Medienmitteilung
BFS: Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens
2005-03-21T09:15:00
(ots) - Kosten und Finanzierung des Gesundheitswesens 50 Milliarden für das Gesundheitswesen Nach den neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) betrugen
die Kosten des Gesundheitswesens 2003 insgesamt 49,9 Milliarden
Franken und sind damit gegenüber 2002 um 4,1% gestiegen. Damit haben
sie in ähnlichem Umfang zugenommen wie in den vorangehenden Jahren.
Der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt (BIP) nahm
von 11,1% (2002) auf 11,5% (2003) zu. Dieser Anstieg hat nichts mit
einer «Kostenexplosion» im Jahr 2003 zu tun, sondern ist auf die
damals herrschende Konjunkturschwäche zurückzuführen. Mit +4,1% war
die Kostensteigerung 2003 leicht höher als im Vorjahr (+4,0%). Sie
entspricht damit der mittleren Jahresveränderung der Periode
1995-2002. Der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt
nahm innert Jahresfrist von 11,1% (2002) auf 11,5% (2003) zu. In der
Schweiz wird somit nach wie vor ein wachsender Anteil der Mittel für
Leistungen und Güter des Gesundheitswesens ausgegeben. Grund hierfür
ist in erster Linie die schlechte Konjunkturlage 2003. Sie hatte zur
Folge, dass das BIP zu laufenden Preisen lediglich um 0,5% wuchs,
während die Kosten des Gesundheitswesens um 4,1% zulegten. Im
internationalen Vergleich steht die Schweiz hinter den Vereinigten
Staaten an zweiter Stelle in der Rangliste der OECD- Länder mit dem
höchsten Anteil der Gesundheitskosten am BIP. Auf den Plätzen drei
und vier folgen Deutschland und Frankreich. Das Gesundheitswesen
umfasst mehrere Leistungserbringer, deren Leistungen in der Regel
nicht von der Krankengrundversicherung (KVG) oder anderen
Sozialversicherungen übernommen werden: Zahnärztliche und
psychotherapeutische Leistungen, nicht verschriebene Medikamente
usw. Hinzu kommt, dass die Kosten für Alters- und Pflegeheime sowie
für Spitex-Leistungen nur teilweise zurückerstattet werden. Unter
dem Strich, d.h. nach Abzug der Kostenbeteiligungen zu Lasten der
Versicherten (Franchise und Selbstbehalt), wurden 2003 lediglich
32,6% der gesamten Kosten des Gesundheitswesens im Rahmen der
Krankenversicherung (KVG) geregelt. Die anderen zentralen
Finanzierungsquellen sind die privaten Haushalte (31,5%) und der
Staat (18,0%). Die Kosten des Gesundheitswesens sind deshalb nicht
gleichzusetzen mit den Kosten, die bei den Krankenversicherungen
anfallen, und die privaten Haushalte haben nicht nur
Prämienerhöhungen zu tragen, sondern auch die Steigerung der Kosten
jener Leistungen, die sie selber bezahlen. Komplexe Ursachen Dem
Kostenanstieg liegen komplexe Ursachen zugrunde, die einerseits mit
dem Angebot und andererseits mit der Nachfrage von Sach- und
Dienstleistungen des Gesundheitswesens in Zusammenhang stehen. Mit
anderen Worten tragen alle Akteure zur Kostensteigerung bei.
Nennenswert sind zum Beispiel auf der Angebotsseite die wachsende
Spezialisierung und Technisierung, die zunehmende Anzahl privat
praktizierender Ärzte sowie die Entwicklung neuer, kostspieliger
Medikamente. Erwähnt seien auf der Nachfrageseite die strukturelle
Entwicklung der Bevölkerung und der Haushalte, die abnehmende
soziale Solidarität (Selbsthilfe, ehrenamtliche Tätigkeit usw.)
sowie der verbesserte Zugang der Bevölkerung zu qualitativ hoch
stehenden Pflegeleistungen. Zunahme der Langzeitpflege Zwischen 1990
und 2003 nahmen die Kosten des Gesundheitswesens durchschnittlich um
4,8% pro Jahr zu. Hinter dieser Zahl verbirgt sich eine
unregelmässige Entwicklung. 1991 wurde mit +13% die grösste
Steigerung notiert; die kleinste Zunahme folgte 1997 mit +2,0%. Der
Anteil der Spitäler an den Kosten des Gesundheitswesens schrumpfte
zwischen 1990 (37,3%) und 2003 (35,6%); dasselbe gilt für den Anteil
der ambulanten Versorgung (ärztliche, zahnärztliche,
physiotherapeutische u.a. Dienste), der von 31,1% auf 29,7 sank.
