Medienmitteilung
economiesuisse - Tag der Wirtschaft: Standort Schweiz im globalen
Wettbewerb
Jahresversammlung des Wirtschaftsdachverbands
2005-09-02T11:00:00
Zürich (ots) - Im Zentrum des diesjährigen Tages der Wirtschaft
stand der Standort Schweiz im globalen Wettbewerb. Der Präsident des
Wirtschaftsdachverbands rief Politik und Wirtschaft auf,
Handlungsspielräume zu öffnen, welche Wachstum möglich machten. Auch
kleine Länder wie die Schweiz hätten in einer globalen Wirtschaft
genügend Freiheiten, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Doch
diese müssten konsequent genutzt werden. In seinem Gastreferat wies
der Präsident des ABB-Verwaltungsrats, Jürgen Dormann, eindringlich
darauf hin, dass nicht allein die Schweiz gefordert sei, sondern
sämtliche westlichen Industrieländer. Der globale Wettbewerb liesse
keinen Stillstand zu und würde den Westen zu höherer Leistung
zwingen. Noch gehe es um den Wettbewerb der Produktionsstandorte,
doch in wenigen Jahren werde auch der Wettbewerb der Forschungs-
standorte in vollem Gange sein. Schwieriger Anpassungs- und Reformprozess
Trotz wieder etwas aufgehellteren Konjunkturaussichten und dank
einem etwas freundlicheren aussenwirtschaftlichen Umfeld gebe es
eine erhebliche Verunsicherung von Verbrauchern und Investoren,
meinte der Präsident von economiesuisse, Ueli Forster. Grund dafür
sei der teilweise schmerzhafte Anpassungsprozess der schweizerischen
Volkswirtschaft an die neuen ökonomischen Realitäten. Die
Gestaltungsräume der nationalen Wirtschaftspolitik hätten sich
verändert. Die Globalisierung zeige schonungslos auf, dass die
Politik nur das verteilen könne, was am Markt erwirtschaftet werde.
Daher müsse die Einsicht wachsen, dass politische Macht gegen
weltwirtschaftliche Veränderungen wenig ausrichten könne. Forster
sprach sich dafür aus, den Anpassungs- und Reformprozess in der
Schweiz unbedingt fortzusetzen: Durch Strukturwandel sei bisher noch
keine Volkswirtschaft zugrunde gegangen, wohl aber durch Zuwarten
und Verharren. Ja zur Personenfreizügigkeit und klares Bekenntnis zu
Freihandelsabkommen
Insbesondere in der Aussen- und Wirtschaftspolitik bestehe grosser
Handlungsbedarf, gab der economiesuisse-Präsident zu bedenken. Von
zentralem Interesse für die Schweiz sei die Ausdehnung der
Personenfreizügigkeit auf die zehn neuen EU-Mitgliedsländer. Nachdem
die Bevölkerung im Mai 2000 mit Zweidrittelmehr der
Personenfreizügigkeit zugestimmt habe, gehe es am 25. September 2005
nicht mehr ums Prinzip, sondern bloss um die zusätzliche Verschär-
fung der Schutzbestimmungen zu Gunsten unserer Arbeitnehmer. Das
Abkommen sei praktisch massgeschneidert für unser Land. Wer nun
dagegen Sturm laufe, verleugne den erfolgreichen bilateralen Weg der
Schweiz. Forster machte klar, dass die bilateralen Abkommen aus
Sicht der Unternehmen einen wichtigen Standortvorteil darstellen und
zu den unverzichtbaren Rahmen-bedingungen unseres Landes gehören.
Der Wirtschaftsdachverband setze sich daher mit aller Kraft für
diese Abstimmung ein. Forster appellierte an die Stimmbürgerinnen
und Stimmbürger, ein überzeugtes Ja an der Urne einzulegen. Der Präsident von economiesuisse forderte die Erweiterung von
Freihandelsabkommen mit wichtigen Ländern. Mit der neuen
strategischen Ausrichtung der Aussenwirtschaftspolitik trage der
Bundesrat den Veränderungen im weltweiten Handelssystem Rechnung. Es
sei wichtig neben der Förderung von Fortschritten in der WTO ,
auch neue intensive Beziehungen mit den wichtigsten
Wirtschaftspartnern in Übersee (USA), Japan, China, Indien und
Brasilien anzustreben. Wirtschaftspolitische Herausforderungen: kein Grund zum Zurücklehnen
In den letzten Jahren seien zwar einige Reformen wie das
Wettbewerbsrecht, die Liberalisierung der Telekom, die Revision des
Binnenmarktes und die bilateralen Abkommen I in Gang gekommen,
meinte Forster anerkennend. Dennoch bestehe für die Schweiz kein
Grund zum Zurücklehnen. Die Schweiz schneide im internationalen
Standort-Ranking bei wichtigen Kennziffern noch gut ab, aber bei
diesen Vergleichen würden verschiedene Probleme einfach weggeblendet
wie der Schuldenberg der öffentlichen Hand, die Milliardenlöcher bei
den staatlichen Pensionskassen und die enormen Kosten im
Gesundheitswesen. Im Vergleich mit dem neuen Europa, den
Transformationsländern, werde deutlich, unterstrich Ueli Forster,
dass nur mit klaren Visionen und konsistenten Programmen
voranzukommen sei. Nicht die Politik der kleinen Schritte, sondern
mutige Entscheide und Reformen seien jetzt gefragt. Dies gelte
insbesondere für die - Sanierung der Staatsfinanzen
- Erhaltung eines international wettbewerbsfähigen Steuersystems
- Ausgestaltung eines zukunftsfähigen Gesundheits- und
Bildungssystems
- Sanierung der Sozialwerke Dazu brauche es eine stringente Ordnungspolitik. economiesuisse
sei sich bewusst, meinte Ueli Forster, dass nicht alles so laufe,
wie das die Wirtschaft möchte, aber er stelle fest, dass sich die
Schweiz bewege wenn auch langsam. Reparaturarbeiten am bestehenden System genügen nicht mehr
In seinem Gastreferat wies Jürgen Dormann, Präsident des
Verwaltungsrats der ABB, darauf hin, dass die Schweiz klar zu den
Gewinnern der freien internationalen Märkte gehöre und nach wie vor
in vielen Kategorien Bestnoten erreiche. Doch der Standort Schweiz
sei nicht konkurrenzlos, denn der globale Wettbewerb stelle für den
gesamten Westen eine grosse Herausforderung dar. Wer heute
stillstehe, der falle zurück. Die immer wieder geäusserten Klagen
über die Zukunft der Schweiz seien deshalb nicht unberechtigt.
