Medienmitteilung
economiesuisse - Wirtschaftslagebericht: Nur zaghafte Erholung
2005-06-29T08:35:00
Zürich (ots) - Nach den Beobachtungen von economiesuisse ist die
schweizerische Wirtschaft in den letzten Monaten konjunkturell nicht
weiter vorangekommen. Sie tritt seit dem Herbst 2004 praktisch an
Stelle. Insbesondere die Exporte haben im Zug einer nachlassenden
Welt- und vor allem Europakonjunktur bis März viel von ihrem
früheren Schwung verloren. Die Grundtendenz der Inlandsnachfrage ist
gedämpft. Vor allem der private Konsum gibt in Einklang mit der
unbefriedigenden Lage am Arbeitsmarkt, den schwachen
Detailhandelsumsätzen und den rückläufigen Personenwagenverkäufen
kaum Wachstumsimpulse. Auch die Ausrüstungsinvestitionen entwickeln
sich ohne Schwung. Einzig die Nachfrage nach Bauleistungen hat bei
allerdings markanten Unterschieden in den einzelnen Sparten moderat
angezogen. Am Arbeitsmarkt gibt es kaum Bewegung, und das insgesamt
entspannte Preisklima hat in den letzten Monaten angehalten. Ausblick Weltwirtschaft Die Weltwirtschaft ist 2005 zwar noch mit einem recht
hohen Expansionstempo gestartet. Seither hat aber die konjunkturelle
Dynamik in den Industrieländern nachgelassen. Ausschlaggebend dafür
sind die sich weiterhin auf hohem Niveau bewegenden Erdölpreise und
steigende Notierungen für Industrierohstoffe. Damit sind erhebliche
Kaufkraftumschichtungen von den Verbraucherstaaten zu den
Produktionsländern verbunden, die sich trotz geringerer
Energieabhängigkeit der Industrieländer dämpfend auf die weltweite
Produktionstätigkeit auswirken. Getragen wird die weltwirtschaftliche Expansion nach wie vor von den
USA und China. Die Aussichten für einen Fortgang des günstigen
Wirtschaftsverlaufs in den USA sind intakt, auch wenn die
vorauseilenden Indikatoren ein etwas gemischtes Bild vermitteln. In
China hält die lebhafte Binnenkonjunktur an. Diese beiden Länder
stellen allerdings auch weltwirtschaftliche Risikoherde dar, weil
sie massgeblich zu den bestehenden aussenwirtschaftlichen
Ungleichgewichten beitragen. In Japan setzt sich der Aufschwung mit
verhaltener Dynamik fort. Auch in Grossbritannien und den neuen EU-
Ländern erweist sich die Konjunktur als vergleichsweise robust.
Russland und zahlreiche lateinamerikanische Länder profitieren von
der Hausse an den Rohstoffmärkten. Demgegenüber haben sich die
Aussichten im für die schweizerische Konjunktur wichtigen Euroraum
eher gedämpft. In Deutschland auch im Zusammenhang mit den
bevorstehenden Wahlen herrscht erhebliche Unsicherheit über den
weiteren Konjunkturverlauf; Frankreich zeigt deutliche
Schwächetendenzen und Italien droht in eine Rezession abzugleiten. Trotz einer eingetrübten Europakonjunktur bleiben aber die
weltwirtschaftlichen Perspektiven nicht ungünstig, dürfte doch die
für 2005 erwartete Weltproduktion mit 4 % immer noch stärker wachsen
als im mittelfristigen Trend. Dank einer akkomodierenden Geldpolitik
und günstigen Finanzierungsbedingungen an den internationalen
Kapitalmärkten sollten die von den Rohstoffmärkten ausgehenden
Belastungen verkraftbar bleiben. Allerdings gibt es weiterhin ein
erhebliches Rückschlagspotenzial (Volatilität der Öl- und
Finanzmärkte, aussenwirtschaftliche Ungleichgewichte, politische
Unsicherheit). Schweiz Für die Überwindung der konjunkturellen Stockungen ist es
entscheidend, dass die Europakonjunktur rasch wieder Tritt fasst,
gehen doch rund 40 % der schweizerischen Ausfuhren nach Deutschland,
Frankreich und Italien. Einen Hoffnungsschimmer stellen vielleicht
die günstigen Aussenhandelszahlen im April und Mai dar, die sowohl
export- als auch importseitig Wachstumsraten von rund 10 %
verzeichneten. Auch stufte die Industrie ihre Exportaussichten
zuletzt wieder etwas weniger vorsichtiger ein als vorher.