Demgegenüber legten die sozialmedizinischen Institutionen (Alters-
und Pflegeheime, Institutionen für Behinderte usw.) zu: Ihr Anteil
erhöhte sich von 13,2% (1990) auf 18,0% (2003). Zu dieser Steigerung
dürfte vornehmlich das Altern der Bevölkerung, aber auch die
Verlagerung von Leistungen von der Akutbehandlung in die
Langzeitpflege beigetragen haben. Haushalte entlastet Nachdem der
Finanzierungsanteil des Staates in den 90er-Jahren geschrumpft war
(1990: 19,1%; 1995: 16,1%), legte er ab dem Jahr 2000 wieder zu und
erreichte 2003 18%. Die Sozialversicherungen (Krankenversicherung
KVG, Unfallversicherung UVG, AHV-IV und Militärversicherung)
weiteten ihre Finanzierung zwischen 1990 (33,3%) und 2003 (40,5%)
stetig aus. Von dieser Entwicklung profitierten allen voran die
privaten Haushalte, deren Direktfinanzierungsanteil in dieser Zeit
von 35,7% auf 31,5% zurückging. Kostenhorizont 2006 Die Kosten des
Gesundheitswesens wurden hauptsächlich auf der Basis der mittleren
jährlichen Kostenveränderung ab 1995 geschätzt. Sie dürften 2004
52,0 Milliarden, 2005 54,1 Milliarden und 2006 56,4 Milliarden
betragen. Für diese drei Jahre ist eine jährliche Steigerung von
4,1% zu erwarten. Die Methode zur Prognostizierung der Kosten des
Gesundheitswesens basiert auf einem Modell, das von einer um einen
konstanten Wert schwankenden Jahressteigerung ausgeht. Die Statistik der Kosten und der Finanzierung des Gesundheitswesens
Die Statistik der Kosten des Gesundheitswesens des BFS ist eine
Synthese aus sämtlichem verfügbaren Zahlenmaterial zur Schätzung der
Geldströme rund um die Produktionskosten, die Ausgaben und die
Finanzierung von Gütern und Leistungen des schweizerischen
Gesundheitswesens während eines Jahres. Sie stützt sich dabei auf
die internationale OECD-Methode der Gesundheitskonten. Sie kann
somit erst erarbeitet werden, wenn sämtliche statistischen
Primärdaten verfügbar sind, insbesondere jene der
Sozialversicherungen und der öffentlichen Finanzen. Deshalb werden
die definitiven Berechnungen erst mit einer rund zweijährigen
Verzögerung veröffentlicht. Prognosemodell Die Prognostizierung der Kosten des Gesundheitswesens
erfolgt in zwei Etappen. Zunächst werden für jedes Aggregat der drei
Gliederungsebenen (Leistungserbringer, Leistungen und Direktzahler)
die durchschnittlichen jährlichen Veränderungen der prozentualen
Anteile am Total der Gesundheitskosten berechnet. Auf der Basis
dieser durchschnittlichen jährlichen Veränderungen wird die
Entwicklung jedes Aggregats für die Jahre 2004, 2005 und 2006
geschätzt. Zweitens werden die Kosten des Gesundheitswesens mit
Hilfe eines Prognosemodells geschätzt. Bei einem
95%-Vertrauensintervall liegt die Untergrenze des Intervalls für
2004 bei 50,8, die Obergrenze bei 53,2 Milliarden Franken; für 2005
sind es 52,4 und 56,0, für 2006 54,1 und 58,7 Milliarden. Die für
die Jahre 2004, 2005 und 2006 geschätzten Kosten werden
anschliessend für jede der drei Gliederungsebenen nach Aggregat und
gemäss den Schätzungen aus der ersten Etappe berechnet. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Pressestelle Auskunft: Raymond Rossel, BFS, Sektion Gesundheit, Tel.: 032 713 67
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