Medienmitteilung
Das schweizerische Bildungssystem im europäischen Vergleich
2005-08-10T09:15:00
(ots) - Das schweizerische Bildungssystem im europäischen Vergleich Die Schweiz ist gut klassiert, steht aber nicht auf dem Podest Bei den Schlüsselthemen rund um Bildung und Ausbildung hält die
Schweiz einem Vergleich mit der Europäischen Union gut stand, gehört
aber nicht zu den Klassenbesten. Sie kann sich zwar rühmen, zu den
Ländern mit dem geringsten Anteil Jugendlicher, die vorzeitig die
Schule oder Ausbildung abbrechen, zu gehören, bildet aber das
Schlusslicht in Sachen Frauenanteil in naturwissenschaftlichen und
technischen Studiengängen auf der Tertiärstufe. Dies ist das
Ergebnis einer aktuellen Studie des Bundesamts für Statistik, in der
das schweizerische Bildungssystem anhand ausgewählter Indikatoren im
europäischen Kontext positioniert wird. Im März 2000 hat die
Europäische Union (EU) die Lissabon-Strategie verabschiedet, die
darauf abzielt, die Qualität und die Leistung der Bildungssysteme
ihrer Mitglieder zu verbessern. Zu diesem Zweck hat sie mehrere
Teilziele definiert, darunter fünf Durchschnittsbezugswerte
(Benchmarks), die bis ins Jahr 2010 erreicht werden sollen. Die
Fortschritte werden anhand von regelmässig publizierten Indikatoren
gemessen. Veröffentlicht werden jeweils Werte für alle
EU-Mitgliedstaaten, Mitglieder des Europäischen Wirtschaftsraums
(EWR) sowie für Japan und die Vereinigten Staaten. Das BFS stellt
seinerseits eine Studie vor, die die Schweiz in der neuen
europäischen Landschaft positioniert. Wenig vorzeitige Schulabgänge
in der Schweiz Der Kampf gegen schulischen Misserfolg ist in der EU
ein vorrangiges Ziel. Junge Menschen, die vorzeitig aus einer Schule
der Sekundarstufe II, einer Berufslehre oder irgendeiner anderen
Form der der nachobligatorischen Bildung aussteigen, stellen eine
Risikogruppe dar. Die Zeit, die sie die Schulbank gedrückt haben,
kann sich als ungenügend herausstellen, um sie mit dem notwendigen
Wissen und Können für den Erfolg in einer Wissensgesellschaft
auszurüsten. Im Jahr 2004 verfügten fast 15,9 Prozent der jungen
Europäer/innen zwischen 18 und 24 Jahren über keine
nachobligatorische (Aus)bildung und nahmen an keinen
Bildungsaktivitäten teil. Diese jungen Menschen laufen Gefahr, an
den Rand der Wissensgesellschaft gedrängt zu werden. Um ihre Zahl
bis 2010 auf die von der EU festgelegten 10 Prozent
hinunterzubringen, sind grosse Anstrengungen erforderlich. In der
Schweiz ist die Lage in dieser Hinsicht weit erfreulicher: Mit
lediglich 8,1 Prozent vorzeitiger Schulabgänger hat sie den
europäischen Zielwert bereits übertroffen und ist nahe an den drei
europäischen Klassenbesten Polen (5,7%), Republik Tschechien (6,1%)
und Slowakei (7,1%). Immer noch 17 Prozent erwerben die
Schlüsselkompetenzen im Lesen nicht Jugendliche, die die
traditionellen Grundkompetenzen Lesen, Mathematik und
Naturwissenschaften nur schlecht und recht oder gar nicht
beherrschen, werden aller Wahrscheinlichkeit nach Schwierigkeiten
haben, sich weiterzubilden, sich im Erwerbsleben zu integrieren und
sich grundsätzlich in der Wissensgesellschaft zu entfalten. Sie sind
deshalb die Sorgenkinder der Europäischen Union, die sich zum Ziel
gesetzt hat, ihren Anteil bis ins Jahr 2010 auf 15,5 Prozent zu
senken. Kein leichtes Unterfangen für die EU: Noch im Jahr 2003
erreichten 19,8 Prozent der Jugendlichen nicht einmal das unterste
Niveau der geforderten Lesekompetenzen. Mit 16,7 Prozent liegt der
Schweizer Vergleichswert unter dem EU-Durchschnitt und ist der
europäischen Benchmark dicht auf den Fersen, aber die Schweiz muss
sich noch sehr sputen, um den Anschluss an das Spitzentrio zu
finden: Finnland (5,7%), Irland (11,0%) und die Niederlande (11,5%).