Zuversichtlich stimmen auch die intakte preisliche
Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft, ihre Präsenz in den
wichtigen Wachstumsregionen sowie die Restrukturierung und
Diversifizierung ihrer Produktionsstandorte. Die intensive Nutzung
der internationalen Arbeitsteilung stärkt damit den Standort Schweiz
und macht ihn auch widerstandsfähiger gegenüber vorübergehenden
Wechselkursschwankungen. Die Hotellerie hofft, dass sich die im
Tourismus beobachtete Trendwende bei den ausländischen
Übernachtungen, trotz schwächerer BIP-Entwicklung, auch auf die
inländischen Gäste übertragen und auf alle Regionen ausbreiten wird. Der private Konsum bleibt solide. Er entwickelt sich aber nur
verhalten, weil die privaten Haushalte wegen der Lage am
Arbeitsmarkt, der höheren Erdölpreisen und einer nur moderaten
Entwicklung der real verfügbaren Einkommen zurückhaltend sind. Die
Ausrüstungsinvestitionen werden mit Blick auf die vorerst nur
mässigen Impulse der internationalen Konjunktur erst allmählich an
Schwung gewinnen. Die Bauwirtschaft einschliesslich des
Ausbaugewerbes kann in den kommenden Monaten dank anhaltend
günstiger Finanzierungsbedingungen für den Wohnungsbau noch mit
einer weiteren Zunahme der Bauproduktion rechnen. Allerdings werden
die positiven Impulse vom Hochbau langsam ausgehen. Der
Geschäftsgang im Dienstleistungssektor bleibt aufwärts gerichtet. Vor diesem Hintergrund kann nur mit einem zögerlichen
Erholungsprozess gerechnet werden. economiesuisse erwartet deshalb
für 2005 ein reales Wachstum, das bestenfalls an der unteren Grenze
seiner Schätzung vom vergangenen Dezember liegt (1,4 1,8 %). Auf
Grund dieser verhaltenen Entwicklung ist in den kommenden Monaten
auch nicht mit einer Entlastung am Arbeitsmarkt zu rechnen. Der
Preisauftrieb wird moderat bleiben. Die Geldpolitik hat angesichts der stagnierenden Wirtschaft und
anhaltender weltwirtschaftlicher Unsicherheiten ihre expansive
Ausrichtung richtigerweise beibehalten. Allerdings zeigen die
jüngsten Erfahrungen, dass eine grosszügige Geldpolitik allein
keinen Einfluss auf das Wachstumspotenzial einer Volkswirtschaft
hat. Auch die Grenzen der Zinspolitik sind angesichts negativer
kurzfristiger Realzinsen einerseits und einer stockenden Wirtschaft
andererseits deutlich geworden. Es liegt deshalb vor allem an der
staatlichen Wirtschaftspolitik, durch weitere entschlossene
Reformassnahmen (Unternehmenssteuerreform, Marktöffnungen im
Binnenmarkt und bei wichtigen Infrastrukturmärkten usw.)
mitzuhelfen, dass die gegenwärtige Seitwärtsbewegung wieder in einen
Wachstumsprozess einmündet. Rückfragen:
economiesuisse, Rudolf Walser, Tel. 044 / 421 35 35
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