Medienmitteilung
BFS: Satellitenkonto Haushaltsproduktion: Pilotversuch für die Schweiz
2004-11-01T09:15:00
(ots) - Satellitenkonto Haushaltsproduktion: Pilotversuch für die Schweiz Unbezahlte Arbeit erstmals als volkswirtschaftliche Grösse gemessen Rund 8 Milliarden Stunden sind im Jahr 2000 in der Schweiz von der
Bevölkerung ab 15 Jahren unbezahlt gearbeitet worden. Das ist
deutlich mehr als im selben Jahr für bezahlte Arbeit aufgewendet
wurde (6,7 Mia. Stunden). Knapp zwei Drittel davon haben Frauen
beigetragen (65%). Die unbezahlt geleistete Arbeit
(Haushaltsproduktion) wird in der Schweiz auf gut 70 Prozent der von
der schweizerischen volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung erfassten
Bruttowertschöpfung (BIP) geschätzt. Dies zeigt das vom Bundesamt
für Statistik (BFS) im Sinne eines Pilotversuchs erstmalig für die
Schweiz vorgelegte Satellitenkonto Haushaltsproduktion (SHHP). Das
Satellitenkonto Haushaltsproduktion (SHHP) beinhaltet sowohl
monetäre wie nicht-monetäre Daten wie zum Beispiel die Anzahl
Stunden, welche in unbezahlte Arbeit investiert werden. Das
vorliegende Pilotprojekt ist eine wichtige Zwischenstation auf dem
Weg zur umfassenden Berücksichtigung der unbezahlten Arbeit
innerhalb der gesamtwirtschaftlichen Statistikanalyse. Obwohl es
noch einige offene Fragen gibt und die Qualität der verwendeten
Daten noch verbessert werden kann, bildet diese Studie einen guten
Ansatz für die Analyse der volkswirtschaftlichen Bedeutung der
unbezahlten Arbeit. In Zukunft soll die unbezahlte Arbeit
regelmässig volkswirtschaftlich bewertet und die dabei verwendete
Methode konsolidiert werden. Nicht-monetäre Resultate Im
Gesamtdurchschnitt wenden Frauen mit 31 Stunden pro Woche beinahe
doppelt so viel Zeit für Haus- und Familienarbeit auf wie Männer (17
Stunden). Am grössten ist der Aufwand in Familienhaushalten mit
Kindern unter 15 Jahren, wo Frauen rund 54 Stunden pro Woche
investieren und Männer 24 Stunden. Aus gesamtgesellschaftlicher
Sicht wurden im Jahr 2000 rund 8 Milliarden Stunden von der
gesamten, ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren in der Schweiz
unbezahlt gearbeitet. Knapp zwei Drittel davon wurden von Frauen
geleistet (65%). Die Hausarbeiten machen mit 6 Milliarden Stunden
drei Viertel des Gesamtvolumens an unbezahlter Arbeit aus. Die
Betreuungsaufgaben im Haushalt lassen sich mit rund 1,25 Milliarden
Stunden pro Jahr beziffern (15,5% des Gesamtvolumens). Für
Freiwilligenarbeit wurden 741 Millionen Stunden aufgewendet (9,2%
des Gesamtvolumens). Dabei fallen auf die beiden Typen von
Freiwilligenarbeit jeweils etwa die Hälfte (372 Mio. für
institutionalisierte und 369 Mio. für informelle
Freiwilligenarbeit). Die geldmässige Bewertung der unbezahlten
Arbeit Die gesamte, im Jahr 2000 geleistete unbezahlte Arbeit wird
auf einen Geldwert von beinahe 250 Milliarden Franken geschätzt. Die
Hausarbeit macht den weitaus grössten Anteil aus mit rund 172 Mia.
Franken. Die Betreuungsaufgaben werden auf rund 49 Mia. geschätzt,
die institutionelle und informelle Freiwilligenarbeit zusammen auf
knapp 27 Mia. Franken. Der Beitrag der Frauen macht gesamthaft
beinahe zwei Drittel des Gesamtwertes aus (63%). Je nach
Tätigkeitsfeld variiert dieser Anteil: Bei den Hausarbeiten ist er
genau zwei Drittel (66%), bei den Betreuungsaufgaben 60 Prozent und
bei der Freiwilligenarbeit knapp die Hälfte (49%). Die monetäre
Bewertung der unbezahlten Arbeit wird nach der Marktkostenmethode
mit so genanntem Spezialistenlohnansatz durchgeführt (vgl. Kasten).
Es werden Bruttolohnansätze inklusive Arbeitgeberbeiträge verwendet,
da diese aufzeigen, welche wirtschaftlichen Ströme erzeugt würden
und wie dadurch Aggregate der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
(VGR) beeinflusst würden, falls die Produktion vom Haushalt
tatsächlich auf den Markt verlagert würde. Das Satellitenkonto
Haushaltsproduktion Im Zentrum des Satellitenkontos
Haushaltsproduktion (SHHP) steht die unbezahlte Arbeit. Ziel des
SHHP ist es, eine Verbindung zur Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung (VGR) herzustellen, damit der Wert der unbezahlten
Arbeit methodisch korrekt in Bezug gesetzt werden kann zur gesamten
Bruttowertschöpfung des Landes. Die vorliegende Studie beziffert die
Bruttowertschöpfung der Haushalte auf gut 40 Prozent der
Bruttowertschöpfung der Gesamtwirtschaft inklusive
Haushaltsproduktion. Oder anders formuliert, im Verhältnis zur
gesamten, von der VGR registrierten Nicht-Haushaltswertschöpfung
(modifizierte Gesamtwirtschaft) macht die Wertschöpfung der
Haushalte rund 70 Prozent aus. BUNDESAMT FÜR STATISTIK
Pressestelle Auskunft:
Ueli Schiess, BFS, Sektion Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung,
Tel.: 032 713 60 66
Jacqueline Schön-Bühlmann, BFS, Sektion Sozioökonomische Analysen,
Tel.: 032 713 64 18 Neuerscheinung: Satellitenkonto Haushaltsproduktion. Pilotversuch
für die Schweiz. Neuchâtel 2004, Bestellnummer: 643-0400, Preis: Fr.
10.- Pressestelle BFS, Tel.: 032 713 60 13; Fax: 032 713 63 46 Publikationsbestellungen, Tel.: 032 713 60 60, Fax: 032 713 60 61, E-
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