Gute Noten für die Schweiz im nachobligatorischen Bereich
(Sekundarstufe II) Der Abschluss einer Ausbildung auf der
Sekundarstufe II ist von entscheidender Bedeutung, nicht nur für
einen erfolgreichen Eintritt in den Arbeitsmarkt, sondern auch im
Hinblick auf den Zugang zu Bildung und Ausbildung auf der
Tertiärstufe. 2004 lag der Anteil junger Erwachsener zwischen 20 und
24 Jahren mit einer abgeschlossenen Ausbildung auf der Sekundarstufe
II in der EU bei 76,4 Prozent - weit entfernt von den 85 Prozent,
die sie sich bis 2010 zum Ziel gesetzt hat. Die Schweiz schneidet
mit 83 Prozent sicher besser ab als die EU, aber die Tatsache, dass
dieser Prozentsatz seit 1996 unverändert geblieben ist, lässt kaum
erwarten, dass sie die europäische Benchmark noch vor Ende dieses
Jahrzehnts überflügeln wird. Zudem: Auch wenn sie im Vergleich mit
den unmittelbaren Nachbarländern gut dasteht wenn sie mit den drei
europäischen Musterschülern Slowakei (91,3%), Republik Tschechien
(90,9%) und Slowenien (89,7%) gleichziehen will, muss die Schweiz
sich noch mehr anstrengen. Zu wenige Frauen in den
naturwissenschaftlichen und technischen Bildungsgängen Im Jahr 2001
unterstrich die Europäische Union die Notwendigkeit, die
Jugendlichen zur Aufnahme eines naturwissenschaftlichen oder
technischen Studiums zu ermutigen. Neben dem Ziel, die Gesamtzahl
der erteilten Diplome bis 2010 um 15 Prozent für alle Mitgliedländer
der EU zu erhöhen, misst die EU der Verringerung des
Ungleichgewichtes zwischen männlichen und weiblichen Diplomierten
ebenfalls grosse Bedeutung bei. In der Schweiz ist dieses
Ungleichgewicht besonders gross: Mit weniger als 15 Prozent
diplomierten Frauen in den naturwissenschaftlichen und technischen
Bildungsgängen landet die Schweiz knapp auf dem vorletzten Rang,
gerade noch vor Japan. Die Frauenquote ist somit in der Schweiz
gerade halb so hoch wie im Europa der 25 (knapp über 30%). Hohe
Beteiligung der Erwachsenen am lebenslangen Lernen In einer auf
Wissen gegründeten Gesellschaft müssen die Individuen ihre
Kompetenzen und Qualifikationen laufend auf den neuesten Stand
bringen. Im Jahr 2004 nahm eine/r von fünf erwachsenen
Schweizer/innen (25- bis 64-Jährige) an Bildungsaktivitäten teil.
