Medienmitteilung
BFS: Analyseprogramm der Volkszählung 2000
2005-04-26T11:00:00
(ots) - Analyseprogramm der Volkszählung 2000 Die Einbürgerung ist nicht immer Garantie für eine bessere
Integration Personen der zweiten Generation ausländischer Herkunft sind besser
ausgebildet als ihre Eltern. Innerhalb dieser Bevölkerungsgruppe
sind die Eingebürgerten bezüglich Ausbildung und Berufsstatus
erfolgreicher als die Nicht-Eingebürgerten und teilweise sogar als
die gebürtigen Schweizerinnen und Schweizer. Am besten in die
schweizerische Gesellschaft integriert sind junge Italiener/innen
und Spanier/innen. Menschen serbischer- bzw. montenegrinischer
(einschliesslich Kosovo), türkischer und portugiesischer Herkunft
haben noch einen längeren Weg vor sich. Die Erwerbslosenquote der
Eingebürgerten weist aber darauf hin, dass der Schweizer Pass nicht
immer eine Garantie für eine bessere Integration ist. Über die
individuellen Merkmale hinaus spielen strukturelle Aspekte eine
entscheidende Rolle im Hinblick auf das Gelingen der Integration.
Diese komplexen Zusammenhänge werden in zwei vom Bundesamt für
Statistik (BFS) in Auftrag gegebenen Studien zur sozialen Lage der
zweiten Generation und der Eingebürgerten untersucht; durchgeführt
wurden die Studien von der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern und
vom Schweizerischen Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien,
Neuchâtel. Die zweite Generation: eine heterogene Gruppe Die zweite
Generation ausländischer Herkunft, d.h. die in der Schweiz geborenen
Kinder ausländischer Eltern, setzte sich im Jahr 2000 aus rund
500'000 Personen oder 7 Prozent der Wohnbevölkerung zusammen. 32,3
Prozent der zweiten Generation ausländischer Herkunft sind
eingebürgert. Die Einbürgerungsquote variiert nach ehemaliger
Staatsangehörigkeit: Französinnen und Franzosen sowie Kroatinnen und
Kroaten stehen mit 59,5 Prozent bzw. 55,8 Prozent an der Spitze,
gefolgt von Personen mit Herkunft Mazedonien (16%), Portugal (15,6%)
und Spanien (14,2%); am wenigsten Einbürgerungen verzeichnen die
Kosovo-Albaner/innen und die aus Serbien-Montenegro Eingewanderten
mit 10 Prozent. Die Einbürgerungsquoten sind durchwegs höher bei
Jugendlichen, die in der Schweiz geboren sind als bei solchen, die
im Ausland geboren wurden. Dieser Unterschied ist zum Teil
erheblich: So sind beispielsweise 55 Prozent der in der Schweiz
geborenen Kroatinnen und Kroaten eingebürgert, aber nur 12,3 Prozent
der im Ausland geborenen. Schnellerer sozialer Aufstieg im Vergleich zu gebürtigen
Schweizern/Schweizerinnen Die in der Schweiz geborenen Kinder
ausländischer Staatsangehöriger sind in einer besseren Lage als ihre
Eltern. Bei vergleichbarer Ausbildung und vergleichbarem beruflichen
Status lässt sich sogar ein schnellerer sozialer Aufstieg im
Vergleich zu jungen Schweizerinnen und Schweizern feststellen. Dies
gilt in noch grösserem Masse für Eingebürgerte, deren Eltern höhere
berufliche Stellungen bekleiden. So absolvieren 46 Prozent der
20-jährigen Eingebürgerten der zweiten Generation, deren Eltern eine
tertiäre Ausbildung absolviert haben, eine höhere Ausbildung
(Universität bzw. Hochschule). Dieser Anteil beträgt demgegenüber
bei den Nicht- Eingebürgerten 33 Prozent und bei den gebürtigen
Schweizerinnen und Schweizern 23 Prozent (Eltern mit vergleichbarem
sozio- professionellem Status). Sehr jung eingebürgerte Vertreter
der zweiten Generation haben die besten Chancen, eine höhere
Ausbildung zu absolvieren: 29 Prozent der vor dem 15. Altersjahr
eingebürgerten Personen absolvieren höhere Ausbildungen oder haben
sie bereits abgeschlossen, während dieser Anteil bei den zwischen
dem 15. und dem 19. Altersjahr Eingebürgerten nur 15 Prozent
beträgt. Die Eingebürgerten der zweiten Generation erreichen im
Durchschnitt ein höheres Ausbildungsniveau als ihre als Schweizer
Bürger/in geborenen Altersgenossinnen und -genossen. Eingebürgerte
zwischen 20 und 24 Jahren haben zudem 2,5 Mal mehr Chancen, eine
Ausbildung auf tertiärem Niveau zu erreichen als
Nicht-Eingebürgerte. Je früher die Einbürgerung erfolgt, desto
besser stehen die Chancen für eine erfolgreiche Berufskarriere und
damit verbunden für die soziale Integration. Das bestätigt, dass die
Einbürgerung zusammen mit guter Schulbildung und einer hohen
beruflichen Stellung der Eltern einer der Schlüsselfaktoren für den
beruflichen Erfolg darstellt. Italiener/innen und Spanier/innen sind
am besten integriert Die in der Schweiz geborenen Personen
italienischer und spanischer Herkunft haben eine ähnliche soziale
Stellung inne wie die Schweizerinnen und Schweizer. Demgegenüber
zeigen sich bei Jugendlichen, die im Zuge neuerer Migrationswellen
und aus einem anderem soziokulturellen Umfeld in die Schweiz
gekommen sind, wie beispielsweise Leute aus Serbien-Montenegro
(einschliesslich Kosovo), Portugal und der Türkei, grosse
Unterschiede sowohl in Bezug auf das Niveau der absolvierten
Ausbildung als auch auf die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Personen
aus diesen Ländern haben im Allgemeinen auch mehr
Integrationsschwierigkeiten. Sie arbeiten hauptsächlich in den
Sektoren Bauwirtschaft und Hotellerie - den traditionellen Branchen
der ersten Generation - in Stellen, die wenig Qualifikation
erfordern und oft prekäre Anstellungsbedingungen aufweisen. Die
Einbürgerung ist nicht immer Synonym für Integration Eingebürgerte
der zweiten Generation zeigen hinsichtlich der Ausbildung und dem
Erfolg auf dem Arbeitsmarkt ein Verhalten und eine
Leistungsfähigkeit, die sich dem der gebürtigen Schweizer/innen
annähern in gewissen Fällen schneiden sie sogar besser ab.
