Medienmitteilung
Fünf internationale Spitzenuniversitäten im Vergleich: Was kann die
Schweiz daraus lernen oder wie können Schweizer Hochschulen an der
Weltspitze mithalten?
2005-02-08T10:00:00
Zürich (ots) - Hochschulen spielen im immer wichtiger werdenden
Wissenswertschöpfungs-prozess eine zentrale Rolle. Im Rahmen einer
von economiesuisse durchgeführ¬ten Studie wurden fünf
internationale
Spitzenuniversitäten untersucht. Die Er¬gebnisse lassen sich zwar
nicht 1:1 auf das Hochschulsystem Schweiz übertra¬gen, zeigen aber
deutlich, wo unser Land bzw. unsere Hochschulen von den
ausländischen Beispielen lernen könnten. Universitäten in der Wissensgesellschaft Wissen wird immer wichtiger. Damit kommt der Diffusion und
Transmission von neu generiertem Wissen auf verschiedenen Ebenen
der Volkswirtschaft (Unternehmen, Individuen, Regionen) eine
eminente Bedeutung zu. Im ganzen Wissenswertschöp¬fungsprozess
spielen Hochschulen daher eine entscheidende Rolle. Aus diesem
Grund hat die Kommission für Wissenschaft und Forschung von
economiesuisse eine Studie in Auftrag gegeben, welche zeigen soll,
wie internationale Spitzenuniversitäten mit dieser Herausforderung
umgehen, wie sie sich positionieren und welche Rück¬schlüsse sich
für die Schweizer Hochschulen ziehen lassen. Für die Studie wurden
fünf Spitzenuniversitäten ausgewählt, welche im kürzlich erstellten
Ranking führender Forschungsuniversitäten von der Jiao Tong
University in Schanghai aufgeführt wurde: University of California,
University of Oxford, Universiteit Utrecht, University of Tokyo und
die Tsinghua University in China. Ziel der Studie war es, anhand ausgewählter Merkmale relevante
Erkenntnisse für die Gestaltung des schweizerischen
Hochschulsystems zu gewinnen. Als Vergleichskrite¬rien dienten
dabei Leitungs- und Entscheidungsstrukturen, die Finanzierung der
Hochschulen, die Zugangsbedingungen bzw. die Selektion der
Studierenden, die Schwerpunkte in der Forschung sowie die
Beziehungen zu Politik und Wirtschaft. Erfolgsfaktoren der Spitzenuniversitäten Bei den untersuchten Hochschulsystemen zeigen sich trotz
Unterschieden zahlreiche Gemeinsamkeiten: Die zunehmende Autonomie der untersuchten Universitäten bedeutet
grössere planerische und strategische Handlungsspielräume, eigene
Entscheidungsbefug¬nisse in Lehre und Forschung sowie umfassende
Kompetenzen im Personal- und Finanzbereich. Parallel dazu verläuft
die Ablösung der Input- durch die Output¬steuerung, verbunden mit
vermehrten Ex-post-Leistungskontrollen sowie einer verstärkten
Pflicht zur Rechenschaftslegung gegenüber Staat und Gesellschaft. Die Führungsorganisation zeichnet sich durch stärkere
Leitungspositionen und ein Zurückdrängen von Kollegialorganen aus.
Neben den unterschiedlichen Traditio¬nen und Kulturen zeigt es
sich,
dass die Entwicklung einer Hochschule immer auch pfadabhängig ist. Die Finanzierung der Universitäten durch staatliche Beiträge ist
sehr unterschied¬lich: 33 % (University of California), 70 %
(Universität Utrecht). Die Studiengebüh¬ren stellen eine wichtige
Einnahmequelle dar. Die Bandbreite reicht von 600 US$ (Tsinghua
University) bis zu 5000 US $ pro Jahr (University of California).
Gleich¬zeitig verfügen alle Universitäten über ein gut ausgebautes
Stipendien- und Darle¬henswesen. Die Selektion der Studierenden ist im Allgemeinen sehr streng.
Grundsätzlich be¬steht das Ziel, die «besten» Köpfe einer
Alterskohorte für die eigene Universität zu gewinnen. Die globale Vernetzung der Universitäten sowie vermehrte
Forschungskooperatio¬nen zwischen Hochschulen und Unternehmen
spielen eine immer wichtigere Rolle. Die Qualitätssicherung für Lehre und Forschung wird immer
wichtiger. Schlussfolgerungen für die Schweiz Die Schweiz braucht eine Bildungsideologie, die auf Freiräume für
die Universitäten, Eigeninitiative, Eigenverantwortung und
Wettbewerb setzt. Daraus ergeben sich fol¬gende Schlussfolgerungen: 1. Universitäten brauchen Selbstständigkeit. Das gilt
insbesondere
für die Nachwuchs¬förderung. Die Politik soll sich auf die
wichtigsten hochschulpolitischen Rahmenbedingungen konzentrieren
wie
Regelung der Zugangsbedingungen, An¬erkennung der Titel,
Qualitätssicherung und einheitliche Basisfinanzierung. 2. Gute Köpfe machen eine gute Universität aus, was die Freiheit
bei
der Auswahl von Professoren und Studierenden impliziert.
Universitäten sollen sich ihre Studie¬renden selbst aussuchen
können, und Studierende wählen ihre Universitäten frei. Die
Universitäten erhalten das Recht, autonom Professoren zu berufen
und
ei¬gene Anstellungs- und Besoldungsbedingungen festzulegen. 3. Wenn die Studiengebühren erhöht werden, entscheiden die
Hochschulen in eige¬ner Regie über deren Verwendung, ohne dass der
Staat seine Finanzierungsmittel reduziert. Die zusätzlichen
Einnahmen sind zur Qualitätssteigerung der Lehre ein¬zusetzen. Mit
einem Darlehenssystem ist sicherzustellen, dass Studiengebühren
Studierfähige aus finanziellen Gründen nicht vom Studium abhalten. 4. Bildung und Forschung gehören zu den vorrangigen Aufgaben des
Staates. Zu diesem Zweck müssen sich die Haushaltsprioritäten von
Bund und Kantonen ent¬sprechend verändern, was einen Umbau der
staatlichen Ausgabenstruktur erfor¬dert. 5. Gute Corporate Governance im Hochschulsystem heisst
Nachdenken
über die Rolle, Funktionsweise und Organisation der Hochschulen im
gesellschaftlichen Ganzen. Die derzeitigen unklaren Schnittstellen
und Doppelspurigkeiten in der Leitungs- und Kontrollstruktur in
unserem Hochschulsystem sind rasch zu beseiti¬gen. Rückfragen:
Dr. Andreas Steiner, Präsident der Kommission für Wissenschaft und
Forschung von economiesuisse; CEO Belimo Holding AG, Tel. 01 933 11
11
Dr. Rudolf Walser, Chefökonom und GL-Mitglied economiesuisse, Tel.
01 421 35 35
Permalink:

https://www.presseportal.ch/de/pm/100002808/100485833
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