Symptome wie akute Wachstumsschwäche oder Arbeitsplatzverluste
stellten aber kein schweizerisches, sondern ein europäisches Problem
dar. Dazu komme das abnehmende Wachstumspotenzial aus demografischen
Gründen. Zu den Wachstumsproblemen gehöre fatalerweise auch die
Investitionsmüdigkeit. Stattdessen hätten die Auslandinvestitionen
rasant zugenommen (Nettokapitalabfluss von 260 Milliarden Dollar).
Die Mittel seien nach Asien und Lateinamerika geflossen. Vor diesem
Hintergrund genügten Rezepte wie Zurückführen der Staatsquote,
Stärkung der Eigenverantwortung, Senkung der Gesamtbelastung von
Bürgern und Unternehmen sowie der Abbau von Protektionismus und
Subventionen nicht mehr. Angesichts der immensen Herausforderungen,
die vom Weltmarkt auf uns zukämen, gab Jürgen Dormann zu bedenken,
reichten Reparaturarbeiten am bestehenden System nicht mehr aus. Am
Beispiel China machte er deutlich, wie Politik, Staat und Wirtschaft
dieses riesigen Landes alles daran setzten, eine strategisch
herausragende Po-sition im Weltmarkt zu erreichen. Wenn es bisher im
Globalisierungswettstreit primär um die Produktionsstandorte
gegangen sei, so spüre man immer deutlicher den Wettbewerb um die
Entwicklungsstandorte, und es werde nicht lange dauern, werde auch
der Wettbewerb um die Forschungsstandorte in vollem Gang sein. Damit
stehe die letzte Domäne Westeuropas in zehn Jahren zur Disposition,
räsonierte Jürgen Dormann. Schweizer Standards besser nutzen
Jürgen Dormann plädierte dafür, die eigenen Stärken viel besser zu
nutzen. Die Schweiz verfüge über eine einzigartige wirtschaftliche
Infrastruktur. Die Verbindung von innovativen, weltweit
erfolgreichen Grosskonzernen mit dem Netzwerk vieler
spezialisierter, hochkompetenter Klein- und Mittelunternehmen
ergebe eine reiche Mischung von Möglichkeiten, Erfahrungen und
Kön-nen, was sich in feingegliederten Wertschöpfungs- und
Lieferbeziehungen zeige. Dazu kämen die Vorteile einer
hervorragenden Infrastruktur wie Bildung, Verkehr, Kommunikation,
Verwaltung sowie politische und soziale Stabilität. Diese Standards,
die in andern Regionen der Erde bei weitem nicht erreicht seien,
befähigten die Schweiz, im Bereich der technologisch anspruchsvollen
Produktionen und Dienstleistungen massgeschneiderte Lösungen
anzubieten, rasch zu reagieren und ein verlässlicher
Geschäftspartner zu sein. Diese charakteristische Stärke der Schweiz
gelte es weiter auszubauen. Zusammenspiel Wirtschaft Wissenschaft fördern
Im Bildungs- und Forschungsbereich sollten Wissenschaft und
Wirtschaft noch besser aufeinander abgestimmt sein. Jürgen Dormann
plädierte für eine stärkere Fokussierung wissenschaftlicher Arbeiten
auf Projekte, die zu wirtschaftlich wettbewerbsfähigen Innovationen
führten. Dazu brauche es eine engere Zusammenarbeit zwischen
Institutionen, Hochschulen und Wirtschaft bereits ab der
Projektierung unter Einbezug kleiner und mittlerer Unternehmen.
Schliesslich bedürfe es vermehrt der Etablierung von public private
partnerships, vielfältigeren Formen der Zusammenarbeit und der
gemeinsamen Finanzierung von Forschungsprojekten. Das ABB-
Forschungszentrum Dättwil sei ein gutes Beispiel, wie dieses
Zusammenspiel im Alltag erfolgreich funktioniere. Glaubwürdige Wirtschaftsführer gefragt
Abschliessend äusserte sich Jürgen Dormann zum Bild, das Unternehmer
und Manager in der Öffentlichkeit abgeben. Es sei mitentscheidend,
wie viel Vertrauen die Gesellschaft gegenüber der Wirtschaft habe.
Bei der Krisenbewältigung der ABB lasse sich ablesen, wie mit
symbolischen Akten Veränderung des Führungsstils, Offenheit und
intensive Kommunikation Vertrauen und wirtschaftlicher Erfolg
zurückgewonnen werden könnten. Wo immer Vertrauensver-lust in die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Schweiz oder in die Leitung
eines Unternehmens auftauchten, sollte mit Führung und Kommunikation
wirksam entgegengetreten werden, schloss Jürgen Dormann. Zürich, 2. September 2005 Rückfragen:
Fredy Müller, economiesuisse, 079 352 61 59
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100002808/100495621
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