. Dies ist oft auf eine unzureichende Beleuchtung,
das Fehlen reflektierender Markierungen bzw. eine mangelnde optische
Verkehrsführung zurückzuführen. Dazu kommen enge Fahrspuren und die
Spurreduktion, welche den Verkehrsfluss hemmen und das Risiko von
Zusammenstössen erhöhen. Wie wurde getestet?
Mit der Durchführung des Tests wurde das Institut für Verkehrsanlagen der
Technischen Universität Dresden beauftragt. Die Baustellen wurden in der
Zeit vom 3. April bis zum 5. Juli 2006 in beiden Fahrtrichtungen jeweils
mindestens zwei Mal bei Tag und ein Mal bei Nacht mit einem mit
modernsten Messinstrumenten ausgerüsteten Fahrzeug befahren. Per
Touchscreen wurden während der Fahrt beispielsweise Standorte von
Schildern oder die Lage von Ein- und Ausfahrten markiert. Die Daten
wurden gesammelt, per Video sowohl digital als auch analog dokumentiert
und anschließend im Labor ausgewertet. Testsieger war Grossbritannien,
Schlusslicht Italien. Positiv ins Gewicht fielen insgesamt die
Kategorien Beschilderung/Markierung und Fahrbahn. Schwachpunkt war
die Orientierung im Baustellenbereich in der Dunkelheit. Der
Verzicht auf reflekierende Fahrbahnmarkierungen und nicht entfernte
Originalmarkierungen erschweren das Befahren der Autobahnbaustellen
nachts, in der Dämmerung oder bei Regen. Schweiz im Mittelfeld
Drei der getesteten schweizerischen Baustellen
schnitten mit der Schlussnote «gut» ab, die Baustelle
Kriegstetten-Oensingen wurde mit «ausreichend» bewertet. Positiv
vermerkt wurde, dass drei der vier getesteten schweizerischen
Baustellen Pannenbuchten mit Notrufsäulen aufwiesen und die
Baustellen Tag und Nacht überwacht wurden, so dass Mängel an der
Baustellenabsicherung rund um die Uhr innerhalb einer Stunde behoben
werden konnten. Kein gutes Zeugnis konnte den getesteten Baustellen
betreffend Orientierung bei Nacht ausgestellt werden. So bemängelten
die Tester das Fehlen von Blinklichtern zur Vorwarnung, die nicht
eindeutige Markierung sowie die nicht vorhandenen Beleuchtung von
Verschwenkungsbereichen oder Ein- und Ausfahrten. Fazit
Die im zweiten europäischen Baustellentest festgestellten
Mängel sind im Interesse der Verkehrssicherheit für zukünftige
Baustellen zu beheben. Der TCS verlangt, dass die verantwortlichen
Behörden insbesondere dem Kriterium Orientierung bei Nacht mehr
Beachtung schenken. Die verwendeten orangen Bodenmarkierungen sind
in der Tat schlecht sichtbar. Mit verhältnismässig geringen
Mehrkosten (+ 15 %) kann im ganzen Baustellenbereich ein bei Regen
besser sichtbares Markierungsband die Verkehrssicherheit erhöhen.
Besser wäre die Verwendung gelber, reflektierender Markierungen, wie
dies in Grossbritannien, Italien, Finnland, den Niederlanden,
Frankreich, Norwegen, Österreich, Spanien und Deutschland der Fall
ist. Die Clubzeitung «Touring» wird in der Ausgabe 16 vom 28. September
2006 einen umfassenden Bericht über den europäischen Baustellentest
veröffentlichen Bilder zum Baustellentest können beim Mediendienst, Frau Dorit
Djelid (ddjelid@tcs.ch) bezogen werden. Videoaufnahmen zu den
Expertisen sind auf Anfrage bei Thierry Pucci (022 417 28 46) im
Format Beta oder VHS erhältlich. Zusätzliche Informationen zum
aktuellen Baustellentest können unter www.strada.tcs.ch bezogen
werden. Medienkontakt:
Stephan Müller, Mediensprecher, 031 380 11 44
Thierry Pucci, Dr. Ing. ETH Projektleiter Strassengestaltung und -verkehr,
022 417 28 46 Hintergrundinfo zur Testmethodik Methodische Basis für den Baustellentest ist die Studie «ARROWS»
(Advanced Research on Road Work Zone Safety Standards in Europe) der
Europäischen Kommission, das bislang einzige Grundlagenwerk zu
diesem Thema in Europa. Hieraus entstand ein Handbuch mit
Empfehlungen für europaweit einheitliche Sicherheitsstandards für
den Betrieb von Baustellen. Dieses bildete die Grundlage für die
Erarbeitung eines Kriterienkatalogs, auf Grund dessen die
Verkehrsingenieure des TCS und der Partnerclubs eine umfangreiche
Checkliste mit mehr als 80 Testkriterien erarbeiteten. Diese enthält