Anderseits befinden sich bestimmte Gruppen, vor allem Frauen und
Personen mit kürzerer Migrationsgeschichte, in einer prekäreren Lage
und haben auch ein grösseres Risiko, arbeitslos zu werden. Die
Einbürgerung verbessert zwar die Integrationschancen von Menschen
aus Einwandererfamilien, stellt aber dennoch keine Garantie für die
berufliche Integration dar. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Pressestelle Definitionen der Wohnbevölkerung ausländischer Herkunft Die hier verwendeten Definitionen sind demographischer Natur und
stützen sich auf den Geburtsort und die Nationalität ab. Die erste Generation ausländischer Herkunft umfasst die im Ausland
geborenen Personen, die im Laufe ihres Lebens in die Schweiz
eingewandert sind und zum Zeitpunkt ihrer Ankunft in der Schweiz
ausländische Staatsbürger/innen waren. Ende 2000 betrifft dies
1'468'253 Personen oder 20 Prozent der gesamten Wohnbevölkerung. Von
diesen Personen haben 357'064 die Schweizer Staatsbürgerschaft
erworben: nahezu 1 von 4 Personen dieser Gruppe ist also
eingebürgert. Die zweite Generation ausländischer Herkunft umfasst
Personen, die in der Schweiz geboren sind, zum Zeitpunkt ihrer
Geburt aber eine andere Nationalität als die schweizerische hatten,
unabhängig davon, ob sie diese später erworben haben oder nicht.
Diese Bevölkerungsgruppe wird Ende 2000 auf 499'060 Personen oder 7
Prozent der in der Schweiz ansässigen Wohnbevölkerung geschätzt.
Davon waren 160'922 Personen oder 32 Prozent eingebürgert. Die im
Rahmen der eidgenössischen Volkszählung erhobenen Daten erlauben
keine Abgrenzung der Personen der dritten oder weiteren Generationen
ausländischer Herkunft. Diese werden deshalb als Teil der zweiten
Generation betrachtet. Integration Unter Integration wird in diesem Rahmen die Teilnahme am
Bildungssystem sowie auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt
verstanden. Diese so genannte strukturelle Integration kann in den
Daten der Volkszählung anhand der Informationen zum Bildungsniveau,
zum Beruf sowie zur sozio-professionellen Kategorie bzw. zum
Erwerbsstatus erfasst werden. Die kulturelle Dimension der
Integration wird hier nicht einbezogen. Der Prozess der
individuellen Integration hängt von der Migrationsgeschichte, der
soziokulturellen Herkunft, der Dauer des Aufenthaltes in der
Schweiz, dem Qualifikationsniveau und den bestehenden sozialen
Beziehungsnetzen ab. Die Aufnahmegesellschaft ist mitbeteiligt am
Integrationsprozess, und zwar über Rahmenbedingungen und Massnahmen,
wie beispielsweise die (Nicht-) Anerkennung von Diplomen und
Qualifikationen, Diskriminierung bei der Anstellung oder in der
beruflichen Laufbahn. Auskunft:
Informationszentrale der Volkszählung, Tel.: 032 713 61 11 oder 032
713 63 13
Werner Haug, BFS, Abteilung Bevölkerungsstudien und
Haushaltssurveys, Tel.: 032 713 66 85
Rosita Fibbi, Schweizerisches Forum für Migrations- und
Bevölkerungsstudien, Neuchâtel,
Tel: 079 242 84 14 oder 032 718 39 23
Eva Mey, Hochschule für Soziale Arbeit, Luzern, Tel.: 079 513 07 49
oder 041 367 48 80 Neuerscheinung: Fibbi R. et al., 2005, Lintégration des populations
issues de limmigration en Suisse: personnes naturalisées et
deuxième génération - Die Integration der ausländischen zweiten
Generation und der Eingebürgerten in der Schweiz, Neuchâtel:
Bundesamt für Statistik, Bestellnummer: 001-0050. Preis: Fr. 20.--
(exkl. MWSt.) Pressestelle BFS, Tel.: 032 713 60 13; Fax: 032 713 63 46 Publikationsbestellungen, Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60 61, E-
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