Medienmitteilung
Schengen/Dublin:
Die Risiken des Alleingangs
2005-05-20T16:10:00
Zürich (ots) - 29 Regierungsrätinnen und Regierungsräte,
verantwortlich für Justiz und Polizei, empfehlen die Annahme der
Vorlage Ein Abseitsstehen unseres Landes gewährleistet nicht etwa den
heutigen, guten Sicherheitsstandard der Schweiz, sondern setzt
diesen zunehmend aufs Spiel. Je stärker die Länder Europas in der Verbrechensbekämpfung und der
Asylpolitik zusammenarbeiten, desto mehr wird die Aussenseiterrolle
der Schweiz zu unserem eigenen Risiko. Risiko Verbrecher-Schlupfloch: Bald sind wir das einzige von 27 europäischen Ländern, das nicht am
elektronischen Fahndungssystem SIS angeschlossen ist. Folge:
Verbrecher flüchten in das Fahndungsloch Schweiz! Das SIS ist nicht nur eine wertvolle Unterstützung für die
Grenzwache, weil es etwa die Identifikation von Schlepperbanden
erleichtert. Das SIS ist auch ein wertvolles Arbeitsinstrument für
die Polizei im Landesinneren: - Für die Binnenkantone ist das SIS der einzige Zugang zu einem
elektronischen, grenzüberschreitenden Fahndungssystem.
- Namentlich die städtische Polizei trifft bei Personenkontrollen
auf international ausgeschriebene Schwerverbrecher, die heute ohne
SIS aber oft nicht erkannt werden.
- Die Polizei erhält endlich ein zeitgemässes Instrument zur
Kontrolle des europäischen Transitverkehrs durch unser Land.
Zynisch ist, wenn Schengen-Gegner das SIS diskreditieren, indem sie
es mit den Verhaftungszahlen von Kleinkriminellen vergleichen.
Immerhin konnte Deutschland mit dem SIS im Jahr 2004 fast 600
Schwerverbrecher verhaften: Kindsmörder, Sexualverbrecher,
Drogenhändler, Schlepper. Es existiert kein besseres
Fahndungssystem; die Erfolgsquote hat sich mit dem SIS
vervierfacht. Und mit jedem Land, das sich beteiligt, wird der Fluchtraum für
Kriminelle in Europa kleiner. Risiko Asyl-Sammelbecken: Wir sind das einzige von 27 europäischen Ländern, das nicht an der
Fingerabdruck-Datenbank Eurodac zur Verhinderung von Mehrfach-
Asylgesuchen angeschlossen ist. Folge: Anderswo abgewiesene
Asylsuchende stellen ein Zweit-Gesuch in der Schweiz! Damit droht, dass die Schweiz zunehmend zum Auffangbecken von in 27
Ländern abgewiesenen Asylbewerbern wird. Zu den Dimensionen:
350'000 (2003) neue Asylbewerber wurden in den Dubliner Staaten
verzeichnet, wovon die allermeisten abgewiesen wurden; in der
Schweiz wurden 21'000 Asylgesuche gestellt. Eurodac wurde erst im Jahr 2003 in Betrieb genommen. Je stärker
sich dieses System etabliert, desto mehr wird die Schweiz zum
vornehmlichen Ziel von internationalen Schlepperbanden. Denn die
Schweiz ist mittlerweile das letzte Land, indem unerkannt ein Zweit-
Asylgesuch gestellt werden kann. Auch wenn heute natürliche Anfangsschwierigkeiten von Eurodac
kritisiert werden, ist unverkennbar, wohin die Entwicklung führt.
Wir sollten diese im eigenen Interesse nutzen. Das Dubliner
Abkommen entbindet uns nicht von den eigenen Asylaufgaben. Aber es
entlastet unser Asylwesen von Personen, die bereits in der EU ein
Asylgesuch gestellt haben daran müssen alle in unserem Land ein
Interesse haben. Nüchtern entscheiden Die beispiellose Geschlossenheit - 29 Regierungsrätinnen und
Regierungsräte aus allen Parteien, inkl. SVP - und die Zustimmung
von sämtlichen Kantonen zeigt, dass Schengen/Dublin nüchtern
betrachtet nicht mehr und nicht weniger ist als eine zeitgemässe,
zweckdienliche Kooperation im Sicherheits- und Asylbereich. Weitere Auskünfte: Regierungsrat Jörg Schild, 061 267 70 04
Link: http://www.sicherheit-schengen.ch/
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100002808/100490508
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