Mit diesem Resultat belegt die Schweiz den Spitzenplatz unter den
besten europäischen Leistungen und lässt die europäische Zielsetzung
für 2010 (12,5%) weit hinter sich. Diese schmeichelhafte
Feststellung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses
Resultat vor allem auf das Konto der sehr gut Qualifizierten geht,
die in weit höherem Mass Bildungsangebote nutzen als weniger gut
Qualifizierte. Allgemeine und berufliche Bildung 2010 (Lissabon-Strategie) Im März 2000 hat der Europäische Rat in Lissabon zum Ziel gesetzt,
die Europäische Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten
wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen einem
Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum
mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem grösseren sozialen
Zusammenhalt zu erzielen. Als Beitrag zur Erreichung dieses Ziels
haben die Bildungsminister der Europäischen Union im Februar 2001
folgende drei konkreten strategischen Zielsetzungen im Bereich der
allgemeinen und beruflichen Bildung für 2010 vereinbart: 1. höhere
Qualität und verbesserte Wirksamkeit der Systeme der allgemeinen und
beruflichen Bildung in der Europäischen Union, 2. leichterer Zugang
zu den Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung für alle, 3.
Öffnung der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung
gegenüber der Welt. Im Rahmen der Überprüfung dieser übergeordneten Zielsetzungen wurden
fünf konkrete Zielwerte definiert, die als zu erreichende Benchmarks
(Durchschnittsbezugswerte) quantifiziert worden sind: 1. Bis 2010
sollte ein EU-Durchschnittswert von höchstens 10 Prozent
frühzeitiger Schulabgänger erreicht werden; 2. Die Gesamtzahl der
Absolventen des tertiären Bereichs in Mathematik,
Naturwissenschaften und Technik sollte in der Europäischen Union bis
2010 um mindestens 15 Prozent steigen, wobei gleichzeitig das
Geschlechterungleichgewicht abnehmen sollte; 3. Bis 2010 sollten
mindestens 85 Prozent der 22-Jährigen in der Europäischen Union die
Sekundarstufe II abgeschlossen haben; 4. Bis 2010 sollte der Anteil
der 15-Jährigen in der Europäischen Union, die im Bereich der
Lesekompetenz schlechte Leistungen erzielen, im Vergleich zu 2000 um
mindestens 20 Prozent gesunken sein; 4. Bis 2010 sollte der
EU-Durchschnitt der Erwachsenen im erwerbsfähigen Alter
(Altersgruppe 2564 Jahre), die sich am lebenslangen Lernen
beteiligen, mindestens 12,5 Prozent betragen. Die Publikation Das schweizerische Bildungssystem im europäischen
Vergleich: ausgewählte Indikatoren des Bundesamtes für Statistik
stützt sich in Bezug auf die Themen und die erfassten Indikatoren
auf den Bericht der Europäischen Kommission Progress Towards the
Lisbon Objectives in Education and Training. 2005Report, der unter
http://europa.eu.int/comm/education/policies/2010/doc/progressreport0
5.pdf eingesehen werden kann.
Zahlreiche weiteren Informationen zum Programm Bildung und
Ausbildung 2010 können auf der Website der europäischen Kommission
eingesehen werden unter:
http://europa.eu.int/comm/education/index_de.html BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Pressestelle Auskunft:
Wayra Caballero Liardet, BFS, Sektion Bildungssysteme, Wissenschaft
und Technologie, Tel.: 032 713 64 81 (fr)
Emanuel von Erlach, BFS, Sektion Bildungssysteme, Wissenschaft und
Technologie, Tel.: 032 713 62 23 (de)
Neuerscheinung:
Das schweizerische Bildungssystem im europäischen Vergleich.
Ausgewählte Indikatoren, Bestellnummer: 720-0500. Preis: Fr. 7.--
Der Anhang mit den Grundtabellen und methodologischen Informationen
ist unter folgender Adresse in elektronischer Form verfügbar:
http://www.statistik.admin.ch» Themen » Bildung, Wissenschaft »
Bildung » Funktionsweise und Wirkungen von Bildung » Analysen,
Berichte Pressestelle BFS, Tel.: 032 713 60 13; Fax: 032 713 63 46 Publikationsbestellungen, Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60 61, E-
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