die wichtigsten sicherheitstechnischen Belange, aber auch Fragen zum
Aufbau und zur Sicherheit einer Baustelle. Bei der ersten Durchfahrt
wurde die Baustelle in die Bestandteile Annäherungs- und
Baustellenbereich, Reduzierung und Verschwenkung der Fahrspuren,
Ein- und Ausfahrten, sowie Baustellenende zerlegt. Nach jeder
Messung wurde vor Ort ein digitaler Fragebogen ausgefüllt. Die fünf Schwerpunkthemen des Tests Beschilderung/Markierung
- Vorhandensein und richtige Platzierung aller relevanten Hinweisschilder,
Verständlichkeit,
Erkennbarkeit und Zustand der Hinweise im Vorfeld, im Verlaufe und am
Ende der Baustelle,
- Qualität und Klarheit der Fahrbahnmarkierung Verkehrsführung
- Breite der Fahrspuren
- Reduzierung der Fahrspuren
- Verschwenkung der Fahrspuren, Verlauf und Rückverschwenkung
- Ein- und Ausfahrten innerhalb der Baustelle
- Zu- und Abfahrten für Baustellenfahrzeuge
- Sicherheitsrelevante Einrichtungen wie zum Beispiel Pannenbuchten Fahrbahn
- Zustand
- Sauberkeit Orientierung bei Nacht
- Erkennbarkeit der Beschilderung und Markierung
- Ausstattung der Schutzeinrichtungen mit Reflektoren
- Beleuchtung des Reduzierungs- und/ oder Verschwenkungsbereichs
sowie der Ein- und Ausfahrten Information
- Hinweise auf Anlass, Dauer und Gesamtlänge der Baustelle
- Mehrmalige Hinweise auf Restlänge in der Baustelle Die Baustellen wurden mittels eines Punktesystems bewertet, mit den
Noten «sehr gut», «gut», «ausreichend», «mangelhaft» und «sehr
mangelhaft». Tipps: So kommen Sie sicher durch die Baustelle - Informieren Sie sich vor Reisebeginn über Baustellen auf Ihrer
Route. So werden Sie unterwegs nicht überrascht und können
baustellenbedingte Staus umfahren.
- Halten Sie Tempolimits und Verbote immer strikt ein.
- Vergrößern Sie den Abstand zum Vordermann, und fahren Sie
besonders vorausschauend. Vor allem bei einspurigen
Verkehrsführungen haben Sie keine Möglichkeit auszuweichen, wenn der
Vordermann plötzlich bremst. Der häufigste Unfall in der Baustelle
ist der Auffahrunfall.
- Bleiben Sie auf der rechten Spur, wenn Sie unsicher sind. Die ist
meist breiter als die linke, und Sie kommen dem Gegenverkehr nicht
so nahe.
- Überholen Sie nur, wenn Sie sich der Situation gewachsen fühlen,
dann aber zügig. Nicht vergessen: Die linke Fahrspur ist oft
schmäler als die rechte.
- Konzentrieren Sie sich auf Ihre Fahrspur, und beobachten Sie nicht
längere Zeit die Umgebung. Denn: Wo man hinsieht, zieht es einen
hin.
- Rechnen Sie mit unvorhersehbaren Situationen, vor allem im
Verschwenkungsbereich. In Italien zum Beispiel ist er oft extrem
kurz und steil.
- Berücksichtigen Sie, dass ein LW oder ein Gespann am Beginn der
Verschwenkung mehr Platz braucht.
- Denken Sie bei der Reduzierung der Fahrspuren an das
Reissverschlusssystem: Bis zur Verengung auf dem bisherigen
Fahrstreifen bleiben, in den Spiegel schauen, blinken und sich wie
ein Reissverschluss im Wechsel einfädeln.
- Falls Sie eine Panne haben, schalten Sie die Warnblinkanlage
sofort ein, und versuchen Sie, das Fahrzeug ausserhalb der
Fahrspuren, zum Beispiel zwischen zwei Baken, abzustellen, wenn
keine Pannenbuchten vorhanden oder erreichbar sind. Verlassen Sie
samt Ihren Mitfahrern das Fahrzeug auf der dem Verkehr abgewandten
Seite, und suchen Sie einen sicheren Platz auf. Wegen des hohen
Risikos sollten Sie nicht versuchen, das Auto zu einer entfernten
Pannenbucht zu schieben. Falls Sie eine Reifenpanne haben, fahren
Sie vorsichtig bis zum Ende der Baustelle weiter, und steuern Sie
dann eine Pannenbucht an.
- Besondere Vorsicht ist geboten, wenn sich Strassenarbeiter direkt
auf der Fahrbahn oder im unmittelbaren Umfeld aufhalten.
- Vorsicht auch bei Nachtbauarbeiten. Besonders kritisch ist hier
der Übergang von der beleuchteten Arbeitsstelle in die dunkle
Autobahn.
Hinweis: eine Bildauswahl ist abrufbar unter:
http://www.presseportal.ch/de/story.htx?firmaid=100000091
Druckbare Bilder müssen bei ddjelid@tcs.ch bestellt werden !
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100000091/100516541
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